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„Doku-Musik-Theater” über die Swinger-Jugend zur NS-Zeit





Saarbrücken
Hüftschwung im KZ-Kittel
„Doku-Musik-Theater” über die Swinger-Jugend zur NS-Zeit

Von  Silvia Buss, 
13. Dezember 2016, 02:00 Uhr
Zur Zeit der Nazis hat ein Teil der Jugendlichen mit Swing-Musik und Tanz gegen das System rebelliert. Der Saarbrücker Kabarettist hat dieser Opposition mit dem Stück „Swing heil!“ nun ein einzigartiges Denkmal gesetzt.

Wer Swing tanzt, ist fürs stumpfe Marschieren nicht mehr zu haben. Diese Einschätzung teilten zumindest die Nazis, und sie könnten damit sogar Recht gehabt haben. Beeindruckend, die Produktion „Swing heil!“, die der Saarbrücker Schauspieler und Kabarettist Peter Tiefenbrunner unter Mitarbeit seiner Kollegin Barbara Scheck jetzt auf die Beine gestellt hat.

Mit ihr erzählen die beiden die Verfolgungsgeschichte der oppositionellen Swing-Jugend in der Nazizeit. Man kann nur ahnen, wie viel Arbeit sie in das „Doku-Musik-Theater“ steckten, das am Sonntag im Saarbrücker Domicil Leidinger uraufgeführt wurde.

Und viel Arbeit bedeutet in diesem Fall einen unglaublichen Rechercheaufwand, Quellenstudium und Gespräche mit Zeitzeugen, die die Drangsalierung und Misshandlung durch die Nazis in den Jugend-KZs Moringen und Uckermark überlebt hatten. Ein Kunststück, dass daraus dennoch kein trockener Geschichts-Unterricht entstanden ist, sondern ein zugleich mitreißender, swingender, berührender und aufklärerischer Bilderbogen.

Lisa Stoeckens und Andreas Braun, beide mit hervorragenden Gesangsstimmen, lassen als erfrischend junge Darsteller das Lebensgefühl der „Swinger“ auferstehen. Wolf Giloi, Wollie Kaiser, Stephan Goldbach und Marius Buck beweisen sich auf der Szene nicht nur als exzellente Jazz-Combo, die von Swinghits mal eben in Marsch-Rhythmus umswitchen kann, um der Gestapo bei der Razzia eine Nase zu drehen. Sie schlüpfen auch mal in KZ-Kittel, um unter Tage im Kalibergwerk als Zwangsarbeitsjugendliche auf Kisten und mit Hacken zu jammen.

Die meisten Rollenwechsel aber stemmen Tiefenbrunner und Scheck selbst als erbbiologische Ärzte, Gestapo-Leute, Eltern oder auch Erzähler. Neben echten Zeitzeugen wirken als Off-Stimmen zudem jede Menge bekannter Saarbrücker Schauspieler sowie vier Tänzer der aktuellen Lindy-Hop-Szene mit.

Die vom Bildungsministerium und der Landeszentrale für politische Bildung mitgeförderte Produktion sollte man auf Tournee durch alle Saar-Schulen schicken. Völlig unverständlich, warum bisher nur zwei weitere Aufführungen, im März im Theater Überzwerg, geplant sind.


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