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Was bedeutet das einstige Kultusministerium Menschen, die hier arbeiteten? – Ein Rundgang mit viel Gefühl





Saarbrücken
Ein denkmalgschützter Hochsicherheitstrakt
Was bedeutet das einstige Kultusministerium Menschen, die hier arbeiteten? – Ein Rundgang mit viel Gefühl

08. Oktober 2014, 00:00 Uhr
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Ein paar Pflanzen im Treppenhaus gießt er noch, und auch der Rasen wird gemäht. Joachim Keßler, Hausmeister und Gärtner aus Urexweiler, kehrt regelmäßig an seinen einstigen Arbeitsplatz zurück: das ehemalige Kultusministerium, der Pingusson-Bau, über dessen Zukunft in der kommenden Woche deutsche und französische Fachleute sprechen werden. 1954 wurde er nach den Plänen des Architekten und Stadtplaners Georges-Henri Pingusson als französische Botschaft gebaut und war bis 1960 Sitz der diplomatischen Vertretung Frankreichs. Erst von da an hatte das Kultusministerium hier seinen Platz; Kultusminister war seit 1957 Franz-Josef Röder, der das Ressort für Kultus, Unterricht und Volksbildung, wie es damals hieß, bis 1965 leitete. Dabei war er 1959 schon zum Ministerpräsidenten gewählt worden.

Anfangs gab es die Stadtautobahn noch nicht. Das Gebäude ruhte in grüner Umgebung, der Anbau wurde später erst als „langes, schmales Handtuch“ direkt neben der Autobahn zur Lärmschutzwand der besonderen Art.

Der große Park, den er seit dem Jahr 2000 pflegt, ist für Joachim Kessler „etwas ganz Besonderes“. Er wünscht sich, das Kultusministerium möge zurückkehren in den Bau der 50er Jahre. Der zuvor zu sanieren wäre. Doch Kessler weiß: Der Wunsch wird wohl ein Traum bleiben. Auch sein Kollege Jörg Walter, der als Hausmeister zwischen dem neuen und dem alten Kultusministerium pendelt und während unseres Rundgangs die Alarmanlage aus- und wieder einschaltet, käme gerne zurück. Seit 1991 hat er hier gearbeitet, mag die Helligkeit des Hauses, erklärt kurz und bündig: „Es gefällt mir halt“.

Am 12. April arbeiten die rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kultusministerium in der alten Post in der Trierer Straße. Hier ist auch Platz für Prüfungsamt und Kulturabteilung, die früher in anderen Häusern untergebracht waren.

Sechs Mitarbeiter sind jetzt für einen Nachmittag in den Pingusson-Bau zurückgekehrt. Stippvisite am einstigen Arbeitsplatz, um die Frage zu beantworten: Wie war es, in einem Gebäude zu arbeiten, das beeindruckende repräsentative Räume hatte – und kleine, karge Büros für die Mitarbeiter? Wie ist die persönliche Rückschau, wie die Sicht auf die Zukunft des Hauses?

Ursula Scherschel aus Spiesen ist „erschüttert“, als sie Alarmanlagen, Gitter, Absperrungen sieht. Aus ihrem einstigen Arbeitsplatz ist ein Hochsicherheitstrakt geworden. 1986 war sie zusammen mit dem damaligen Kultusminister Professor Diether Breitenbach von der Saar-Uni hierhergekommen, hatte zunächst in seinem Vorzimmer gearbeitet. Seit 1996 ist sie zuständig für die Sitzungsunterlagen der Kultusministerkonferenz. Jetzt steht sie in ihrem früheren Büro, das vollständig leergeräumt ist und blickt auf die Terrasse und in den Park. „Ich habe mich hier wohlgefühlt“, sagt sie ein wenig wehmütig, „auch, weil es so schön hell war“. Zwei Folgen des Saar-Tatortes seien hier gedreht worden. „Ich wäre gern in diesem Gebäude geblieben. Ich könnte mir gut vorstellen, dass das Kultusministerium wieder zurückzieht.“ In jedem Fall wünscht sie sich, dass das Gebäude erhalten bleibt.

Den Wunsch teilt sie mit allen, die an diesem Nachmittag an ihrem ehemaligen Arbeitsplatz unterwegs sind. Lauter Fans, lauter Menschen, die jenseits der Debatte über Baustil und Denkmalschutz ein ganz besonderes Gefühl für das Gebäude entwickelt haben. Und das, obwohl sie unter dessen Eigenheiten auch zu leiden hatten: Schwitzen im Sommer, kalte Füße im Winter, die laute Autobahn direkt daneben.

