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Stefan Bernhard Eck fühlt sich inzwischen der Linken verbunden





Saarbrücken
Tierschützer kämpft gegen den „Klassenfeind“
Stefan Bernhard Eck fühlt sich inzwischen der Linken verbunden

lre,  01. September 2015, 00:00 Uhr
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Fällt im EU-Parlament auf: der Abgeordnete mit der Baskenmütze. Als Markenzeichen trägt sie Eck auch am Rednerpult. Foto: R. Lorenz Foto: R. Lorenz
Als einziges Mitglied der Tierschutzpartei ist der Saarbrücker Stefan Bernhard Eck 2014 ins Europa-Parlament eingezogen. Im Redaktionsgespräch erzählt er, warum er aus seiner eigenen Partei austreten musste.
„Das ist der Fraß des Klassenfeinds!“ Der Saarländer Stefan Bernhard Eck ist schockiert, als er die Terrine aus Gänsestopfleber in der Willkommensbox des Straßburger Bürgermeisters für Europa-Abgeordnete entdeckt. Ausgerechnet „Foie gras“, Stopfleber, für deren Herstellung die Tiere besonders leiden müssen. Ausgerechnet für den überzeugten Veganer und Tierschützer. Der Klassenfeind, das sind für Eck all jene, die aus egoistischen Gründen gegen Mensch, Tier und Planet vorgehen.

Eck ist vergangenes Jahr ins Europaparlament eingezogen, als erster Abgeordneter für die Tierschutzpartei überhaupt. Möglich gemacht hatte das das Bundesverfassungsgericht, als es die Drei-Prozent-Hürde aufhob und dadurch auch Nischenparteien die Chance auf ein Mandat zugestand. Eck war dabei, als das Gericht die Entscheidung verkündete. Erste Reaktion: „Oh Gott, jetzt hab' ich den Salat.“

Nach etwas mehr als einem Jahr im Parlament ist Eck aber doch zufrieden mit seiner Leistung als Abgeordneter – die er inzwischen nicht mehr für die Tierschutzpartei erbringt. Eck ist heute parteilos. Er, der ehemalige Bundesvorsitzende der Tierschutzpartei, ist Ende letzten Jahres „schweren Herzens“ aus der Partei ausgetreten. Weil Teile des Vorstands eine „Rechtstoleranz“ an den Tag legten, die er nicht habe akzeptieren können, wie er sagt. Mehrere Vorstandsmitglieder sind zusammen mit ihm ausgetreten, die Partei widersprach Eck im Anschluss, sie würde zu wenig gegen die Unterwanderung von rechts unternehmen.

Von den Grünen enttäuscht

„Mein Herz schlägt anatomisch, aber auch politisch links“, sagt Eck. Linke Politik habe schließlich die Ärmeren und Schwächeren im Blickfeld – so wie ein Tierschützer im Grunde genommen ja auch. Darum hat sich Eck im Europaparlament gemeinsam mit Anja Hazekamp von der niederländischen Tierschutzpartei der Fraktion der Europäischen Linken angeschlossen, bei denen er sich gut aufgehoben fühlt. Eck und Hazekamp sind genau die zwei Abgeordneten, durch die die Fraktion der Linken größer ist als die der Grünen. Als er das erzählt, hat Eck ein schelmisches Lächeln im Gesicht. Aus den Grünen sei schließlich eher „ein fahles Grau“ geworden. Als Beispiel nennt er den „Veggie-Day“, der geplante fleischfreie Tag in öffentlichen Kantinen, den die deutschen Grünen nach heftigem medialen Gegenwind aus dem Programm gestrichen haben. „Eine Politik des Umfallens“, echauffiert sich Eck, „unglaubwürdig“.

Eck lebt seit vielen Jahren vegan, verzichtet neben Fleisch auch auf Milch- und Ei-Produkte. Ob er in der Parlamentskantine denn trotzdem satt werde? „Satt werde ich immer“, ruft er und reibt sich den wohlgerundeten Bauch. Die Salatbar biete ein reichliches Angebot, und ab und zu gebe es auch mal ein veganes Gericht. Gründe für seinen veganen Lebensstil hat er viele, die nicht artgerechte Tierhaltung, die Belastung fürs Klima, die Gefahr von Fettleibigkeit und Diabetes Typ 2 schon bei Kindern. Der Staat könnte bei diesem Thema eingreifen, meint er, bei den Zigaretten tue er das ja auch.

In Europa jedenfalls kämpft Stefan Bernhard Eck für die Tiere. Er war zum Beispiel kürzlich in Rumänien, hat sich dort gegen die massenhafte Tötung von Straßenhunden eingesetzt. Seine Parlamentskollegen versucht er zudem stetig für den Tierschutz zu sensibilisieren.

Als Eck die Stopfleber geschenkt bekommen hatte, ergriff er daraufhin in seiner Fraktion das Wort, richtete sich an die anderen Abgeordneten, die die Terrine ebenfalls in ihren Geschenkpaketen hatten: „Liebe Genossinnen und Genossen, gebt eure Foie gras zurück!“

Zum Thema:

Zur PersonStefan Bernhard Eck, geboren 1956 in Homburg, Werbekaufmann in einer saarländischen Agentur, anschließend selbstständig im Bereich Import/Export. In den 90er Jahren gab er seinen Beruf auf, um sich ganz dem Kampf für Tierschutz und Tierrechte zu widmen. Eck war von 2007 bis 2014 Bundesvorsitzender der Tierschutzpartei. Im EU-Parlament sitzt er im Umweltausschuss. Er ist Vizepräsident einer Arbeitsgruppe von EU-Abgeordneten, die sich für Tiere engagieren. lre


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