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Nach drei Operationen lernte 19-Jährige das Laufen





Saarbrücken
Amina kann wieder laufen
Nach drei Operationen lernte 19-Jährige das Laufen

Von SZ-Redakteur Michael Beer,  12. September 2013, 00:00 Uhr
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Amina Zerizgi kann nach der Behandlung wieder laufen. Klinik-Geschäftsführer Wolfgang Steil (links) und der Spezialist Klemens Bieringer würden sie gerne weiterbehandeln. Foto: Jacobi Foto: Jacobi
Ein Dreivierteljahr hat Amina Zerizgi aus Eritrea im Krankenhaus verbracht. Nach einer intensiven medizinischen Behandlung kann sie jetzt wieder laufen. Für die 19-Jährige geht ein Traum in Erfüllung. Möglich wurde der Traum auch, weil eine Saarbrückerin für die notwendigen Kontakte sorgte.


 
Ihre Zurückhaltung hat sie auch nach einem Dreivierteljahr noch nicht abgelegt. In der Runde mit Ärzten, Pflegern, Sanitätshaus, Hilfsorganisation und Presse zieht Amina es meist vor, den Blick zu senken. Für die wichtigste Aussage des Tages muss sie auch nicht viel reden. Sie betritt den Raum auf ihren Beinen – nicht im Rollstuhl. Damit ist eigentlich schon alles gesagt.

Die zierliche 19-Jährige aus Eritrea ist seit Januar im Kreiskrankenhaus St. Ingbert. Als Amina Zerizgi kam, konnte sie nicht gehen. Nach einem schweren Unfall in Kindestagen war ihr rechtes Bein vom Knie abwärts massiv deformiert. Über Verwandte, die in Frankfurt leben und eine Saarbrückerin kam ein Kontakt zur Dillinger „Initiative für Einzelschicksale“ zustande. Die sorgte für einen Flug aus dem ostafrikanischen Land nach Deutschland und stellte den Kontakt zur St. Ingberter Klinik her. Im Januar operierte Oberarzt Klemens Bieringer Amina zum ersten Mal. Sie trug fünf Monate eine Spezialschiene, den Taylor Spatial Frame, der dafür sorgte, dass ihr Bein 6,5 Zentimeter länger wurde und – die schwierigere Aufgabe – die starken Fehlstellungen der Knochen und Gelenke behoben wurden. Anfang April saß die junge Frau nach den ersten Operationen mit dem komplizierten Gestell um ihren Unterschenkel im Rollstuhl (die SZ berichtete), heute kann sie wieder gehen. Für den Spezialisten Bieringer ist der Behandlungsfortschritt selbst überraschend: „Es ist besser gelaufen, als ich es mir vorgestellt habe. An den Fuß wollte ich mich zuerst gar nicht heranwagen. Aber nachdem das Knie perfekt heilte, haben wir auch das Sprunggelenk korrigiert.“

Insgesamt drei OP's waren notwendig. Das Kreiskrankenhaus trug seine Kosten selbst, die Spezialschiene gab's vom Hersteller günstig, und auch die St. Ingberter Orthopädiefirma Lattrich schaltete sich ein und produzierte umsonst einen Spezialschuh. Mit der medizinischen Versorgung – Oberarzt Bieringer lobt besonders das Pflegepersonal, dessen großer Einsatz den kritischen Heilungsprozess optimal begleitet habe – war es aber nicht getan.

Krankenhaus-Geschäftsführer Wolfgang Steil weiß davon zu berichten. Seine Frau, die Physiotherapeutin Heidi Degro-Steil, und er haben Amina auch mit zu sich nach Hause genommen, um ihr eine Abwechslung vom Krankenhausaufenthalt zu ermöglichen. Die Verständigung lief größtenteils per Zeichensprache. Besonders Ausflüge zu McDonalds hätten auf Aminas Gesicht ein Lächeln gezaubert, sagt Steil und fügt hinzu: „Wir lassen sie gar nicht gerne gehen.“ Das sieht Oberarzt Bieringer genauso. Die stationäre Behandlung läuft jetzt aus. Anstelle eines Rückflugs in eine politisch und gesellschaftlich instabile Welt würde er sie gerne noch eine Weile nachbetreuen: „In Deutschland würden wir einen solchen Fall noch zwei Jahre verfolgen. Ihr Gangbild ist noch nicht so, wie ich es mir vorstelle.“

Dolmetscherin Akberet Debessai hat bereits angeboten, Amina aufzunehmen. Dr. Mohammed Ghodstinat, Vorsitzender der „Initiative für Einzelschicksale“, wünscht sich Paten für die junge Frau, sollte ihr Visum für eine Nachbehandlung verlängert werden. Amina selbst schaut ab und an auf und lächelt scheu. Ein Traum sei in Erfüllung gegangen, ist einer der wenigen Sätze, der über ihre Lippen kommt.

Amina, halten Sie derzeit Kontakt zu Ihrer Familie und wenn ja, wie?

Amina: In meinem Dorf gibt es an einem Tag in der Woche Strom. An diesem Tag telefoniere ich über das Handy eines Nachbarn mit meinen Eltern, da wir selbst kein Telefon haben.

Sie sind jetzt seit neun Monaten hier. Wie geht es Ihnen inzwischen?

Amina: Ich habe mehr erreicht, als ich mir erhofft hatte. Ich kam mit dem Ziel hierher, gesund zu werden. Aber für das, was seitdem passiert ist, fehlen mir einfach die Worte, um es beschreiben zu können. Es ist wie ein Traum.

Wie geht es jetzt weiter nach dem Aufenthalt im Kreiskrankenhaus?

Amina: Ich möchte ganz gesund werden und dann wieder zur Schule gehen.

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