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Christliche Ex-IS-Geiseln appellieren an Landesregierung





Saarbrücken/Saarlouis
Verzweifeltes Warten auf Familienzusammenkunft
Christliche Ex-IS-Geiseln appellieren an Landesregierung

02. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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Abdo Merza, 40, Elias Meza, 39, Youssef Zaya, 31, und Aowaya Zaya, 61, waren IS-Geiseln. Im Saarland werden sie von Charli Kanoun (Assyrischer Kulturverein) betreut (v.l.). Foto: Klostermann

Foto: Klostermann
Eine Gruppe christlicher Assyrer fleht die Landesregierung um Hilfe an. Die Gruppe war 2015 aus IS-Geiselhaft ins Saarland gerettet worden. Doch ihre Familienmitglieder sitzen seitdem in Beirut fest.

19 Männer und ein achtjähriges Mädchen, die alle in und bei Saarlouis wohnen, sind verzweifelt. Seit dem Sommer 2015 sind sie im Saarland, doch ihre Frauen, Mütter und Kinder sitzen im Libanon fest. „Alle belastet die Trennung von ihren Liebsten. Und es ist kein Ende in Sicht“, sagte Charli Kanoun, Sprecher des Assyrischen Kulturvereins Saarlouis, der SZ jetzt bei einem Redaktionsbesuch. Die 20 sind ehemalige Geiseln der Terror-Organisation Islamischer Staat (IS) in Nord-Syrien, wurden im Sommer 2015 mit Lösegeld auch von Mitgliedern der Kultusgemeinde Saarlouis von den IS-Terroristen freigekauft.

Dank des humanitären Einsatzes des Saar-CDU-Generalsekretärs Roland Theis, des Saar-Innenministeriums und von Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) konnten die 20 Ende August 2015 über Beirut ins Saarland gelangen, wo sie von Mitgliedern des Kulturvereins Saarlouis betreut werden.

Die Assyrer sind Ur-Christen, die noch Aramäisch, die Sprache von Jesus sprechen. Bereits 1915/16 wurden mehrere zehntausend Assyrer von Jung-Türken im Zusammenhang mit dem Völkermord an 1,5 Millionen Armeniern umgebracht. Seit dem Ausbruch des Krieges in Syrien sind die Assyrer zwischen die Fronten geraten und werden besonders vom IS verfolgt.

Die humanitäre Aktion des Saarlandes 2015 hatte jedoch einen Haken. „Für die freigelassenen IS-Geiseln und ihre Familien war es ein Schock, als die Sekretärin der deutschen Botschaft in Beirut sagte, dass nur die Ex-Geiseln nach Deutschland reisen dürfen“, sagte Kanoun. Diese Entscheidung habe die Familien auseinandergerissen. Während die 19 Männer und die achtjährige Maryam Merza, die alle das Martyrium der IS-Geiselhaft über sechs Monate erlebten, nun im Saarland leben, fristen deren Frauen, Mütter, Großmütter und Kinder in Beirut und Umgebung ein armseliges Dasein. „Sie leben in Kellern, Garagen und Zelten. Jetzt beginnt bereits der zweite Winter, eine Krankenversorgung gibt es nicht, um Medikamente müssen die Frauen in den Apotheken betteln“, erklärte Kanoun die verzweifelte Lage.

Mehrfach bereits sind die Angehörigen der 20 im Saarland lebenden Ex-IS-Geiseln in der deutschen Botschaft vorstellig geworden, um eine Ausreise zu ihren Familienmitgliedern im Saarland zu erbitten. „Bisher fordert die deutsche Botschaft einen Nachweis über deutsche Sprachkenntnisse. Doch wie sollen die Frauen und Kinder in Beirut einen Sprachkurs machen?“, fragte Kanoun.

Der Anwalt des Kulturvereins, Peter Nobert, sagte der SZ, die Familienangehörigen könnten den Sprachkurs genauso gut im Saarland machen. Wenn die Lebensumstände unzumutbar seien, könnten die Visa für die Ausreise auch ohne Sprachnachweis erteilt werden, betonte Nobert. Er habe darum die Botschaft in Beirut angeschrieben, aber noch keine Antwort erhalten.

Dabei hielten sich die assyrischen Familienangehörigen illegal im Libanon auf, da sie in der Hoffnung, mit nach Deutschland zu kommen, im Sommer 2015 nur mit einem Touristenvisum eingereist seien. „Eine Verlängerung des Visums kostet 200 Euro pro Person. Das Geld hat niemand“, sagte Kanoun. Wie Youssef Zaya, 31, eine der Ex-IS-Geiseln, berichtete, schicken er und die anderen Ex-IS-Geiseln von ihren monatlichen Einkünften von 300 Euro etwa zehn Prozent den Familien. „Bei der Lebensmittelverteilung durch die UN-Hilfsorganisationen werden unsere Leute von den Muslimen in die letzte Reihe geschickt“, beschrieb Kanoun die Lage in Beirut.

Die Ex-IS-Geiseln appellieren nun an die Saar-Landesregierung, auch die Familienmitglieder hier aufzunehmen. „Ich kenne den Sachstand. Ich habe das Landesinnenministerium gebeten, mit der Botschaft in Beirut Kontakt aufzunehmen,“ sagte CDU-Generalsekretär Theis der SZ. Vielleicht tut sich ja doch noch etwas für die Familienzusammenführung. Das wäre für die assyrischen Christen im Saarland die schönste Weihnachtsbotschaft.



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