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Frauen in der Saarbrücker Innenstadt finden: Abstand halten bringt nicht viel



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Saarbrücken
Frauen in der Saarbrücker Innenstadt finden: Abstand halten bringt nicht viel
Von Fatima Abbas,  06. Januar 2016, 17:15 Uhr
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Foto: Fatima Abbas
Die Übergriffe auf Frauen, die sich in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof ereigneten, haben bundesweit für Bestürzung gesorgt. Aussagen der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker über das Verhalten von Frauen bei öffentlichen Veranstaltungen werden heftig diskutiert. Die SZ hat sich heute Nachmittag in der Saarbrücker Innenstadt umgehört, was die Zielgruppe dazu zu sagen hat.


 



Eine Armlänge Abstand halten. Das empfiehlt die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker denjenigen Frauen, die sich in einer Gefahrensituation von fremden Männern bedroht fühlen. „Das ist absoluter Schwachsinn.“ So lautet die intuitive Reaktion vieler Passantinnen in der Saarbrücker Innenstadt auf diese Empfehlung. „Das müssen wir uns doch nicht gefallen lassen“, empört sich eine Passantin, die anonym bleiben möchte. „In der Situation hätte das nichts gebracht.“ Die Situation, auf die sich die Spaziergängerin bezieht, sorgt mittlerweile landesweit für hitzige Debatten, auch wenn viele Details noch ungeklärt sind. In der Silvesternacht sollen am Kölner Hauptbahnhof eine ungeklärte Anzahl von Männer mindestens 90 Frauen sexuell belästigt und ausgeraubt haben, in einem Fall wurde sogar eine Vergewaltigung angezeigt. „Vorsichtig sollte man immer sein. Ich persönlich mache Selbstverteidigung und Krav Maga, eine israelische Selbstverteidigungsart“, sagt Anabel Becker. Die junge Frau findet, dass es wichtig ist, auch als Frau für den Ernstfall gewappnet zu sein.

„Einige Freundinnen von mir haben auch immer ein Pfefferspray dabei.“ Was die Täter angeht, ärgert sie sich darüber, dass einige nun pauschal Flüchtlinge und Migranten für die Vorfälle verantwortlich machten. Eine weitere junge Frau erzählt, dass sie früher Kampfsport betrieben habe und selbst bereits Opfer sexueller
Übergriffe geworden sei. Zur Vorbeugung empfiehlt sie, in unsicherer Umgebung in Begleitung unterwegs zu sein und „dunkle Ecken zu meiden“. Sie glaubt, dass man bei einem Übergriff ohnehin nur wenig ausrichten könne: „Man steht da und ist einfach nur schockiert. Man kann nichts machen.“

Marina Grün und ihre Freundin Hanna Siede aus Trier finden beide: „Abstand halten bringt nichts, wenn man angegriffen wird.“ Die Teenagerin Hanna sorgt deshalb lieber vor und hat für den Fall der Fälle, wenn sie ausgeht, ein Pfefferspray in der Tasche. Ihre Freundin Marina interessiert sich für das Thema Selbstverteidigung: „Wenn es so einen Kurs kostenlos gäbe, würde ich mitmachen.“

Vanessa Geneix und ihre Freundin Christine erzählen, dass sie an Silvester ebenfalls mit der Bahn unterwegs gewesen seien und auch „ein beklemmendes Gefühl“ verspürt hätten. Geneix hätte sich in Köln „mehr Polizeipräsenz gewünscht“ und ist auch etwas verärgert über die Aussage der Kölner Oberbürgermeisterin:
„Es kam so rüber, als läge der Fehler bei den Frauen.“ Eine etwas ältere Dame ist sich sicher, dass Reker „nur einen guten Ratschlag“ geben wollte. Ein Mindestabstand sei ihrer Meinung nach sinnvoll: „Wenn man jedem um den Hals fällt, dann wird das oft falsch verstanden.“

Es sei auch sinnvoll, in unüberschaubaren Situationen „immer in der Gruppe“ zu bleiben. Im Bezug auf die Täter rät sie dazu, die Ermittlungsergebnisse abzuwarten: „Da müssen Fakten her!“ Die Heilbronnerin Sema Aydogmus, die mit ihren Töchtern Esra und Celine auf Besuch in Saarbrücken ist, fühlt sich in Deutschland auch als Frau nach wie vor sicher. Dennoch begrüßt sie es, dass ihre beiden Töchter seit sechs Jahren Kickboxen betreiben und für alle Fälle gewappnet sind. Und was ist mit der Armlänge Abstand? „Teilweise könnte ich der Oberbürgermeisterin zustimmen. Bei großen Veranstaltungen sollten sich Frauen auch nicht allzu übertrieben anziehen“, findet Esra. Celine sieht auch die Polizei in der Verantwortung: „Da, wo es passiert ist, gab es keine Polizisten.“ Familienfreundin Serap Acar aus Dillingen warnt im Hinblick auf die Angreifer davor, „alles in einen Topf zu werfen.“ Unabhängig von der Nationalität gebe es „gute und schlechte Menschen.“

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