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Autorin und Bloggerin Christine Finke fordert im Sinne Alleinerziehender eine gesetzliche Nachbesserung beim Sorgerecht





Saarbrücken
Unerreichbare Väter und dumme Sprüche
Autorin und Bloggerin Christine Finke fordert im Sinne Alleinerziehender eine gesetzliche Nachbesserung beim Sorgerecht

Von  Silvia Buss, 
01. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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Christine Finke ist Mutter dreier Kinder und kennt das Leben als Alleinerziehende. Foto: dpa

Foto: dpa
Ständig schnellten die Finger der Zuhörerinnen noch oben, wenn Christine Finke fragte: „Wer hat das auch schon mal gehört?“ Die Autorin hat dieser Tage in Saarbrücken ihr neues Buch über den Alltag Alleinerziehender vorgestellt und ist dabei mit vielen hart ins Gericht gegangen.

„Plötzlich alleinerziehend zu sein, ist wie ein Unfall“, sagt Christine Finke. Sofort mache die Welt sich Gedanken über die Unfallursache, statt zu fragen: Wie können wir helfen? „Allein, alleiner, alleinerziehend – Wie die Gesellschaft uns verrät und unsere Kinder im Stich lässt“ heißt das Buch, das Finke am Dienstag im Frauenthemenmonats in der Saarbrücker Stadtbibliothek vorstellte. Als berufstätige Mutter dreier Kinder und Journalistin, beschreibt sie faktengestützt, wo der Hase im Pfeffer liegt. Als Bloggerin, die täglich von 3500 Menschen gelesen wird, legt sie auch bei dieser Veranstaltung in Kooperation mit dem Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) Wert auf einen Wechsel zwischen Lesung und Dialog. So schnellen etwa die Finger der rund 30 Zuhörerinnen ständig zustimmend nach oben, als Finke fragt, wer von ihnen schon Sprüche wie „Du hast es ja so gewollt“ oder „Ein Kind rettet keine Ehe“ zu hören bekam. Neben dem chronischen Mangel an Zeit und Geld von Alleinerziehenden geht Finke auch auf bürokratischen Hürden, die das gemeinsame Sorgerecht Frauen auferlegt, ausführlich ein. Ob bei der Anmeldung zur Schule, der Einrichtung eines Kontos fürs Kind, bestimmten medizinischen Behandlungen, einem Umzug und sei es nur in ein benachbartes Haus – für alles brauche man die Unterschrift des Vaters. Was aber, wenn der mit seiner Ex-Familie gar nichts mehr zu haben will oder sich im Ausland unerreichbar macht? Und das sei laut Finke gar nicht selten der Fall: Bei fast jedem zweiten Kind breche der Vater den Kontakt nach der Trennung ab. Sie selbst habe sich vom Kindsvater eine Vollmacht ausstellen lassen, erzählt Finke und plädiert für eine gesetzliche Nachbesserung beim Sorgerecht.

Auch das Schulsystem nehme auf die Alleinerziehenden zu wenig Rücksicht, kritisiert sie. Es erwarte den selbstgebackenen Kuchen zum Schulfest, den Kauf von Häkelnadeln in 24 Stunden, die Beaufsichtigung der Schularbeiten. „Wie schaffen Sie das alles?“ Noch so ein dummer Spruch, meint Finke, die sich neben Job und Kindern auch im Konstanzer Stadtrat für bessere Bedingungen für Alleinerziehende engagiert. „Ich schaffe nicht alles, ich bin doch nicht Superwoman.“ Betroffenen rät sie zu Gelassenheit, und den anderen: „Bewundern Sie die Alleinerziehenden, dafür, was sie alles schaffen, statt auf die Defizite zu schauen“.



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