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Neue Fortbildung soll 1000 Beamte aus allen Inspektionen im Umgang mit Demenzkranken sensibilisieren





Saarbrücken
Demenz-Experten schulen Polizisten
Neue Fortbildung soll 1000 Beamte aus allen Inspektionen im Umgang mit Demenzkranken sensibilisieren

19. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Symbolfoto. Foto: Patrick Seeger (dpa)
Wie reagieren Polizisten sensibel, wenn ein Demenzkranker sich bestohlen fühlt oder verwirrt in der Polizeiinspektion auftaucht? Das sind Inhalte einer neu konzipierten Schulung für die saarländische Polizei.

Nahezu täglich sind Polizisten im Saarland mit an Demenz erkrankten Menschen konfrontiert, erzählt der Leiter der Polizeiinspektion Sulzbach, Hans Peter Komp: „Etwa die Oma, die bei der Polizei anruft, weil sie ihren Geldbeutel vermisst, oder der Opa, der seine Angehörigen beschuldigt, ihn bestohlen zu haben, um ihn dumm aussehen zu lassen.“ Bisher verließen sich die Beamten im Umgang mit den Erkrankten auf ihre Erfahrung und ihr Fingerspitzengefühl.

Um die Polizei in diesem Bereich professioneller aufzustellen und ihr Hilfen mit auf den Weg zu geben, sollen in den kommenden Monaten rund 1000 Polizisten in allen 20 saarländischen Polizeiinspektionen zum Thema Demenz geschult werden. „Zur Zeit gibt es im Saarland rund 21 000 Demenzkranke. Prognosen sagen, dass sich die Zahl bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird. Daher ist es für uns als Polizei wichtig, uns mit der Thematik auseinanderzusetzen“, sagte Landespolizeivizepräsident Hugo Müller gestern bei der Auftaktveranstaltung in Saarbrücken.

Im ersten saarländischen Demenzplan, der im Dezember 2015 vom Sozialministerium verabschiedet wurde, wurde vereinbart, Mitarbeiter von Verwaltungen, im Einzelhandel, Rettungsdiensten, Banken und der Polizei zu sensibilisieren, da sie im Alltag regelmäßig mit Demenzkranken und ihren Angehörigen zu tun haben.

Gemeinsam mit dem Demenz-Verein Saarlouis hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) neue Schulungen für die verschiedenen Berufsgruppen konzipiert. „Wir alle müssen lernen, mit dem Krankheitsbild umzugehen“, sagt die DRK-Landesvizepräsidentin Margarethe Schäfer-Wolf. Noch allzu oft werde das Thema Demenz tabuisiert, auch von Angehörigen, die nicht einmal ihren Nachbarn erzählten, was mit der Mutter los sei. Aber auch von den Betroffenen im Frühstadium selbst: „Sie wollen oft nicht, dass jemand erfährt, dass sie geistig nicht mehr mitkommen oder Leute nicht mehr erkennen.“

In den Schulungen, die 90 bis 120 Minuten dauern, sollen die Polizisten zum einen Wissen über die Krankheit und ihre unterschiedlichen Erscheinungsformen erlernen, aber auch Tipps zur Deeskalation und richtigen Ansprache der Betroffenen bekommen. Vermittelt werden soll auch, wie sie mit herausforderndem Verhalten am besten umgehen, etwa wenn Erkrankte plötzlich weinen, singen oder aggressiv werden. „Wir wollen ihnen Einblicke in die Wahrnehmungsebene der Demenzkranken geben. In dessen Wahrnehmung hat er immer Recht“, sagt Alexander Andrzejczak vom DRK-Landesverband, der die Schulungen leitet. Konkrete Einsatzsituationen der Polizei sollen in den Schulungen besprochen werden. Was ist, wenn ein Demenzkranker eine Ruhestörung begeht, es Familienkonflikte gibt, eine verwirrte Person auf der Straße gefunden wird oder einer dementen Person ein Diebstahl zur Last gelegt wird? „Ein Ladendiebstahl kann bei einem Demenzkranken auch schlicht die Ursache haben, dass er die Kasse nicht gefunden hat und dann mit der Zahnpasta in der Tasche das Geschäft verlässt“, sagt Andrzejczak.

Auch welche Hilfsangebote es für Angehörige gibt, ist Teil der Schulung.

Polizisten können auch konkrete Erlebnisse angesprechen und mit dem Kursleiter nach besseren Handlungsalternativen suchen. „Es ist zunächst eine Grundschulung, die sich aber jederzeit durch tiefergreifende Fortbildungen ergänzen lässt“, sagt Andrzejczak.



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