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Gewitter riss den Turm abWo gingen wir hin mit Freude und Leid?





Gewitter riss den Turm abWo gingen wir hin mit Freude und Leid?
Von SZ-Redakteurin Monika Kühn ,  24. September 2008, 23:06 Uhr
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So sah die Kirche um das Jahr 1900 aus, vom Haupteingang aus gesehen.
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Lebach. Die Pfarrkirche in Lebach ist 125 Jahre alt. Aus diesem Anlass lädt die Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien zu einem offiziellen Festakt am Freitag, 26. September, 18 Uhr, in die Kirche ein. Festredner des Abends wird der Historiker Johannes Naumann sein, der über die Hintergründe des Neubaus der Kirche im 19. Jahrhundert berichten wird
Lebach. Die Pfarrkirche in Lebach ist 125 Jahre alt. Aus diesem Anlass lädt die Pfarrgemeinde Heilige Dreifaltigkeit und St. Marien zu einem offiziellen Festakt am Freitag, 26. September, 18 Uhr, in die Kirche ein. Festredner des Abends wird der Historiker Johannes Naumann sein, der über die Hintergründe des Neubaus der Kirche im 19. Jahrhundert berichten wird. Im Anschluss lädt die Pfarrei zum Empfang.

"Das Heilige braucht Raum in dieser Welt." Unter dieses Motto wurde das Jubiläumsjahr gestellt. Während des ganzen Jahres fanden bereits Projekte und die unterschiedlichsten Darbietungen in Form von Konzerten oder Ausstellungen statt. Kindergärten, Schulen, Chöre und Vereine machten mit. Die katholische Kirchengemeinde kann auf eine lange Tradition zurückblicken. Um 950 wurde die Lebacher Pfarrei erstmals im Verzeichnis der Pfarreien, die nach Mettlach wallfahrten, erwähnt. Aus der Chronik ist weiter zu erfahren, dass 1739 wertvolle Messgeräte angeschafft wurden, gegen 1770 wurde das Kirchenschiff erneuert und das heutige Pfarrhaus als spätbarockes Palais erbaut. 1869 wurde Lebach mit 16 Pfarreien zum Dekanat erklärt.

Raub und Plünderungen brachten die Zeit der Französischen Revolution und die napoleonische Zeit. 1802 wurde das gesamte Kirchenvermögen eingezogen. Gottesdienste zu feiern, war nicht mehr möglich. 1825 wurde Christian Geller zum Pfarrer für Lebach berufen. Er wirkte 38 Jahre lang als Seelsorger und schuf die Voraussetzung, dass Dechant Jakob Schneider 1881 die alte Kirche, einschließlich des über 1000 Jahre alten romanischen Turmes, abtragen ließ und die jetzige Kirche erbaute. Am 1. Oktober 1883 wurde die Kirche durch Weihbischof Kraft konsekriert. Architekt war Carl-Friedrich Müller aus Fraulautern. Zwölf Jahre später riss der Turm aufgrund eines schweren Gewitters über der Vierung ab und fiel auf das Dach des Kirchenschiffes. Das Gewölbe stürzte ein, die Orgel wurde zertrümmert, die Kirche war unbenutzbar. Doch durch großen Einsatz der Lebacher war das Gotteshaus ein halbes Jahr später wieder aufgebaut.

Neue Orgel

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der baufällige Turm 1966 durch einen neuen ersetzt, eine größere Sakristei angebaut. Eine unüberlegte Umgestaltung des Innenraumes der Kirche in den 50er Jahren führte dazu, dass der neugotische Flügelaltar, die Kanzel, die holzgeschnitzte Kommunionbank und viele wertvolle Holzfiguren verloren gingen. Grundlegend saniert wurde die Kirche in den 80er Jahren. 100 Jahre nach der Konsekration erstrahlte sie im Oktober 1983 in neuem Glanz. 1987 wurde die neue Orgel eingeweiht. Die Pfarrei Hl. Dreifaltigkeit und St. Marien feiert den 125. Geburtstag ihrer Pfarrkirche. Das Jahr steht unter dem Motto: Das Heilige braucht Raum in dieser Welt. Weshalb wurde dieses Motto gewählt?