Bei so vielen Freunden des Gebäudes drängt sich die Frage auf, ob das Ministerium die Mitarbeiter „handverlesen“ hat. Pressesprecher Jürgen Renner schüttelt den Kopf. Es gäbe auch etliche, die Jahrzehnte in dem Haus gearbeitet hätten und heilfroh seien, dass sie es verlassen konnten. Die wollten auf keinen Fall wieder zurück aus der Alten Post in der Trierer Straße, nicht einmal für einen kurzen Besuch.

Renner selbst hat nur eineinhalb Jahre im Pingusson-Bau gearbeitet. Seine Eindrücke: Es war „schwierig“ mit dem Autobahnlärm. Renners neues Büro ist ruhiger, er blickt auf die Bahngleise und wenn er einen TGV sieht, „würde er gerne mal wieder nach Paris fahren“. Von Frankreich könnte die Zukunft des 60 Jahre alten Gebäudes abhängen. Möglicherweise lässt sich ein deutsch-französisches Finanzierungsmodell finden. Bis dahin darf gewünscht und geträumt werden. Renner könnte sich ein Kreativzentrum vorstellen, einen Ort, an dem man junge Künstler unterbringen könnte.

Konrad Baltes aus Nohfelden-Walhausen steht in seinem einstigen Büro neben einem Stützpfeiler und sagt aus vollem Herzen: „Ich würde auch einen zweiten Pfeiler in Kauf nehmen, wenn ich wieder zurückkönnte.“ Er hat seit 1980 im Pingusson-Bau gearbeitet. 34 Berufsjahre und etliche Minister später blickt er sehr positiv zurück. Mit dem Haus sagt er, verbänden sich gute Erinnerungen: an nette Kollegen, an den Park, an Veranstaltungen.

Willi Kräuter aus Neunkirchen kam 1990 als persönlicher Referent der damaligen Kultusministerin Marianne Granz ins Haus, leitet seit 1999 das Referat Weiterbildung. Zuletzt hatte er im ehemaligen Büchereiamt im Keller des Hauses sein Büro. Dort war es nicht so schön wie oben, aber „bei Hitze konnte man es hier gut aushalten“. Den Blick ins Grüne mochte er ansonsten sehr, sagt Kräuter. Er hat eine Vorliebe für die repräsentativen Räume. „Wenn das Land noch Geld hätte, könnte die Staatskanzlei hier einziehen.“ Doch das Land hat kein Geld und die Zukunft des Pingusson-Baues ist noch ungewiss.

Viele Vorschläge wurden bisher gemacht, auch der, einen Teil des Hauses abzureißen. Dem widersprach der Landesdenkmalrat jüngst entschieden. Er plädiert dafür, das Haus ganz zu erhalten und dem Vorschlag der Ministerpräsidentin zu folgen und hier deutsch-französische Einrichtungen unterzubringen. Auch darüber wird bei dem Treffen der Fachleute in der kommenden Woche zu reden sein. Ulrich Commerçon (SPD), letzter Benutzer des denkmalgeschützten Ministerbüros, hat zwei Jahre in dem Gebäude gearbeitet und erzählt zwei kleine Geschichten dazu: Als Schülerzeitungsredakteur hat er hier ein Interview mit Diether Breitenbach geführt. Jahre später, am Tag seiner Vereidigung, saß er dann selbst an dem Schreibtisch, den er damals schon bewundert hatte. Nach dem Umzug hat Commerçon das Gebäude in die Hände des Finanzministers gegeben. Der ist jetzt zuständig, Commerçon aber bleibt Hüter des Hauses. Es müsse erhalten werden – aus historischen und aus denkmalpflegerischen Gründen. Und er weiß genau, was er für den Pingusson-Bau tun würde: „alles!“

Unter dem Motto „ Es lohnt sich“ gibt es am 16./17. Oktober einen Workshop im Pingussonbau. Eine interdisziplinär, aus französischen, auswärtigen und saarländischen Teilnehmern zusammengesetzte Gruppe wird sich Gedanken machen über eine zukunftsfähige Nachnutzung des Ensembles, insbesondere des Hochhauses. Das Ziel: Das Gebäude vollständig erhalten. Veranstalter: Deutscher Werkbund Saar, Bund Deutscher Architekten Saar, Stiftung Baukultur Saar, HTW Schule für Architektur, ordre des architectes de Lorraine. Die öffentliche Präsentation der Ergebnisse findet statt am Freitag, 17.Oktober, 14 Uhr.
 


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