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Leitstelle auf dem Winterberg nimmt jetzt alle 112-Notrufe aus dem Saarland entgegen





Saarbrücken
Bis zu 900 Anrufe an einem Tag
Leitstelle auf dem Winterberg nimmt jetzt alle 112-Notrufe aus dem Saarland entgegen

12. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Disponenten nehmen an hochmodernen Arbeitsplätzen in der Integrierten Leitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg die 112-Notrufe für das ganze Saarland an. Foto: Becker&Bredel Foto: Becker&Bredel
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Harald Schindel
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UdoRecktenwald
Die 112 ist die einheitliche Notrufnummer für Feuerwehr und Rettungsdienst. Wer sie im Saarland wählt, landet seit 1. Januar immer auf dem Saarbrücker Winterberg. Die Nummer soll noch bekannter werden.


 
„Notruf Rettungsdienst und Feuerwehr“: Matthias Gansen, Headset am Kopf, vor ihm drei Bildschirme, spricht ruhig und konzentriert. Er weiß: Wer die Notrufnummer 112 wählt, ist oft aufgelöst und panisch. So auch die junge Frau aus Saarbrücken am anderen Ende der Leitung, die nur Englisch spricht. Sie kriege ihren Herd nicht mehr aus, es rieche verbrannt. Gansen, Disponent in der Integrierten Leitstelle (ILS), gibt den genauen Wohnort und das Anliegen sofort per PC und Telefon an die Saarbrücker Berufsfeuerwehr weiter. Die Kollegen dort übernehmen den Fall.

Die modernen Räume der ILS auf dem Saarbrücker Winterberg sind seit 2013 in Betrieb, doch erst seit 1. Januar laufen alle 112-Notrufe aus dem ganzen Land hier ein. Vorher glich die Lage einem Flickenteppich: In einigen Kreisen kam man bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr raus, in anderen auf dem Winterberg, im Regionalverband bei Anrufen aus dem Festnetz bei der Berufsfeuerwehr, über Handy oder über IP-Anschlüsse bei der Polizei. Die 112 kann europaweit gebührenfrei ohne Vorwahl vom Handy oder Festnetz aus zur Alarmierung von Feuerwehr und Rettungsdienst gewählt werden.

„Eine zentrale Leitstelle, die über die europaweite Notrufnummer 112 jederzeit erreichbar ist, bedeutet für die Bürgerinnen und Bürger im Saarland einen erheblichen Gewinn an Sicherheit“, sagte Innenminister Klaus Bouillon (CDU) gestern bei der Feier zur Inbetriebnahme am europaweiten „Tag des Notrufs“. Der zehn Jahre währende Streit über die Konstruktion der ILS sei nun Vergangenheit. Träger der ILS ist der Zweckverband Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Saar (ZRF), ein Zusammenschluss der fünf Landkreise und des Regionalverbands Saarbrücken. Zunächst hatte der Landtag die Option favorisiert, die Leitstelle vom ZRF und der Stadt Saarbrücken gemeinsam und an zwei Standorten (Winterberg und Haupteinsatzzentrale der Berufsfeuerwehr) betreiben zu lassen. Dies war am Streit der beiden Seiten gescheitert.

„Wir sind froh, Teil der ILS zu sein und unsere langjährige Erfahrung einbringen zu können“, kommentierte der Saarbrücker Sicherheitsdezernent Harald Schindel (Linke) die nun gefundene Lösung. „Das ist das Optimale für das Saarland und eine Win-win-Situation für alle. Die ersten Wochen zeigen, dass das Modell funktioniert.“

Ruft jemand aus dem Regionalverband per Notruf die Feuerwehr um Hilfe, so landet er zwar auf dem Winterberg, wird von dort aber sofort zur Berufsfeuerwehr durchgestellt. Auch Landesbrandinspekteur Timo Meyer ist zufrieden: „Es ist die richtige Lösung, alles unter einem Dach unterzubringen.“ Da nun die Anrufe nicht mehr teilweise bei der Polizei aufliefen, verkürze das die Meldezeit, die Feuerwehr könne schneller ausrücken.

„700 bis 900 Notrufe treffen täglich bei uns ein, im Januar waren es rund 27 000“, erklärt ZRF-Geschäftsführer Bernhard Roth. 92 Prozent der Anrufe hätten einen medizinischen Hintergrund. Unter den Anrufen kämen rund 11 000 über die Nummer (06 81) 19 222, die bislang auch als Notrufnummer beworben wurde. Diese Durchwahl bleibe als Servicenummer für Krankentransporte erhalten und solle künftig insbesondere von Arztpraxen, Krankenhäusern oder Altenheimen genutzt werden. Dafür soll die 112 nun stärker beworben werden. „Alle Fahrzeuge sind nun auch mit der 112 für Rettungsdienst und Feuerwehr beklebt“, sagte der Verbandschef des ZRF, der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU).

Die Leitungen in dem 270 Quadratmeter großen Dispositionsraum stehen nie still. Damit den Anrufern so schnell wie möglich geholfen wird, verfügen die 60 Mitarbeiter als Rettungsassistent sowohl über eine umfassende medizinische Ausbildung als auch über eine feuerwehrtechnische Qualifikation. Bis zu 15 Disponenten gleichzeitig nehmen rund um die Uhr die Notrufe entgegen. Auf die Wand ist eine interaktive Saarlandkarte projiziert. Dank GPS-Signal sehen die Disponenten, wo sich welches Fahrzeug befindet und ob es im Einsatz ist. Das System berechnet auch, welches freie Fahrzeug den kürzesten Weg zum Einsatzort hat. Am „Tag des Notrufs“ war die Lage entspannt. „Das war während des Unwetters über die närrischen Tage ganz anders“, sagt Matthias Gansen.

 

Zum Thema:

HintergrundDer 11. Februar ist seit 2008 in der EU der „Tag des Notrufs“ und soll auf die Nummer 112 hinweisen. „Nur 17 Prozent der Deutschen wissen, dass sie den Notruf 112 vorwahlfrei und kostenlos in allen 28 Mitgliedstaaten der EU wählen können“, sagt der Saar-Europaabgeordnete Jo Leinen (SPD). Die 112 soll digital werden und bald auch als App über mobile Anwendungen funktionieren. Eine Arbeitsgruppe „Zukunft des Notrufs“ sei mit Beteiligung der Bundesländer und der Bundesressorts bereits eingerichtet worden, teilte gestern das Bundeswirtschaftsministerium mit. Es soll auch einen verbesserten Zugang zur 112-Nummer für Menschen mit Behinderungen geben. red/afp


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