Franz-Rudolf Müller: Das Motto ist ein Wort von Hildegard von Bingen, das sie formulierte, als sie ihr Kloster auf dem Ruppertsberg baute. Für mich war es ein Thema, das in diese Zeit passt, weil oberflächlich gesehen, Gott (der Heilige) an Raum verliert oder vergessen wird. Das ist oberflächlich. Denn was wäre, wenn das Heilige keinen Raum mehr hätte, auch keinen Kirchenraum mehr? Wo gingen wir hin mit unserer Freude, unserer Trauer, unserem Kummer und unserem Leid? Wo sagt uns jemand etwas über den Sinn des Lebens, über seine Weite und Größe? Was geschieht, wenn wir schweigen über die Würde des Menschen? Wenn wir das Leben zu kurz sehen und verstehen, wenn wir es einengen auf ein paar Jahre in dieser Welt, dann ist der Unmenschlichkeit Tür und Tor geöffnet, dann wird der Mensch des Menschen Wolf, weil er unter allen Umständen sehen muss, dass er zu seinem Recht kommt. Was ist, wenn der Mensch seinen Schöpfer verleugnet und alles dem Zufall anheim gibt? Wer sagt dem Menschen, der krank oder behindert ist, dass sein Leben lebenswert ist? Wenn das Heilige kein Platz mehr in unserer Welt und in unseren Herzen hat, dann hat der Mensch auch keinen Platz mehr.

Als Sie vor 18 Jahren Ihren Dienst in Lebach antraten, wie fanden Sie die Gemeinde vor?

Müller: Als ich vor 18 Jahren kam, fand ich eine christliche Gemeinde vor, in der es viel ehrenamtliches Engagement gab. Kirchliche Gruppen und Räte bestimmten das gemeindliche Leben. Das war für mich ein sehr guter Ansatz. Mit dem Team der Hauptamtlichen formulierten wir das Ziel: Christliche Gemeinde sind die Menschen, die Sorge tragen füreinander und für die anderen. Seelsorge war für mich - im Nachgang des II. Vatikanischen Konzils - ein einladendes Berühren der unterschiedlichen Menschen mit der großartigen Botschaft, die durch Jesus Christus in diese Welt kam. Eine Botschaft des Lebens, die Leben schafft, garantiert und mit Würde ausstattet. Der heute selbstbestimmte Mensch lässt sich nicht dorthin führen, wo eine große Organisation oder eine Tradition es will, er will überzeugt werden, sich angenommen und ernst genommen wissen. So haben wir in den vergangenen Jahren gearbeitet und erleben mit Freude, dass heute eine Gemeinde da ist, die in vielen Bereichen für sich selbst sorgt. So können wir mit Mut und Vertrauen in die Zukunft schauen.

Welche großen Herausforderungen warten auf Sie und Ihre Mitarbeiter in den kommenden Jahren?

Müller: Die große Herausforderung ist die, die uns durch die Strukturreform vorgegeben ist. Das Projekt 2020 verlangt die Kräfte zu bündeln und in neuen, größeren pastoralen Räumen darauf zu achten, dass das Heilige Raum in der Welt behält. Der neue pastorale Raum sind alle Pfarreien, die zur Stadt Lebach gehören - mit Ausnahme von Gresaubach, das sich der Pfarreiengemeinschaft Schmelz anschließen wird.

Dankenswerterweise haben wir in Lebach ein Seelsorgeteam, das hier mitüberlegt. Konkret bedeutet es, dass wir mit dem Pfarrer der Theeltalgemeinden überlegen, wie durch gegenseitige Begegnung ein Zusammenwachsen möglich ist. Die Pfarreienräte werden sich noch in diesem Jahr treffen, um über gemeinsame Projekte und Aktionen zu beraten. Mein Traum ist eine Steuerungsgruppe aus Ehren- und Hauptamtlichen, die verantwortlich weitere Schritte in die Zukunft plant. Jammern ist das falsche Zeichen, das wäre Resignation. Für mich ist diese Situation eine sehr spannende, denn es geht darum, dass der Glaube als Lebenshilfe nicht verstummt.


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