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Saarbrücker Forscher knacken mit Software ein Geheimnis der „Panama-Papers“





Saarbrücken
Sportler mit Briefkasten-Firma
Saarbrücker Forscher knacken mit Software ein Geheimnis der „Panama-Papers“

14. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Das Gebäude der Kanzlei Mossack Fonseca in Panama, wo Briefkastenfirmen gegründet wurden. Foto: dpa
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Johannes Hoffart

Saarbrücker Max-Planck-Forscher haben entdeckt, dass Profi-Sportler am häufigsten in den Steuerbetrügerlisten aus Panama auftauchen. Ihre Software analysiert demnach die Datenmasse am schnellsten.

Jeder hatte es geahnt, doch die Veröffentlichung in der „Süddeutschen Zeitung“ und anderen Medien im April sorgte weltweit für einen Skandal. In den so genannten „Panama Papers“, die der Zeitung aus einer Rechtsanwaltskanzlei in dem mittelamerikanischen Staat zugespielt worden waren, fanden sich hunderte bekannte Namen, darunter alleine zwölf amtierende oder ehemalige Staatschefs. Alle sollen in so genannten Briefkastenfirmen und Geheim-Konten ihre Millionen in karibischen Zwergstaaten vor den Steuerbehörden versteckt und einen gigantischen Betrug begangen haben, dessen ganze Ausmaße bis heute nicht absehbar sind. Zumal die Veröffentlichung größtenteils wirkungslos blieb, da in den wenigsten Staaten daraus staatsanwaltliche Ermittlungen resultierten.

Die „Panama Papers“ umfassen die unvorstellbare Datenmenge von 2,6 Terabyte an Informationen und 11,5 Millionen Dokumente. Nun haben Informatiker der Saarbrücker Max-Planck-Ausgründung „Ambiverse“ die Daten in nur wenigen Stunden mit einer neuartigen Software analysiert und dabei neue Resultate erhalten. Das erklärte jetzt Johannes Hoffart, der über die zugrundeliegende Technologie an der Universität des Saarlandes promovierte. Eigentlich soll die Software Unternehmen helfen, große Textmengen automatisch zu analysieren, so Hoffart.

Während eine internationale Journalistengruppe die „Panama Papers“ in die Tiefe analysiert habe und sich auf Personen wie Nawaz Sharif, Premierminister von Pakistan, oder Petro Poroshenko, Präsident der Ukraine, fokussierte, seien die jungen Forscher und Gründer der Ambiverse GmbH mit ihrer neuartigen Software in die Breite gegangen, betonte Hoffart. Dabei stießen sie auf eine Überraschung: Nicht die Politiker bilden demnach die größte Gruppe der mutmaßlichen Steuerbetrüger, sondern Profi-Sportler. Sie machten mehr als 20 Prozent der von der Software identifizierten Personen aus, dicht gefolgt von Künstlern. Erst dann kämen die Politiker, sagte Hoffart.

Die Fähigkeit der Software, automatisch Kategorien zu bilden, liefere noch weitere Einblicke. Unter den Sportlern seien es die Fußballer, die sich am häufigsten mit Strategien zur Steuervermeidung und -hinterziehung auseinandersetzten, wie die Max-Planck-Forscher vorsichtig formulieren. Wer die Milliarden-Summen kennt, die im internationalen Profi-Fußball umgesetzt werden, und die bekannt gewordenen Geschäftspraktiken von Ex-Fifa-Boss Sepp Blatter oder Fußball-WM-2006-Organisator Franz Beckenbauer vor Augen hat, wundert diese Erkenntnis kaum. Den zweiten Platz belegten in der Max-Planck-Rangliste Tennis- und Basketballspieler mit rund zehn Prozent, Eishockey- und Volleyballspieler nehmen mit rund fünf Prozent den dritten Platz ein. Auch zu den Politikern habe es neue Erkenntnisse gegeben: Die politische Ideologie beeinflusse offenbar nicht die Entscheidung, ein Offshore-Konto zu verwenden. Konservative und sozialdemokratische Politiker tauchten zu gleichen Teilen in den „Panama Papers“ auf, hieß es.

Hoffart pries die Software als vielseitig verwendbar an. Sie sei in der Lage bei der Suche nach „Angela Merkel“ auch Texte zu finden, in denen die Bundeskanzlerin „Angie“ oder „CDU-Chefin“ genannt wird. Gleichzeitig verwerfe das Programm alle Dokumente, die sich auf Max Merkel, Meistertrainer von 1860 München im Jahr 1966, beziehen.

Unternehmen können demnach Personen, Orte und Produkte in großen Textmengen finden, selbst wenn dies durch mehrdeutige Begriffe oder Abkürzungen erschwert werde, erklärten die Forscher.


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