ALLESPROFIS.DE - Profis für alle Lebenslagen
Sie sind hier: HomeSaarlandRegionalverband SaarbrückenLandeshauptstadtSaarbrücken City

Roswitha Thonet und Rainer Wahlmann holen die Band De Kift nach Saarbrücken





Saarbrücken
Besuch von Verrückten
Roswitha Thonet und Rainer Wahlmann holen die Band De Kift nach Saarbrücken

30. November 2016, 02:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Rainer Wahlmann und Roswitha Thonet in ihrem Garten in St. Johann. Foto: Rich Serra
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

De Kift gelten in Holland als Kultband.Foto: Wahlmann

Foto: Wahlmann
Sie kommen aus einem Land, das um die Ecke liegt, aber doch unendlich weit weg scheint – zumindest musikalisch: die Niederlande. Dass De Kift, eine Gruppe, die in ihrer Heimat als Kultband gilt, am 8. Dezember auf dem Saarbrücker Theaterschiff spielt, ist zwei Saarbrückern zu verdanken, die ein Herz für Holland und einen Hang zum Absurden haben.

Dass Rainer Wahlmann seine Wohnung im Saarbrücker Stadtteil St. Johann kommende Woche acht Holländern überlässt, die seine Lebensgefährtin Roswitha Thonet für „abartig verrückt“ hält, hat auch mit Musik und Drogen zu tun. Und mit einer Entscheidung, die er vor 51 Jahren getroffen hat. „1965 beschloss ich im Amsterdamer Jazzclub Phono-Bar nach einem allerersten Stikkie-Red-Lebanese, Protestsänger zu werden“, erinnert er sich.

Bald eine Green-Wave-CD

Heute ist Rainer Wahlmann 73 Jahre alt. Und das Ding mit der Musik hat er wirklich durchgezogen. Seit gut 50 Jahren steht er auf der Bühne – erst als Sänger von Dies Irae und bis heute als Frontmann von Green Wave. In den kommenden Wochen wird die neue CD der Saarbrücker Uralt-Formation fertig gemischt sein, sagt er.

Aber erstmal steht etwas an, das ihm mindestens so wichtig ist, wie die eigene Musik: für niederländische Musik zu werben. „Holland ist ein Land, das bei uns musikalisch nicht wahrgenommen wird“, bedauert Wahlmann. Dabei gebe es in diesem kleinen Land so viele große Musiker.

1964 war der junge Wahlmann zum ersten Mal in Holland. Er sei aus seinem autoritären Elternhaus regelrecht geflohen in dieses „Land, das unheimlich frei wirkte“. Er hat Niederländisch gelernt, trieb sich auf Festivals herum, genoss die Mischung aus schräger Musik und politischen Botschaften.

In den 90er Jahren hat er dann seine Lebensgefährtin Roswitha Thonet zu einem Konzert der holländischen Band De Nitz mit nach Luxemburg genommen. Über De Nitz kamen die beiden zu De Kift. „Das war dann abartig“, sagt Wallmann. „Abartig verrückt“ ergänzt Thonet. Diese Mischung aus Musik und absurdem Theater, die die Holländer auf die Bühne brachten, habe sie erst etwas verstört, später immer mehr begeistert, erinnert sich die 68-Jährige.

Die acht Niederländer machen unter anderem aus Weltliteratur Musik, indem sie Texte großer Autoren vertonen, erklärt Wahlmann. „Manchmal erinnern sie mich auch an eine Dorfkapelle“, sagt er, denkt kurz nach und ergänzt: „Da kommen sie familiär ja auch her.“ Aus den Dorfmusikern wurden Hausbesetzer, die irgendwann eine Punkband gegründet haben und heute auf einem Bauernhof leben – so fasst das Wahlmann im Schnelldurchlauf zusammen.

