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Historiker streiten über Nazi-Vergangenheit des Ex-CDU-Landesvaters





Saarbrücken
Hitzige Debatte um Röder
Historiker streiten über Nazi-Vergangenheit des Ex-CDU-Landesvaters

11. Juli 2016, 02:00 Uhr
Die NS-Vergangenheit des Ex-CDU-Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder erhitzt bis heute auch die Forschungsdebatte. Im Saarbrücker Schlosskeller zeigte sich am Freitagabend, dass noch etliche Erkenntnislücken klaffen.
. Vieles liegt noch im Dunkeln der Geschichte, was die Vergangenheit des im Jahre 1933 in die NSDAP eingetretenen Franz-Josef Röder während der Nazizeit anbetrifft. Über den späteren CDU-Ministerpräsidenten des Saarlandes, der bisher am längsten, von 1959 bis 1979 regierte, liegt bisher keine Biografie vor, die sein Handeln bis 1945 präzise zu erfassen vermag. Vor allem über seine Zeit als Lehrer an der Deutschen Schule in Den Haag und als Abgesandter des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) in den Niederlanden von 1937 bis 1944 ist noch wenig bekannt. Landesarchivar Peter Wettmann-Jungblut berichtete bei der Podiumsdiskussion am Freitagabend im Saarbrücker Schlosskeller, die von der Linken-nahe Peter-Imandt-Gesellschaft/Rosa-Luxemburg-Stiftung Saarland veranstaltet wurde, von den Entnazifizierungsakten im Landesarchiv. Von 80 000 Akten seien nur noch 6000 vorhanden, sagte Wettmann-Jungblut. Von Röder sei keine dabei. Saar-Kultusminister Emil Straus, (CVP, 1947-1951), habe eine schmale Akte über Röders NS-Zeit angelegt, die erhalten sei. „Wir müssen mit den Defiziten leben“, erklärte Wettmann-Jungblut. Der Chef des Saarbrücker Stadtarchivs Hans-Christian Herrmann sagte, in der Stasi-Akte über Röder, die er angefordert habe, seien nur „Banalitäten“ zu finden, aber keine „braunen Spuren“, eine Verstrickung in den NS-Terror. Herrmann sagte, dass Röder als Lehrer auf Arbeitssuche 1933 in die NSDAP eingetreten sei „Das ist Mitläuferverhalten“, so Herrmann.

Das wollte Julian Bernstein, Autor der „Saarbrücker Hefte“, so nicht stehenlassen. Zum einen sei die frühe NSDAP-Mitgliedschaft für einen katholischen Saarländer, dessen Heimat sich erst 1935 durch die Volksabstimmung Hitler-Deutschland anschloss, „kein typisches Verhalten“. Zum anderen sei Röder noch in drei oder vier weiteren NS-Organisationen Mitglied geworden, sagte Bernstein. Erich Später, Historiker bei der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung Saar, vermisste die Reaktion auf seinen Aufsatz von 2003, als er erstmals die NSDAP-Mitgliedschaft Röder durch Akten des Berlin Document Center nachgewiesen habe. Daraufhin sagte Herrmann, das bereits in der Röder-Biografie des Ex-SZ-Chefredakteurs Erich Voltmer 1979 die NSDAP-Mitgliedschaft beschrieben worden sei. Das wurde von Später vehement bestritten, es wurde hitzig auf dem Podium und im etwa 60-köpfigen Publikum. Herrmann, äußerlich gelassen, sagte, zu den Anwürfen, er stelle Röder zu positiv dar, dass er „kein Verharmloser des Naziregimes sei“ und stellte eine ihm gegenüber „feindliche Atmosphäre“ fest. Roland Röder (Aktion 3. Welt Saar) fragte: „Wenn jemand in vier NS-Organisationen war, ist er dann kein Nazi gewesen?“ Und der Saarbrücker Ex-Bürgermeister Kajo Breuer (Grüne) rief Richtung Herrmann und Wettmann-Jungblut: „Was haben sie für ein Erkenntnisinteresse?“ Auch Röders Niederlande-Zeit bliebt umstritten. Am Ende brüllte der Saarbrücker Autor Dieter Gräbner aus dem Publikum: „Da wurden zehntausende Juden umgebracht, ist das nichts?“

Saarbrücken

Historiker-Debatte über Röder

. Der kühle Saarbrücker Schlosskeller ist gut gewählt für eine sicher spannende Diskussionsrunde über den Ex-Ministerpräsidenten Franz-Josef Röder (CDU), der von 1933 bis 1945 NSDAP-Mitglied war. Mehr
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