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Hiltrud Müller und Brigitte Schubert vom Historischen Verein Stadt Neunkirchen stöbern Vorfahren auf





Neunkirchen
Detektivinnen im Dienste der Ahnen
Hiltrud Müller und Brigitte Schubert vom Historischen Verein Stadt Neunkirchen stöbern Vorfahren auf

30. November 2016, 02:00 Uhr
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Beim Historischen Verein in der Irrgartenstraße stehen inzwischen bereits Aufzeichnungen aus 275 Orten. Grundlage für die Arbeit von Hiltrud Müller (links) und Brigitte Schubert. Foto: Jörg Jacobi
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Hiltrud Müller vergräbt sich zurzeit gerne im Buch des Handwerkervereins, das der Verein geschenkt bekam. Und alles wird erfasst.

So richtig will es auf den ersten Blick nicht zusammenpassen. Da sitzt Hiltrud Müller vorm PC und tippt aus einem sichtbar alten Buch Daten ein. Rundherum ein Regal mit Ausdrucken über historische Themen, das ein oder andere historische Buch auf einem Tisch, zwei alte Fotos auf dem anderen. Richtig warm ist es nicht in der Irrgartenstraße 18. Der Historische Verein Stadt Neunkirchen (HVSN) hat hier seit 2000 sein Zuhause gefunden. Und hier finden nicht nur regelmäßig Vorträge und Treffen statt. Hier kommen auch an jedem zweiten Donnerstag im Monat ab 18 Uhr zwei Damen und zwei Herren zusammen, deren Hobby die Genealogie, die Ahnenforschung, ist. Dabei sind die Damen sozusagen die Tonangebenden. Die beiden Herren erfassen nur. Daten von den Menschen, die in Neunkirchen gelebt haben. Aus von im Standesamt abfotografierten Karteikarten beispielsweise. 340 000 Bilder sind da mittlerweile innerhalb von zweieinhalb Jahren zusammengekommen. Drei Leute haben jeden Montag eine komplette Schicht gefahren, haben von 8 bis 16 Uhr die Einträge im Bild festgehalten. Exakt 81 115 Personen sind so mittlerweile erfasst worden, wie Müller mitteilt. „Das sind etwa zehn bis 15 Prozent.“ Für die Erfassung gilt allerdings der Datenschutz. Geburten müssen 110 Jahre zurückliegen, Heiraten 80 und Sterbefälle 30. „Da müssen wir uns dran halten.“ Was bedeutet: Für die geplante große Datenbank sind aktuelle Daten nicht möglich. Fündig wird man trotzdem. „Name und Geburtsdatum sowie Geburtsort – das ist der Anfang, damit kommt man schon mal den ersten Schritt weiter“, erläutet Brigitte Schubert. Damit kann man den ersten Zweig auf dem Familienstammbaum schon selbst erforschen – sollte er nicht sowieso bekannt sein. Beim Standesamt spätestens kann man erfahren, wer die Eltern waren. „So geht es dann Schritt für Schritt weiter.“

Einwohneranstieg ab 1840

Natürlich sind die Genealoginnen des HVSN gerne behilflich. Sie sind die reinsten Detektive mittlerweile. Und so verblüffen sie mehr als einmal im SZ-Gespräch mit dem in den Köpfen gespeicherten Wissen über geschichtliche Zusammenhänge, namentliche Zuwanderungen und Herkünften von Namen. „Das macht die Erfahrung.“ Sie wissen längst, wie es sich zumindest in der Stadt Neunkirchen verhält. Aber auch das direkte Umfeld ist bestens im körperlichen Datenspeicher hinterlegt. In Neunkirchen hat sich beispielsweise ab 1840 die Zahl der Einwohner rapide vergrößert. „Jedes Jahr verdoppelt“, sagt Schubert. Und Müller ergänzt: „Waren es 1805 noch 20 Heiraten im Jahr, so waren wir 1890 schon bei bis zu 400.“ Damals sind viele Menschen zugewandert, um Arbeit zu finden, aus der Schweiz sind sie gekommen, aus Luxemburg, Frankreich und Österreich, der Pfalz sowieso. Wenn sich die beiden auf den Weg machen, die Ahnen zu finden, haben sie viele Möglichkeiten (siehe Text unten).