Getauft in Punk

Der niederländische Autor Bert Wagendorp hat es so formuliert: „De Kift – geboren in Fanfare, getauft in Punk und aufgewachsen in Liebe zu Musik und Poesie.“

Roswitha Thonet findet diese Mischung, dieses Wilde wundervoll. „Sie haben mich begeistert, obwohl ich kein Holländisch konnte“, sagte sie. Dass man kein Niederländisch verstehe, sei keine gute Ausrede, nicht zum De-Kift-Konzert kommende Woche zu kommen, findet Wahlmann. Die Saarbrücker tanzen ja auch zu bretonischer Musik, obwohl kein Mensch Bretonisch verstehe.

Während Musik aus Frankreich bei Veranstaltern sehr beliebt sei, sei das Interesse der aus Holland nicht vorhanden. Deshalb haben die beiden De Kift privat nach Saarbrücken geholt. Die Musiker wohnen bei ihren beiden Fans, werden von ihnen bekocht. Hotel und Catering – das hätte den finanziellen Rahmen gesprengt.

Wenn das mit dem De-Kift-Konzert gut ankommt, dann wollen Thonet und Wahlmann noch mehr holländische Musik nach Saarbrücken bringen. „Ich bin den Leuten Jahrzehnte lang mit Musik auf den Wecker gegangenen, die keiner hören wollte – nämlich mit meiner eigenen Musik“, sagt Rainer Wahlmann. Er habe also viel Erfahrung, um nun die saarländisch-holländische Freundschaft ankurbeln zu können.

Zum Thema:

Auf einen Blick De Kift spielen am Donnerstag, 8. Dezember, 20 Uhr, erstmals in Saarbrücken – und zwar auf dem Theaterschiff Maria Helena an der Alten Brücke, Tel. (0681) 65817, Kontakt zu den Organisatoren: E-Mail greenie48@live.de dekift.nl



Teilen und diskutieren

Kommentieren Sie diesen Beitrag über Facebook, Twitter oder Google+:

FACEBOOK
GOOGLE+
TWITTER




Saarbrücken

Besuch von Verrückten

Sie kommen aus einem Land, das um die Ecke liegt, aber doch unendlich weit weg scheint – zumindest musikalisch: die Niederlande. Dass De Kift, eine Gruppe, die in ihrer Heimat als Kultband gilt, am 8. Dezember auf dem Saarbrücker Theaterschiff spielt, ist zwei Saarbrückern zu verdanken, die ein Herz für Holland und einen Hang zum Absurden haben.Mehr
Saarbrücken

„Eine kleine Nachspielband alter Herren“

Sie covern Songs der wegweisenden Punk-Band Joy Division und haben die 1970-er-Jahre-Band noch selbst als Jugendliche erlebt. Die Musiker von ,,Control" rockten trotzdem den Kleinen Klub. Und der Saarbrücker Architekturprofessor Stefan Ochs überzeugte als Sänger.Mehr
Saarbrücken

„Wir jammern wegen jeder Kleinigkeit“

Nur sechs Monate spielte der holländische Musiker Tim Vantol in der Band Antillectual. Dann sah er Chuck Ragan, Frontmann der Post-Hardcore-Band Hot Water Music, bei einem Solokonzert. Vantol ging ein Licht auf, und er wurde ebenfalls Singer-Songwriter. Warum das so war, und was er an Russland liebt, erzählte er SZ-Mitarbeiter Kai Florian Becker vor seinem Konzert am 28. September in Saarbrücken.Mehr


Anzeige



Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken
Lokalausgabe Saarbrücken
Saarbrücken-App:

Saarbrücken total für unterwegs. Eine App mit aktuellen Informationen rund um Saarbrücken für Bürger, Touristen, Nachtschwärmer, Geschäftsleute und alle, die wissen wollen, was die saarländische Metropole zu bieten hat.



App der Stadt Saarbrücken in Zusammenarbeit mit SZ Digital Service > Mehr Infos

Jetzt die SZ lesen:

ANZEIGE
Tipps


ANZEIGE
Beilagen




Anzeige