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Neues zum Umbau der Stumm-Villa als Residenz des französischen Gouverneurs





Saarbrücken
Dolce Vita auf Schloss Halberg
Neues zum Umbau der Stumm-Villa als Residenz des französischen Gouverneurs

05. Januar 2017, 02:00 Uhr
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So inszenierte Gouverneur Grandval den französischen Nationalfeiertag 1949 – im Garten von Schloss Halberg. Fotos (3): Landesarchiv
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Modernes Party-Leben 1949 mit Swimmingpool im Schlossgarten (Foto li.). Gilbert Grandval (l.) und Maler Zolnhofer in Damen-Gesellschaft (hinten ein Zolnhofer-Gemälde).

Der Kulturhistoriker Paul Burgard berichtet im aktuellen Heft der „Saargeschichten“ über neue Erkenntnisse zum Leben des französischen Gouverneurs Gilbert Grandval als „Schlossherr“ auf dem Halberg.

Das kräftige Überschreiten der geplanten Finanzierungsvorgaben für öffentliche Bauten hat im Saarland Tradition. Wenn heute beim Museumsanbau IV. Pavillon von einer Verdreifachung auf über 30 Millionen Euro die Rede ist, können die dafür verantwortlichen CDU geführten Landesregierungen getrost in die Vergangenheit zurückblicken. 1945, in der Franzosenzeit, ging es in Saarbrücken noch rasanter zu.

Wie der Kulturhistoriker Paul Burgard in der aktuellen Ausgabe der „Saargeschichten“ (ISSN 1866-573x), dem Organ des Historischen Vereins für die Saargegend und des Landesverbands der historisch-kulturellen Vereine des Saarlandes, berichtet, verfünffachte sich der Kostenvoranschlag für den Umbau des Schlosses Halberg zwischen September und November 1945. Der französische Militärgouverneur Gilbert Grandval wollte einen repräsentablen Dienstsitz. Dass seine Wahl auf die neogotische Villa (Architekt: Edwin Oppler) des Stahlbarons Carl Ferdinand Freiherr von Stumm-Halberg aus dem 19. Jahrhundert fiel, war nach Burgards Meinung nicht „alternativlos“, denn die Villa war demzufolge „in einem ruinösen Zustand“. Dennoch beauftragte Grandval den Architekten Hans Bert Baur mit dem Umbau des Gebäudekomplexes, der 1945 noch der Reichsrundfunkgesellschaft gehörte. Madame Yvonne Grandval hatte bei der Planung nach Burgards Erkenntnissen eine Menge mitzureden. Die Bausumme schoss von 400 000 Reichsmark, über zwei Millionen RM, auf 4,2 Millionen RM 1947 nach oben. Eine Verzehnfachung.

Wie die Residenz ein Mittelpunkt der Saar-Gesellschaft in der Zeit zwischen 1947 und 1954 wurde, beweist Burgard, der im Landesarchiv arbeitet, schlagkräftig: Die vorher nicht publizierten Schwarz-Weiß-Fotos zeigen, dass Grandval zu leben verstand. Der parkähnliche Gartenbereich ist am französischen Nationalfeiertag proppenvoll, es spielen Militärkapellen, die Damen tragen gepunktete Kleider, Perlenketten und breitkrempige Hüte. Die Herren – in Zweireihern – quarzen dicke Zigarren. Grandval umgibt sich mit Saar-Künstlern wie Fritz Zolnhofer, dessen Gemälde von Hütten und Fabriken die Räume schmücken. Da spielt es keine Rolle für Grandval, dass sich Zolnhofer im Dritten Reich „vor den nationalsozialistischen Propagandawagen hatte spannen lassen“, wie Burgard schreibt. Der Halberg sei in Saarstaatzeiten eine exklusive Versammlungsstätte für jene „höfische Gesellschaft“, in der Frankreich sich mit seinen saarländischen Freunden und Verbündeten selbst inszenierte, geblieben, schreibt Burgard.

Der Swimmingpool, den Grandval im Garten anlegen ließ, erwies sich am 14. Dezember 1959 als Retter des „Schlosses Halberg“. Im Dachstuhl der Villa, in der nun SR-Intendant Franz Mai residierte, war ein Brand ausgebrochen, der dank des Poolwassers von der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Heute ist SR-Intendant Thomas Kleist „Schlossherr“ – und muss ohne Swimmingpool seinen Geschäften nachgehen.




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