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Egbert Baqué verdankt Saarbrücken sein erstes Laster und seine frankophile Prägung





Saarbrücken
Die erste Zigarette im Schlosspark
Egbert Baqué verdankt Saarbrücken sein erstes Laster und seine frankophile Prägung

Von  Nicole Baronsky, 
25. Januar 2016, 02:00 Uhr
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„Egbert Baqué Contemporary“ – die Galerie des gebürtigen Saarbrückers in Berlin. Hier ein Blick in die Fassbinder/Baal-Ausstellung vom Frühsommer letzten Jahres. Zu sehen sind Arbeiten von Rainer Fetting, Giuseppe Gonella und Volker Schlöndorff. Foto: Baqué Foto: Baqué
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Egbert Baqué. Foto: Martin Peterdamm
Manchmal beschert das Internet schöne Überraschungen. Wir hielten mit der Suchmaschine Google nach Menschen Ausschau, die in Saarbrücken geboren und in aller Welt künstlerisch aktiv sind. Und haben Erstaunliches gefunden. In loser Folge stellen wir interessante Menschen vor, die einst in Saarbrücken zu Hause waren. Heute: Egbert Baqué, Galerist in Berlin.
. Egbert Baqué hat noch viele Erinnerungen an Saarbrücken, obwohl er die Stadt im Alter von 14 Jahren verlassen hat. „Ich kann mich noch gut an die Saarmesse erinnern, an den Deutsch-Französischen-Garten oder die Spicherer Höhen. Und im Schlosspark habe ich mit Blick auf die Saar meine erste Zigarette geraucht“, erzählt der Berliner Galerist und lacht. Hier in Saarbrücken erhielt er seine frankophile Prägung, die ihn auch heute noch von Zeit zu Zeit nach Saarbrücken führt, wenn er mal wieder in Sachen Kunst nach Paris fährt.

„Ich habe immer noch eine sentimentale Beziehung zu der Stadt“, sagt der charmante Galerist mit dem großen Faible für französische Literatur und Musik. Sein Lebensweg ist aber eng mit der Stadt Berlin verbunden. Als er 1966 mit seiner Mutter nach Berlin zieht, setzt dort gerade die kulturrevolutionäre Studenten- und Bürgerrechtsbewegung ein, die ihn fasziniert und mitreißt. Der junge Mann ist politisch und literarisch interessiert, beschäftigt sich mit dem Maoismus.

Noch bevor er sein Studium der Sinologie beginnt, engagiert er sich in einer Gruppe, die den ersten offiziellen Kulturaustausch mit China organisiert. Mit dieser Gruppe reist er bereits 1974 nach China, um die erste chinesische Kunstausstellung in der alten Bundesrepublik vorzubereiten. „Diese Ausstellung war ein sehr großer Erfolg“, erzählt er – und sie legt den Grundstein für sein weiteres berufliches Leben. Es folgen noch drei weitere Kunstausstellungen über den offiziellen Kulturaustausch der Länder. „Da blieb mir keine Zeit mehr für mein Studium“, sagt er und lacht.

1989 wird er nach Dortmund bestellt, organisiert dort für das Museum am Ostwall die große, erfolgreiche Ausstellung von Terrakotta-Kriegern aus China. Zurück in Berlin eröffnet er 1991 seine erste Galerie. Aber der Zeitpunkt war nicht gut gewählt. „Ein halbes Jahr zuvor gab es einen Crash auf dem Kunstmarkt, die Wiedervereinigung kostete Geld, das dann für die Kultur fehlte“, erinnert er sich. Die Galerie musste 1995 schließen.

Aber Egbert Baqué hat nicht aufgegeben. Zehn Jahre arbeitete er von Berlin aus für eine Galerie in Paris, bis er 2005 wieder eine eigene Galerie eröffnete, die „Egbert Baqué Contemporary“, in der er heute mit Erfolg und öffentlicher Aufmerksamkeit zeitgenössische Kunst präsentiert.

Daneben übersetzt er, der nie Kunstgeschichte oder Sprachen studiert hat, Kunstbücher. „Ich habe Bücher über Matisse, Corot oder Yves Klein in die deutsche Sprache übertragen – meine Nachtschichten“, sagt er schmunzelnd. Aber Egbert Baqué ist kein Theoretiker. „Kunst geht bei mir zuerst durch den Bauch, muss mich anrühren, aufregen. Erst nach der Emotion setzt die Kopfarbeit ein“. Und Egbert Baqué ist unkonventionell, geht ganz eigene Wege. „Ich bin der Auffassung, dass der Einfluss der Rock- und Popkultur in der Kunst nicht genug gewürdigt wird“.

Daher veranstaltet er in seiner Galerie auch Crossover-Projekte, die bildende Kunst mit anderen Kunstformen wie Rockmusik, Film oder Literatur verbinden – Bereiche, die auch ihm wichtig sind, die ihn geprägt haben. Ausstellungen zu Bob Dylan, Rainer Werner Fassbinder oder zum gerade verstorbenen David Bowie belegen das. Und Egbert Baqué hat seine revolutionäre Seele bewahrt, 2012 organisierte er ein Projekt für Pussy Riot. Eine Kulturzeitschrift nannte Egbert Baqué daher auch den „Rock-´n´-Roller unter den Berliner Galeristen“. Und das scheint zu stimmen.

berlin-contemporary-

art.com/


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