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Stadt will direkt neben Radweg einen weiteren bauen – für hunderttausende Euro





Saarlouis
Rad ab in Lebach?
Stadt will direkt neben Radweg einen weiteren bauen – für hunderttausende Euro

Von SZ-RedakteurJohannes Schleuning,  15. Februar 2014, 00:00 Uhr
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An der B 269 zwischen Knorscheid und Lebach führt seit zwei Jahren ein Radweg entlang. Auf einem alten Bahndamm in der Talaue der Theel (links) soll nun ein weiterer entstehen. Foto: Rolf Ruppenthal Foto: Rolf Ruppenthal
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Die Gemeinde Lebach ist mit 60 Millionen Euro verschuldet – und will sich parallel zu einem bestehenden Radweg einen weiteren leisten, in Sichtweite. Anwohner gehen auf die Barrikaden, der Steuerzahlerbund spricht von Geldverschwendung.


 
Ein Radweg, der für mehrere hunderttausend Euro parallel zu einem bereits bestehenden Radweg gebaut werden soll? Ein Radweg, der offizieller Teil des „Primstal-Radwegs“ sein will, aber nicht an dem Fluss Prims entlang führt, sondern von ihm weg? Es gibt nicht wenige, die sich schwer damit tun, das zu verstehen. Etliche Bürger schütteln den Kopf. Der Bund der Steuerzahler im Saarland spricht von „Verschwendung von Steuergeldern“. Paul Brück, Ortsvorsteher des zu Lebach gehörenden Dorfes Knorscheid, an dem der Radweg vorbeiführen soll, fragt: „Sind die eigentlich noch zu retten?“

Der Reihe nach. Im Rahmen des Tourismusprojekts „SaarRadland“ hat das Wirtschaftsministerium den Bau des Primstal-Radwegs von Hermeskeil nach Dillingen in Auftrag gegeben. Kostenpunkt: 3,9 Millionen Euro. Entlang der „Wilden Prims“ werden die Kommunen Schmelz, Lebach und Nalbach mit der Projektplanung betraut. Dieser Teilabschnitt des Radweges soll insgesamt 752 000 Euro kosten. Die Hälfte der Summe kommt aus EU-Fördergeldern, 20 Prozent schießt das Land zu, 225 750 Euro sollen die Kommunen selbst finanzieren.

Die Gemeinde Schmelz macht sich ans Werk und verhandelt mit Grundstückseigentümern über den Streckenverlauf. Und kommt zu dem Schluss: „Für eine Realisierung standen die dafür benötigten Grundstücke nicht zur Verfügung. Zudem gab es Bedenken in Bezug auf den Naturschutz“, erklärt Bürgermeister Armin Emanuel (SPD). Seine Gemeinde bringt daraufhin einen Streckenverlauf in Richtung Lebach ins Spiel. Der Radweg soll dazu die Prims verlassen, die Lebacher Gemeindegrenze kreuzen und bei Knorscheid über einen bestehenden Radweg an der B 269 zurück an die Prims bei Körprich (Gemeinde Nalbach) gelangen. Ein alter Bahndamm bei Knorscheid könne zudem genutzt werden, um von Knorscheid aus eine „attraktive“ Anbindung des Radweges nach Lebach herzustellen. Das ganze Vorhaben – auf Lebacher Boden – schaffe einen „touristischen Mehrwert“, argumentiert Emanuel. Tatsache ist: Jetzt zahlt Lebach den Löwenanteil für den Primstal-Radweg in diesem Bereich. Nicht Schmelz. Ursprünglich hätte der Primstal-Radweg nur wenige hundert Meter durch die Stadt Lebach führen sollen. Jetzt sind es drei Kilometer – plus eine knapp vier Kilometer lange Anbindung nach Lebach. Gesamtkosten: über 400 000 Euro. Abzüglich von Fördermitteln der EU und des Landes muss Lebach 102 000 Euro berappen. Die Gemeinde ist mit rund 60 Millionen Euro verschuldet.

Für besonderes Unverständnis bei vielen Bürgern sorgt der geplante Radweg-Neubau von Knorscheid nach Lebach – nur einen Steinwurf entfernt von dem vor zwei Jahren für insgesamt 875 000 Euro gebauten Radweg entlang der B 269: Zwei parallele Radwege, knapp vier Kilometer lang und in Sichtweite. „Das kommt in unser Schwarzbuch für Fälle öffentlicher Steuergeldverschwendung“, sagte Christoph Walter vom Bund der Steuerzahler gestern der SZ. Klauspeter Brill, parteiloser Bürgermeister von Lebach, verteidigt den Neubau damit, dass „der Radweg an der B 269 für Radtouristen nicht attraktiv ist“. Auch würden dank des Neubaus die Kosten in Höhe von 250 000 Euro für eine geplante Brückensanierung bei Knorscheid entfallen. Die Brücke über den alten Bahndamm würde dann nicht mehr gebraucht, und man könne einen „kostengünstigeren Übergang“ schaffen. „Unterm Strich sparen wir also“, sagt Brill. Auf Nachfrage räumt er allerdings ein, dass man einen kostengünstigeren Übergang auch ohne Radweg-Neubau schaffen könnte – und so noch mehr einsparen würde. „Aber dann hätten wir die Radtouristen nicht“, so Brill. Von denen erwartet er sich einen Gewinn nicht zuletzt für Gewerbetreibende in der Gemeinde. Am Mittwoch soll nach einer Anhörung des Knorscheider Ortsrats entschieden werden, ob die (zusätzliche) Radwegsanbindung nach Lebach gebaut wird oder nicht.

Touristischer Mehrwert hin oder her: Manch einer fragt sich inzwischen, weshalb Lebach sich überhaupt auf die von der Nachbargemeinde Schmelz initiierte Streckenverlagerung eingelassen hat. Böse Zungen behaupten, dass im Sommer 2013 – just zu dem Zeitpunkt, als Lebach sich auf den Vorschlag einließ – Schmelz von dem Vorranggebiet für Windkraftanlagen „Großer Horst“ an der Gemeindegrenze zu Lebach Abstand nahm. „Wer diesen Zusammenhang konstruiert, liegt völlig daneben“, sagt der Schmelzer Bürgermeister Emanuel. Lebachs Bürgermeister Brill, erst seit August 2013 im Amt, sagt: „Was vor meiner Amtszeit an Absprachen getroffen wurde, weiß ich nicht.“


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