Stöbern in vergessenen Büchern

Aktuell ist Müller dabei, sich durch das Buch des Handwerkervereins zu arbeiten. Beim Blättern kann sie so richtig ins Schwärmen geraten. 1900 beginnt das Buch, hat Jahr für Jahr vermerkt, wer Mitglied ist, welches Handwerk er ausübt und auch, wer verstorben ist, möglicherweise gefallen. „Das ist wunderbar“, schwärmt sie. „Ein toller Fundus, den wir da geschenkt gekriegt haben.“ Übrigens: Mit im Paket war auch noch eine wunderbare bestickte Fahne und eine Schärpe. Die zieren die Wand im Vortragsraum. Mit solchen Gaben kann man den Verein im Allgemeinen und die Ahnenforscherinnen im Besonderen so richtig froh machen. Ein weiteres kürzlich eingetroffenes Kleinod: ein in wunderbarer Schönschrift verfasstes Register mit den Namen der Gefallenen der beiden Weltkriege, entdeckt beim Leerräumen der entwidmeten Herz-Jesu-Kirche. „Das lag vergessen unterm Altar“, sagt Müller. Nun hat es einen Ehrenplatz im Archiv gefunden. Dort, wo auch alle Ausgaben des Stadtanzeigers, des früheren Anzeigenblattes von Neunkirchen, lagern. Und außerdem eine Wand voller Aktenordner und Bücher. 275 Orte in alphabetischer Reihenfolge beinhalten Zigtausende von Menschenleben. Wenn die Forscherinnen hier nicht mehr weiterkommen, dann vergraben sie sich gerne Mal in Saarbrücken oder in Saarlouis, wo in den Bibliotheken umfangreiche Register zu finden sind. Oder – Geheimtipp von Müller – bei der Bundesbahn in Ludwigshafen, wo das Bundesbahnwerk einen wahren Schatz für jeden Genealogen verwaltet. Seit 25 Jahren pflegt Schubert das Hobby, seit sie – Schwester des berühmten Neunkircher Jazzers und Buchhandlungs-Inhabers Schubert – hier lebt. Müller wurde irgendwann neugierig, was denn dran sei an der Erzählung der Großmutter, dass Vorfahren auf der Burg Thallichtenberg bei Kusel gelebt hätten. Die Großmutter hatte Recht – und Müller eine neue Leidenschaft. Ihre eigene Ahnentafel haben sie natürlich erstellt. Schubert ist da sogar bis ins 15. Jahrhundert vorgedrungen. „Wenn man zu der Zeit in die höhere Gesellschaft kommt, die auf den Burgen gelebt hat, da hat man Glück. Das wurde alles registriert.“ Anfragen liegen den beiden Ahnen-Detektivinnen immer vor und werden auch gerne bearbeitet. Aktuell gab es eine aus Amerika. Eine Dame hatte festgestellt, dass 1742 Vorfahren aus Wiebelskirchen nach Pennsylvania ausgewandert waren. „Die war total happy, dass ich ihr helfen konnte“, erzählt Müller. Und hat sich auch erkenntlich gezeigt. Das ist keineswegs üblich. Denn – so gerne die Damen helfen – es ist mit viel Arbeit verbunden, die eigentlich ehrenamtlich passiert. Aber wenigstens ein Dankeschön hätte man da schon gerne – noch lieber eine kleine Spende für den Verein oder vielleicht ein Jahr Mitgliedschaft. Wer prominent ist, dessen Stammbaum erforschen sie aber auch mal so ganz gerne – im Auftrag. So gibt es für den ehemaligen Neunkircher Oberbürgermeister Friedrich Decker ein ganzes Buch. Und auch für den amtierenden OB Jürgen Fried ist der Stammbaum erstellt. „Falls es mal einen Anlass gibt.“

Natürlich stoßen die Ahnenforscherinnen auch mal an Grenzen. Manchmal kommt man zu sogenannten weißen Flächen. Da ist einfach kein Kirchenbuch mehr auffindbar in einem bestimmten Ort, der Weg endet. Die Kirchenbücher sind beliebte Forschungsobjekte, 1799 erst kamen die ersten Standesämter. Von ersten Notaren weiß man aus Ottweiler von Ende des 19. Jahrhunderts. „Aber“, sagt Schubert, „es wurden ja immer Sachen aufgezeichnet, wenn Land überschrieben wurde beispielsweise. Die Menschen wurden schon immer verwaltet.“ Probleme bereiten oft die handschriftlichen Einträge. „Da muss man sich einlesen“, sagen die Damen und sehen das ganz locker.

