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9000 gehen für Toleranz auf die Straße – Pfarrer: „Wir sind die wirkliche Mehrheit“



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Saarbrücken
Klares Signal aus dem Abendland
9000 gehen für Toleranz auf die Straße – Pfarrer: „Wir sind die wirkliche Mehrheit“

13. Januar 2015, 00:00 Uhr
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Dicht gedrängt versammelten sich die Teilnehmer auf dem St. Johanner Markt. Foto: B&B
Eine Demonstration dieses Ausmaßes hat Saarbrücken schon lange nicht mehr gesehen: 9000 Menschen gingen für Weltoffenheit auf die Straße – und zeigten auch Solidarität mit den Terroropfern in Frankreich.
 
Saarbrücken. 9000 Menschen für Toleranz und Mitmenschlichkeit auf dem St. Johanner Markt in Saarbrücken: Es ist das kraftvolle Zeichen gegen Rassismus und für Weltoffenheit, das sich die Initiatoren von „Bunt statt braun“, einem breiten Bündnis aus Parteien, Gewerkschaften und Vertretern von Kirchen und Muslimen, von den Saarländern erhofft hatten. Es ist zugleich ein deutliches Signal gegen die „Saargida“, den saarländischen Ableger der Anti-Islam-Bewegung Pegida. „Nein zu Saargida“ oder „Gegen Rassismus“ hatten Demonstranten auf ihre Plakate geschrieben. Und immer wieder „Je suis Charlie“ aus Solidarität mit den getöteten Journalisten des französischen Satire-Magazins „Charlie Hebdo“.
Über 3000 Personen hatten auf Facebook ihre Teilnahme angekündigt, es wurden dreimal so viele. Viele trugen passend zum Motto bunte Knicklichter an ihrer Kleidung. „Als Gesellschaft müssen wir uns gegen Fremdenhass vereinen“, sagte der 17-jährige Paul aus St. Ingbert beim Marsch von der Ludwigskirche zum St. Johanner Markt, wo die Kundgebung stattfand. „Wir demonstrieren für die Pressefreiheit, die Demokratie und den Frieden. Uns ist an einem guten Miteinander aller Religionen gelegen“, sagten zwei Seniorinnen.
In einer Schweigeminute gedachten die Demonstranten, darunter das gesamte Kabinett, zu Beginn der Kundgebung der Opfer der Pariser Attentate. Jubel brach aus, als bekannt wurde, dass „Saargida“ den geplanten Marsch durch die Bahnhofstraße abgesagt hatte und sich auf eine bloße Kundgebung beschränkte – weil der Widerstand zu groß wurde. „Wir sind die wirkliche Mehrheit in Deutschland, in Europa und im Abendland und wir stehen für schillernde Buntheit“, rief der evangelische Pfarrer Jörg Metzinger der Menge zu. Er hatte die Demonstration angemeldet.
 „Wir wissen, dass die große Mehrheit unserer Mitbürger weder islam- noch fremdenfeindlich ist“, sagte der Vorsitzende des muslimischen Ditib-Landesverbands, Rasim Akkaya. „Wir distanzieren uns vehement von denjenigen, die im Namen des Islams Verbrechen begehen.“ Gerade in diesen Zeiten müsse gemeinsam für eine tolerante Gesellschaft geworben und der Dialog gesucht werden.
 „Wir stehen heute hier gemeinsam und sagen: Fremdenhass hat in Saarbrücken keinen Platz“, rief Saarbrückens Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD). In der Landeshauptstadt lebten Menschen aus 150 Nationen friedlich zusammen. Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine forderte, auch der Opfer des Terrors in der arabischen Welt und des „illegalen Drohnenkriegs“ der USA zu gedenken. „Wir müssen uns im Westen fragen, was wir falsch gemacht haben.“
Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) mahnte: „Die Menschen in Paris wurden nicht umgebracht durch eine Religion oder durch den Islam, sondern durch Mörder und durch Hass. Für uns ist jeder Mensch gleich wichtig, egal woher er kommt, was er glaubt oder wen er liebt.“ Das Zeichen, das in Saarbrücken gesetzt wurde, müsse auch im Alltag gesetzt werden.
 

