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Fachbetrieb ist von Köllerbach in die Püttlinger Eisenbahnstraße umgezogen





Püttlingen
Glas Gauer macht's möglich
Fachbetrieb ist von Köllerbach in die Püttlinger Eisenbahnstraße umgezogen

Von  Walter Faas, 
29. Dezember 2015, 02:00 Uhr
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Glas Gauer in Püttlingen arbeitet für Labore, Forschungsinstitute und die Industrie in ganz Europa. Unser Foto zeigt Heike Gauer und ihren Vater Karl-Heinz (im Hintergrund) bei der Arbeit. Foto: Jenal Foto: Jenal
Den Teufel ins Glas bannen: Glas Gauer macht's möglich. Der Fachbetrieb für Labor- und Kunstglas arbeitet seit mehr als 20 Jahren für Labore, Forschungsinstitute und die Industrie in ganz Europa, jetzt am neuen Standort in der Püttlinger Eisenbahnstraße.
Das Büchlein „Poesie des Glases“ liegt auf dem Werktisch von Heike Gauer. Gauer ist Meisterin im Glasapparatebau, Chefin von drei Mitarbeitern und Inhaberin von Glas Gauer in Püttlingen. Das Unternehmen besteht seit 1993. Wegen der Erweiterung eines anderen Betriebes musste es den bisherigen Standort in der Köllerbacher Grubenstraße aufgeben. Gauer hat investiert, in neue Firmenräume in der Püttlinger Eisenbahnstraße 20. Dort entstanden etwa 300 Quadratmeter Gewerbefläche für den Werkstoff Glas. „Ein mutiger Schritt, aber die Auftragslage ist auch wirklich gut. Wir sind praktisch das einzige Unternehmen im Saarland, das sich auf Glasapparatebau spezialisiert hat“, sagt Gauer.

Auf 1250 Grad erhitzt

Firmen der chemischen Industrie, Labore und Forschungsinstitute aus ganz Europa haben Bedarf an Spezialgläsern, die nach Plan gefertigt werden. Gauer zeigt ein Beispiel. Es handelt sich dabei um ein Reagenzglas, in das zwei voneinander unabhängige Spiralröhren eingearbeitet sind. Rohlinge, Borosilikatglas, werden auf circa 1250 Grad erhitzt und so lange gedreht, gezogen, geblasen, miteinander verbunden, bis sie der geforderten Norm, dem gezeichneten Plan, entsprechen. Handschuhe braucht die Meisterin dafür übrigens nicht: „Zum Glück ist Glas ein schlechter Wärmeleiter.“ Dafür kommt das fertige Reagenzglas noch eine gute halbe Stunde in den Wärmeofen, der, elektronisch gesteuert, die Temperatur peu à peu zurückfährt: „Jedes Glas, das thermisch behandelt wird, steht unter Spannung. Deshalb muss es ganz langsam auskühlen.“ Danach kann es geschliffen, geätzt, graviert, gesandstrahlt werden. Den Beruf des Glasapparatebauers gibt es seit etwa 200 Jahren, seit es Glasröhren gibt. Man braucht dafür viel handwerkliches Geschick, ein gutes Auge, muss schnell, aber präzise arbeiten können und die Kenntnis darüber haben, wie man den spröden Werkstoff Glas mit Hilfe der Flamme dehn- und formbar macht. Neben dem erwähnten Apparatebau, oft für wissenschaftliche Zwecke, hat sich das Unternehmen auch auf Kunstglas spezialisiert. So entstehen in der Werkstatt regelrechte Unikate, die nebenan im Verkaufsraum ausgestellt und verkauft werden. Beispielsweise hat Heike Gauer den Roten Teufel vom Betzenberg, eine Fußballlegende, aus Glas, in die Flasche hinein gebannt. Ebenso einen echt saarländischen Schwenker, einen Adventskranz, ein Schachbrett mit 64 Feldern und Figuren, eine Klarinette, eine Tischtennisplatte oder ein Fahrrad, die in Flaschen eingeschlossen werden: „Kein Hobby bleibt verschont.“

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Welcher Saarländer freut sich nicht über einen Ringel Lyoner (aus Glas) in seinem Schnapsstamperl? Darüber hinaus finden sich im Ausstellungsraum handgefertigt mundgeblasene Kerzenhalter, Fensterbilder, Pokale, Vasen und so weiter, falls gewünscht, mit Aufdruck.

Als drittes Standbein, neben dem Labor- und Kunstglas, fühlt sich das Püttlinger Familien-Unternehmen der Reparatur von beschädigten Gläsern verpflichtet. „Viele liebgewonnene, aber beschädigte Gläser, Lampenschirme, Kannen oder Vasen können durch Schleifen und Verschmelzen noch gerettet werden.“

www.gauer-glas.de

Zum Thema:

HintergrundDas Wort Glas ist aus dem lateinischen Begriff „Glasa – Das Glänzende, das Schimmernde“ abgeleitet. Die ältesten Glasfunde stammen aus der Steinzeit, also etwa aus dem Jahr 7000 vor Christus. Der erste Glaskelch datiert aus dem Jahr 1450 vor Christus. Im Saarland florierte die Glasindustrie zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert als Wirtschaftsfaktor, noch vor der Zeit von Kohle und Stahl. et

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