Müller macht das übrigens jeden Morgen. Ab 6 Uhr wird erfasst, Tag für Tag so zwei, drei Stündchen. Und auch Schubert ist täglich zu Gange, allerdings eher am späteren Vormittag, aber auch so „anderthalbe Stunden auf jeden Fall“. Dann arbeiten sie sich ein in die Leben der Vorfahren, der eigenen und der fremden. Dabei freut es sie besonders, wenn sie immer mehr Details finden. Der pure Stammbaum, der alleine macht sie noch nicht froh. „Es ist so schön, wenn da ein richtiges Leben entsteht.“ Wenn ein Name wieder auftaucht, von dem man bisher nur das Geburtsdatum und den Ort hatte, und zwar unter den Gefallen des Ersten Weltkrieges („bessere Aufzeichnungen als vom Zweiten“, sagt Müller) oder auch in der aktuell bearbeiteten Handwerkerliste.

Wer gerne mal in seine Herkunft schnuppern möchte: Jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr ist das Büro des HVSN geöffnet, da kann man sich erkundigen, jeden zweiten Donnerstag im Monat sind die Damen selbst da, da tauschen sie sich nämlich zusammen mit den beiden männlichen Mitarbeitern ab 18 Uhr aus. Allerdings: Von den Genealoginnen des HVSN gibt es den groben Stammbaum, Details über seine Vorfahren muss man dann schon selber erforschen – helfen werden die beiden aber gerne. . Das Internet ist auch für die Familienforscher von unschätzbarem Wert, früher ging alles nur über Listen, die oft schwierig aufzufinden sind. Aber immer mehr von ihnen werden mittlerweile auch ins Netz gestellt. Seit dem zwölften Jahrhundert gibt es die ersten schriftlichen Quellen, die heute in Archiven zu finden sind: Grundbücher ab 1200, Testamente ab 1250, Bürgerbücher ab 1490, Kirchenbücher ab 1550 (oft wegen des Dreißigjährigen Krieges erst ab 1630/40), Leichenpredigten ab 1550, Hausbücher ab 1550, Volkszählungslisten ab 1550, Adressenbücher ab 1840, Auswandererlisten ab 1840, Einwohnermeldelisten ab 1840, Passagierlisten ab 1850, Standesämter ab 1875, im Saarland ab 1799. Zwar werden es immer mehr, die im Internet zu finden sind, ansonsten gibt es als Fundort beispielsweise die Standesämter. Gegen geringe Gebühr kann man oft Einblick in die Kirchenbücher halten, wo Tauf-, Heirats- und Begräbnisdaten erfasst wurden. Genealogische Vereine gibt es in vielen Städten. Infos gibt es auch über die Volkszählungen, allerdings wurden da bis 1848 nur Gebäude sortiert.

Zum Thema:

Hintergrund Der Historische Verein Stadt Neunkirchen wurde am 10. September 1999 gegründet. Der Startschuss zur Gründung war bereits Ende 1998 gefallen. Da hatten Peter Bierbrauer und Horst Schwenk zu einem Gesprächskreis Stadtgeschichte in die Stummsche Reithalle eingeladen. Der Kreis beschloss, sich regelmäßig zu treffen, stieß aber in organisatorischen Fragen bald an seine Grenzen. Also wurde die Vereinsgründung beschlossen. 44 waren am 10. September 1999 als Gründungsmitglieder dabei. Mittlerweile hat der Verein bereits rund 150 Mitglieder. Bald brauchte der Verein eine „Lagerfläche“ für die ebenfalls anwachsenden Materialen. Ein Vereinsmitglied bot unentgeltlich die Räume in der Irrgartenstraße 18 an. Es wurde renoviert, die Einweihung war am 2. September 2000. Regelmäßig lädt der Verein zu Vorträgen. Er präsentiert sich auf dem Scheiber Adventsmarkt und während des Stadtfestes in der Christuskirche. Dazu kommen Ausstellungen zu verschiedenen Themen. Ansprechpartner sind der Vorsitzende Klaus Olschewski, Telefon (0 68 21) 8 73 57, Wolfgang Melnyk, Telefon (0 68 21) 8 74 40, oder Horst Schwenk, Telefon (0 68 21) 8 86 70. Die Geschäftsstelle ist jeden Donnerstag von 16 bis 18 Uhr geöffnet. E-Mail: info@hvsn.de ji www.hvsn.de



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