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Mittelalterliche Funde von der Burg Siersberg fertig restauriert





Siersburg
Ein Fenster in eine andere Zeit
Mittelalterliche Funde von der Burg Siersberg fertig restauriert

Johannes A. Bodwing,  29. November 2016, 02:00 Uhr
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Rekonstruktion des Buntglasfensters von der Burg Siersberg aufgrund des alten Bleinetzes. Foto: Landesdenkmalamt Foto: Landesdenkmalamt
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Fundzustand im Jahr 2009 des Buntglasfensters von der Burg Siersberg. Foto: Landesdenkmalamt

Foto: Landesdenkmalamt
Ein wirres Puzzle aus alten Bleisträngen und Glasscherben war der Fensterfund Mitte 2009 auf der Burg Siersberg. Die Einzelteile wurden mit Hilfe modernster Technik restauriert. Das Ergebnis ist im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken ausgestellt.

Mit so etwas hatte keiner gerechnet, als Mitte 2009 Sicherungsmaßnahmen im südwestlichen Teil der Burg Siersberg erfolgten. Die Ringmauer sollte saniert werden, parallel waren Archäologen im Einsatz, um mögliche Funde zu erfassen. Dann tauchte ein Klumpen aus Bleisträngen, Sand und Glasscherben auf. Etwa 45 auf 30 Zentimeter groß. So etwas wurde „in Mitteleuropa in diesem Zustand noch nicht gefunden“, sagte Landesdenkmalpfleger Rupert Schreiber schon damals.

Kurios war der Fundort, ein verschütteter Abort im südlichen Teil der Burgmauer. Knochen und gewöhnliche Scherben lagen darin. Aber auch Fensterreste und gut erhaltene Reste eines Trinkgeschirrs aus Ton. Die betreffende Bodenschicht wurde auf etwa 1250 bis 1350 datiert. Damals lebte Marco Polo, und die letzten Kreuzzüge ins Heilige Land fanden statt.

Das Trinkgeschirr besteht aus zwei nahezu vollständig erhaltenen Kannen. Dazu kommt, laut Schreiber, ein „sehr seltener Becher“, ohne Henkel mit kleinem Standfuß. Diese Stücke waren in gewohnter Weise zu restaurieren. Die Reste des Fensters jedoch stellten selbst Experten vor Herausforderungen. Chemische Analysen legten Farbreste frei, aber die Motive waren auf dem fast völlig korrodierten Glas nicht mehr zu sehen. Erst aufwendige Verfahren wie Röntgenspektroskopie und 3-D-Computertomografie, förderten Details zutage. Die Restaurierung konnte ab 2015 mit Hilfe eines Förderprogrammes der Kulturstiftung der Länder erfolgen.

Mittelalterliche Glasmalerei

Aus der Burgkapelle könne das Fenster stammen, so erste Vermutungen. Inzwischen gehe man von der Verwendung in einem Wohnbereich aus, stellte Schreiber dar. Was für diese frühe Zeit schon recht ungewöhnlich sei. Dazu komme, dass aus der Zeit um etwa 1300 „im Saarland bisher nur einzelne Scherbchen mit Bleirest“ gefunden wurden. Dieses Fenster aber sei der bislang älteste Beleg mittelalterlicher Glasmalerei im Saarland. Auch in weiterem Umfeld gebe es äußerst wenige mittelalterliche Glasfenster.

Das nur drei Millimeter dünne Bleinetz gilt als fast vollständig erhalten. Mittels zeichnerischer Übertragung ließen sich damit Form und Aufteilung des Fensters rekonstruieren. „Man wusste auch nicht, wie die Fensterschließen in Burgen aussahen“, sagte Schreiber. Aus abgebrochenen Ösen des Siersberger Fensters sowie fehlendem Randblei schließe man auf eine Befestigung des Glasfensters in einem Holzrahmen. Das Fundstück war ursprünglich 46 Zentimeter schmal und 95 Zentimeter hoch. Schreiber sieht darin einen „frühen Beleg einer gegebenenfalls repräsentativen profanen Ausstattung einer Burganlage im späten 13. Jahrhundert“.

Statt Figuren sind blumenartige Motive aufgetragen. Auffällig sind drei Adler mit dünnen Hälsen und gestümmelten Schwänzen. Diese Darstellung ist vom lothringischen Wappen bekannt. Das wiederum passt für Schreiber zur Burggeschichte. „Wir haben eine lothringische Burg mit einem Buntglasfenster deutscher ornamentaler Malerei, wie man sie beispielsweise am Rhein findet.“ Die französische Manier beginne etwa ab Verdun-Metz. Ein Hintergrund für dieses Fenster könne der Handelsweg unterhalb der Burg gewesen sein. Dort querte die von Oberitalien kommende Flandernstraße die Nied. Vermutlich habe dies die finanzielle Grundlage für das Fenster geschaffen. Durch Beziehungen über die Region hinaus womöglich auch Kontakte zu Glasmalern.

Mutwillige Zerstörung

Den Fensterfund sieht Schreiber im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung zwischen dem Erzstift Trier und Lothringen. 1334 setzte Bischof Balduin von Trier seine Ansprüche an der Burg gegenüber dem lothringischen Herzog durch. Danach wollte man wohl das Fenster mit lothringischen Motiven nicht mehr sehen. Mutwillig kaputt gemacht habe man es, schätzt Rupert Schreiber. „Das Bleinetz war verdrillt worden und mit den Glasscherben im Abort entsorgt.“


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