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Am Straßenstrich war Frühjahrsputz





Saarbrücken
Am Straßenstrich war Frühjahrsputz
20. März 2017, 02:00 Uhr
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Mathias Biehl von der Polizeiinspektion Alt-Saarbrücken sieht im Deutschmühlental nach, wo noch gebrauchte Kondome und andere Überreste herumliegen. Drei Prostituierte heben alles auf. Dann beginnt auch für diese Frauen am Straßenstrich in Grenznähe das Warten auf die nächsten Freier. Foto: Rich Serra

Foto: Rich Serra
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Die Polizei geht regelmäßig gegen Prostitutionsmüll im Deutschmühlental vor. Und sie ist für die Frauen da, wenn die Hilfe suchen.

Da liegt noch etwas. Und dort. Da drüben. Und hier auch noch. Im Lichtkegel der Taschenlampe leuchten an diesem Donnerstagabend Kondome und andere Überbleibsel aus der Vornacht auf. Und aus der davor. Es ist Abfall, wie er oft an den dunklen Plätzen entlang des Straßenstrichs im Deutschmühlental zu finden ist.

Die drei Frauen bücken sich und stopfen die Hinterlassenschaften, mit Handschuhen geschützt, in den Müllsack.

Mathias Biehl hat die Sammel-Utensilien mitgebracht. Er und seine Kollegen von der Polizeiinspektion Alt-Saarbrücken wollen nicht, dass die Umgebung der Dr.-Vogeler-Straße zur Müllkippe wird. Also bitten die Polizisten die drei Prostituierten klar und zugleich respektvoll, doch bitte sauber zu machen, bevor sie auf die nächsten Kunden warten. Das Großreinemachen beginnt kurz nach 21 Uhr. 20 Minuten später ist der Dreck weg. Wieder einmal.

Neuer wird nicht lange auf sich warten lassen. Ebenso wenig wie die nächste Reinigungsaktion. „Das Problem ist erkannt. Wir tun etwas dagegen.“ Für Biehl und seine Kollegen ist das Pochen auf die Regeln entlang des Straßenstrichs Tagesgeschäft.

Beschwerden wie die von Leser-Reporterin Ute Patocka an die SZ zeigen, warum: Sie nahm vor kurzem an einer Beisetzung auf dem Hauptfriedhof teil. „Auf der Wiese neben dem Parkplatz lagen an jenem Freitagmorgen noch die Überreste vom Straßenstrich. Weit gereiste Teilnehmer an der Trauerfeier nehmen solche Eindrücke mit. Das schadet dem Image unserer Stadt. Saarbrücken soll sauber werden. Aber dafür muss erst mal jemand sorgen.“

Die Stadtverwaltung kennt solche Beschwerden. Und sie handelt, wie ihr Sprecher Thomas Blug der SZ auf Anfrage mitteilte. Demnach befreien Mitarbeiter des Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetriebes (ZKE) bis zu sechsmal pro Woche folgende Straßen und Plätze von Prostitutionsmüll: die Breite Straße, den Sportplatz Burbach, die Dr.-Vogeler-Straße mit Wendehammer Drahtzugweiher und den Wendehammer der Zinzinger Straße.

Die Kritik von Ute Patocka wegen des Drecks vor dem Friedhof greife die Stadt auf, sagt Blug. „Mitarbeiter der Stadtverwaltung werden sich die Situation am Hauptfriedhof anschauen und vor dem Hintergrund der Beschwerde darüber beraten, wie sich die Reinigung dort noch verbessern lässt.“ Insgesamt sei die Zahl der Beschwerden über Straßenprostitution deutlich gesunken. Wenn es welche gibt, beziehen sie sich nach Blugs Worten vor allem auf Begleitumstände wie Lärm – oder Müll. „Bürger melden sich in der Regel beim ZKE oder beim Ordnungsamt. Große Unterstützung gibt es von der Polizei, mit der die Landeshauptstadt erfolgreich zusammenarbeitet.“

Mathias Biehl legt Wert darauf, dass die Prostituierten wissen, woran sie in Saarbrücken sind. „Es gibt einen mehrsprachigen Flyer. Dort steht klipp und klar, wo Straßenprostitution erlaubt ist und wo nicht.“ Zum Beispiel eben nicht am Hauptfriedhof, wie die entsprechende Grafik auf dem Merkblatt zeigt. Auf solche Regelverstöße weisen Biehl und seine Leute die Frauen bei den häufigen Kontrollen hin. Nutzt das nichts, gibt es Konsequenzen vom Bußgeld bis zur Nacht im Gewahrsam – und damit ohne Einnahmen.

Aber der erfahrene Polizist betont auch, dass das, was die Prostituierten tun, an den dafür vorgesehenen Straßen legal ist. Die Polizeipräsenz dient, wie Biehl hervorhebt, nicht nur zur Kontrolle der Prostituierten, sondern auch als Signal an die Kundschaft. „Diese Frauen gehen einem Beruf nach, der nicht verboten ist. Wir sind auch dazu da, sie zu schützen.“ Im Frühjahr stehen nach den eher ruhigen Winterwochen wieder mehr von ihnen im dunklen, entlegenen Deutschmühlental. Der Hauptkommissar sieht oft als einer der Ersten, wenn wieder ein Freier zugeschlagen hat und das dicke Make-up beim Opfer die Blutergüsse aus der Vornacht kaum verdecken kann. „Wir sind ständig im Gespräch mit den Frauen, und wir sind gut vernetzt.“ Das heißt, Biehl weiß, wo Hilfe herkommt, wenn die Prostituierten sie wollen. Er beschreibt die Zustände auf dem Straßenstrich so: „Es gibt eine permanente Nachfrage. Wir müssen sie in geordnete Bahnen lenken.“

Den Tipp gab uns Leser-Reporterin Ute Patocka aus Güdingen. Wenn Sie Interessantes zu erzählen haben, hinterlassen Sie eine Sprachnachricht unter der Telefonnummer (06 81) 5 95 98 00, mailen Sie an leser-reporter@sol.de oder nutzen Sie das Formular: www.saarbruecker-zeitung.de/leserreporter


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