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Kampfjets sollen höher fliegen und Flüge im Übungsraum gleichmäßiger verteilt werden





Saarbrücken
Fluglärm soll reduziert werden
Kampfjets sollen höher fliegen und Flüge im Übungsraum gleichmäßiger verteilt werden

16. Januar 2016, 02:00 Uhr
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Generalleutnant Eberhard Zorn und Innenminister Klaus Bouillon. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel
Der Lärm militärischer Übungsflüge über dem Saarland zerrt an den Nerven der Bürger. Nun haben sich das saarländische Innenministerium und das Bundesverteidigungsministerium auf Maßnahmen geeinigt, um den Fluglärm zu reduzieren.


 
Innenminister Klaus Bouillon (CDU) hat sich mit Vertretern des Bundesverteidigungsministeriums auf Maßnahmen verständigt, die den militärischen Fluglärm über dem Saarland reduzieren sollen. So will die Bundeswehr die Flughöhe im Übungsraum TRA Lauter, der das Saarland und Teile von Rheinland-Pfalz umfasst, anheben. Bisher lag die niedrigste zulässige Flughöhe bei 3000 Metern, nun soll sie auf 4000 bis 5000 Meter erhöht werden. Nur in Ausnahmefällen sollen niedrigere Flüge noch erlaubt sein, erklärte Oberst Andreas Hoppe vom Verteidigungsministerium, etwa wenn der Luftraum darüber, der bei 7000 Metern beginnt, von anderen Flugzeugen genutzt wird, „übungstaktische Gründe“ sie notwendig machen oder das Wetter höhere Flüge nicht zulässt.

Eine Zusage, dass künftig weniger Flüge über dem Saarland durchgeführt werden, machten die Vertreter des Ministeriums nicht. Generalleutnant Eberhard Zorn verwies darauf, dass die Zahl der militärischen Übungen in den vergangenen Jahren bereits abgenommen habe. Künftig sollen die Flüge innerhalb der TRA Lauter jedoch gleichmäßiger verteilt werden. Die Zone besteht aus vier Quadranten (A, B, C und D). Man habe festgestellt, dass die Quadranten A und D, unter denen das Saarland liegt, stärker belastet seien als die Quadranten B und C über Rheinland-Pfalz, sagte Hoppe. Auf welche Zahlen sich das Ministerium dabei bezieht, ist unklar. Denn bereits im vorigen Jahr war Rheinland-Pfalz etwas stärker betroffen als das Saarland. Darauf angesprochen, sagte Hoppe, man habe bereits mit der Verteilung begonnen.

Mehrmals im Jahr soll zudem der Flugbetrieb stichprobenartig überprüft und die Daten an das Innenministerium weitergeleitet werden, das sie für die Öffentlichkeit zugänglich machen will. Die Überprüfungen sollen vor allem in den Bereichen erfolgen, aus denen viele Bürgerbeschwerden kommen. Dabei sollen sowohl Flugzeugtyp, Flughöhe als auch Geschwindigkeit festgehalten werden. „So kann jeder Bürger überprüfen, ob sich die Piloten an die Vorschriften halten“, sagte Innenminister Bouillon. Aus Sicht der Bundeswehr ist die TRA Lauter besonders attraktiv, weil sie nicht nur eine der größten Zonen Deutschlands ist, sondern weil dort auch ein Übungsplatz – in Baumholder – ist. Hoppe betonte jedoch, dass keineswegs 40 Prozent aller militärischen Übungsflüge in Deutschland hier stattfänden, wie die Grünen-Fraktion im Bundestag kritisiert hatte. Tatsächlich hätten im Jahr 2015 in ganz Deutschland 3047 Übungsflüge stattgefunden, davon 764 in der TRA Lauter, so Hoppe. Das entspricht 25 Prozent.

Auf die Nordsee auszuweichen, wie es die Bürgerinitiative gegen Fluglärm gefordert hatte, sei „nicht denkbar“, erklärte Zorn. Die Piloten übten für Einsätze in den baltischen Staaten und in Syrien, also für Einsätze über Land. Zudem würde der Flug bis zur Nordsee 30 Minuten dauern, erklärte Zorn. Damit blieben den Piloten nur rund 15 Minuten zum Üben. „Das wäre keine effiziente Nutzung des Geldes der Steuerzahler“, sagte er.

Zu Forderungen, die Flugzeiten einzugrenzen, erklärte Hoppe: „Wir haben uns bereits freiwillig beschränkt.“ In den Wintermonaten werde nur noch bis 21 statt bis 23.30 Uhr geflogen, nur in Ausnahmefällen seien spätere Flüge möglich. Zorn erklärte, man werde weitere Möglichkeiten prüfen, den Fluglärm zu reduzieren. Da der Übungsraum stark von den amerikanischen Streitkräften genutzt werde, müsse man aber alle Optionen abstimmen: „Das braucht Zeit.“

Bouillon zufolge wird auch das Übungsgebiet „Polygone“ unverändert beibehalten. Der französische Anteil daran werde nicht geschlossen, betonte er: „Bedenken, dass der Lärm auf deutscher Seite zunehmen könnte, sind unbegründet.“

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