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Wie saarländische Juden auf den Terror in Paris reagieren





Saarbrücken
Sorge vor wachsendem Antisemitismus
Wie saarländische Juden auf den Terror in Paris reagieren

Von  Alexander Manderscheid, 
21. November 2015, 00:00 Uhr
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RichardBermann
Der Terror in Paris könnte auch antisemitisch motiviert sein. Bereits seit 2012 sei ein wachsender Antisemitismus zu beobachten, sagt der Vorsitzende der Synagogengemeinde Saar Richard Bermann.
Dass sich islamistische Terroristen am Freitag vor einer Woche in Paris das Konzerthaus Bataclan als Ziel ausgesucht haben, kommt wohl nicht von ungefähr. Es war 40 Jahre im jüdischen Besitz. „Ich möchte den antisemitischen Hintergrund bei den Anschlägen von Paris aber auch wirklich im Hintergrund stehen lassen“, sagt Richard Bermann, Mitglied im Direktorium des Zentralrats der Juden in Berlin und Vorsitzender der Synagogengemeinde Saar. „Es könnte aber durchaus sein, dass das Konzert im Bataclan gezielt ausgewählt wurde.“ Man könne jetzt zwar nicht von Panik reden, die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und im Saarland sei aber sehr besorgt.

Das aber nicht erst seit den Pariser Anschlägen. Der wachsende Antisemitismus in ganz Europa sei spätestens 2012 während der Beschneidungsdebatte zu spüren gewesen. Es folgte das Aufkeimen des Gaza-Konflikts mit propalästinensischen Demonstrationen in Deutschland, wo auch mal skandiert wurde: „Juden ins Gas“. Überdies wurden und werden Juden auf offener Straße körperlich wie verbal attackiert. Vor allem in Frankreich, aber auch in Deutschland. „Es gibt kaum ein Land in Europa, in dem es keine Angriffe auf jüdische Einrichtungen gegeben hat“, sagt Bermann. Auch seine Gemeinde habe dieser Tage einen zweifelhaften Brief erhalten: Ein unkommentiertes Bild zeigt den Felsendom auf dem Tempelberg in Jerusalem, einer der bedeutendsten Sakralbauten des Islam. Per Fotomontage wurde auf seine goldene Kuppel der Davidstern gesetzt.

Dass neben Rechtsradikalen vor allem radikale Muslime mit antisemitischen Äußerungen und Straftaten auffallen, erklärt Bermann mit historischen Hintergründen. Aber auch das Bild von Juden, das manche Muslime in den Köpfen trügen, sei gefährlich. Sie würden regelrecht zum Judenhass erzogen. So stellten Kinderfilme in arabischen Sendern, die in Deutschland empfangbar seien, Juden als Esel und Schweine dar. Wenn er zum Thema Holocaust Schulen besuche, konfrontierten ihn Migrantenkinder mit dem, was er „als Jude mit den Palästinensern anstelle“. „Aber was mache ich als deutscher Jude mit den Palästinensern? Daran erkennt man, wie es in den Köpfen aussieht“, meint Bermann. Er sieht auch bei den Medien eine Schuld an dieser Entwicklung, die zu wenig zwischen Israel und den Juden differenzierten und gleichzeitig oftmals ein antiisraelisches Bild vermittelten.

Die Anteilnahme, die die Islamische Gemeinde „Im Malhofen“ – arabische Moslems – in Saarbrücken der Synagogengemeinde gleich nach den Anschlägen zukommen ließ, freut den jüdischen Vorsitzenden. Das ändere aber nichts daran, dass auch seine rund 1000 Gemeindemitglieder sehr besorgt seien. Bisher habe hier wie auch in ganz Deutschland, so Bermann, noch kaum jemand in Erwägung gezogen, es „den vielen, vielen“ französischen Juden gleichzutun und nach Israel auszuwandern. Die meisten Mitglieder in Saarbrücken stammen aus der früheren Sowjetunion und waren vor wenigen Jahren schon einmal auf der Flucht. Bermann blickt aber mit Unbehagen in die Zukunft, nachdem auch noch die EU zum Boykott israelischer Produkte aus dem Westjordanland und von den Golanhöhen aufgerufen hat.

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