Ruf „Wir sind das Volk“ verhallt


Viele bekannte Rechtsextreme bei der „Saargida”-Demonstration – Pfiffe für Distanzierung von der NPD

Rund 300 Menschen haben gestern Abend in Saarbrücken gegen eine angebliche „Islamisierung des Abendlandes“ demonstriert. Die Distanzierung des Hauptredners von der NPD stieß auf Protest.

Saarbrücken.
Zur ersten „Saarland gegen die Islamisierung des Abendlandes (Saargida)“-Demonstration haben sich gestern Abend knapp 300 Menschen vor der Europagalerie in Saarbrücken versammelt. Etwa die Hälfte der Teilnehmer rechneten Beobachter der rechtsextremen Szene zu. NPD-Landeschef Peter Marx hielt sich an einem Holzkreuz fest, auf dessen Querbalken das Wort „Charlie“ stand. Auch NPD-Anwalt Peter Richter, der die Bundespartei vor dem Bundesverfassungsgericht vertritt, war gekommen. Ebenso NPD-Mann Sascha Wagner, der schon im Herbst 2014 in Völklingen bei der rechtsextremen Demo „Saarländer gegen Salafisten (Sagesa)“ eine Rolle gespielt hatte. Von der Führungsspitze der saarländischen Alternative für Deutschland (AfD) um Johannes Trampert war niemand zu sehen. Dafür aber eine Hand voll in Loden und Nerzmantel gekleidete Bürger. Diese hoben sich von den jungen Rechtsextremen ab, die meist in schwarzen Lederjacken oder Kapuzenpullis steckten.
Die Bereitschaftspolizei und Bundespolizisten hatten den Platz an der Ecke Reichsstraße/Karl-Marx-Straße gesichert, so dass etwa 50 Antifaschisten (Schilder mit der Aufschrift „Scheiß Nazis“ oder „Nieder mit Pegida“) in Höhe der Landmann-Apotheke ausharren mussten. Dennoch kam ein Trüppchen aus acht Antifaschisten aus Richtung Bahnhofstraße – die Lage drohte zu eskalieren, da sich aus den Reihen der „Saargida“-Demonstranten etwa 20 Kapuzen-Pulli-Träger mit „Uaah-Uaah“-Rufen auf das Antifa-Trüppchen stürzen wollten. Doch die Polizei ging dazwischen und drängte die Antifaschisten in Richtung Viktoriastraße zurück.
„Saargida“-Hauptredner war der 23-jährige Danny Walter, der nach eigener Aussage vor zwei Jahren aus Chemnitz nach Saarbrücken gekommen ist und ausschließlich die Dresdner „Pegida“-Thesen vorlas. „Wir sind weder rassistisch noch Nazis“, sagte Walter. „Pegida“ sei für die Aufnahme von politisch verfolgten Flüchtlingen und für die kompromisslose Abschiebung von straffällig gewordenen Migranten. „Wir haben nix mit der NPD zu tun“, rief Walter und erntete dafür Pfiffe aus dem Publikum. Als er versuchte, den Sprechchor „Wir sind das Volk“ anzustimmen, verebbte das Echo schnell.
Walter sagte, „die Medien und die Politiker lügen immer dreister“. Gegenüber der SZ betonte er, er habe nichts von dem NPD-Hintergrund gewisser Leute gewusst, die auf Facebook seine Freunde sind. Er könne seit der SZ-Veröffentlichung seiner NPD-Verbindungen nicht mehr schlafen. dik
 

 

Meinung:
 

Saarbrücken ist nicht Dresden

Von SZ-RedakteurDietmar Klostermann

Saarbrücken hat gestern deutlich gezeigt, dass es nicht Dresden ist. Der Saar-Ableger von „Pegida“ konnte nur ein kleines Häufchen Unentwegter versammeln, in deren Reihen zudem die Rechtsextremen klar zu erkennen waren. Dieser Montag kann als Beispiel dafür dienen, dass die Saarländer ihre Überzeugung, dass Menschenrechte nicht teilbar sind, leben. Die müden Versuche des „Saargida“-Demo-Anmelders, die 1989er-Hymne „Wir sind das Volk“ für sich in Anspruch zu nehmen, sind kläglich gescheitert. Wer Angst hatte, „Saargida“ könne im Saarland Fuß fassen, kann aufatmen.
 
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