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Brother Dege entfachte in der Reithalle einen Blues-Hurrikan





Neunkirchen
Solos zum Niederknien
Brother Dege entfachte in der Reithalle einen Blues-Hurrikan

Von  Jörg Jacobi, 
29. November 2016, 02:00 Uhr
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In Hendrix-Pose: Brother Dege in der Reithalle. Foto: Jörg Jacobi

Foto: Jörg Jacobi
Die Zuhörer waren erstaunt und begeistert: Die Töne, die Brother Dege seiner Steelguitar entlockte, waren so in der Reithalle noch nicht zu hören. Auch seine Mitspieler The Brotherhood of Blues glänzten mit toller Musik.

Regen prasselt auf das Dach der Stummschen Reithalle. Aber in der Halle entlädt sich ein Louisiana-Bluesgewitter. Der Blues-Hurrikan Brother Dege and the Brotherhood of Blues sind in Neunkirchen angekommen. Zum ersten Mal war Dege mit seiner Steelguitar jetzt in der ehemaligen Stahlstadt Neunkirchen zu Gast. Unter den über 70 Bluesfans war auch Peter Schmidt. Er verfolgt schon seit 35 Jahren das Geschehen in der Bluesszene. Er sagte vorm Konzert zur SZ: „Ich kenne Dege und die Brotherhood nicht so richtig, ich lasse mich einfach mal überraschen.“ Dann betrat Brother Dege in Begleitung seiner Dobro-Steelguitar die Bühne, setzte sich auf einen Stuhl und begann damit, wie die alten Blueser aus dem Mississippi Delta, die Saiten des Instrumentes in Schwingungen und zum Singen zu bringen. Bereits nach dem ersten Stück wusste Peter Schmidt, auf was er sich an diesem Abend eingelassen hatte. Dege entlockte mit Hilfe des Slideröhrchens auf seiner Gitarre knackige, schrille und schreiende Töne, wie es die Reithalle wohl zuvor noch selten hörte. Das Instrument, die „Dobro“ hat einen metallischen Klang, und wurde in den 20er Jahren von den Brüdern Dopera entwickelt. Mit diesem Traditionsinstrument brachte Dege eine Klangwelt eigener Kompositionen dem Zuhörer sehr eindrucksvoll „bluesmetallisch“ nah. Der erste Teil des Abends hatte die Bluesfans Hansi Appel und seinen Freund Wolfgang Schneider schon sehr beeindruckt: „Unsere Frauen sind beim Yoga, und wir haben jetzt genügend Zeit, um bei Blues und Bier zu meditieren. Blues, das ist für uns eine sehr ehrliche Art der Musik, da wird nichts verfälscht oder verschnörkelt, diese Musik ist waschecht, da wird kein Wasser für den softigen Weichspülgang verschwendet.“

Nach dem ersten Drittel des Konzertes kam dann noch mehr an instrumentaler Verstärkung auf die Bühne. Es gesellten sich zu Brother Dege die Mitspieler von Brotherhood of Blues. Damit begann in Neunkirchen ein Feuerwerk an Bluesmusik. Tom Portman, an der Dobrogitarre, auf den Beinen gehalten gespielt mit Steelbar, Kent Beatty am Bass, und Greg Travasos am Schlagzeug. Südstaatenmusik, Rock, Indie und Psychedelic flossen da an Tönen kreuz und quer durch die Reithalle. Songs wie „Too old to die young“, „Old angel Midnight“ und „Dudge ment day“ wurden mit leidenschaftlicher Spielfreude dem Publikum ans verwöhnte Bluesohr geführt. Stefan Seibert war voll des Lobes, er fand: „So etwas Tolles und Abwechslungsreiches habe ich seit den letzten 20 Jahren nicht mehr gehört, mal ganz ab von dem klassischen zwölf bar Bluesschema, einfach grandios, fast schon neu.“. Der 44-jährige Amerikaner Dege zog mit Perfektion fast alle nur denkbaren musikalischen Register. Als er am Ende des Konzertes mit seiner Gitarre auf der Bühne in die Knie ging, ganz nach Jimmy-Hendrix-Manier, hatte so mancher Angst bekommen, er zünde jetzt seine Gitarre an. Doch Dege scherzte: „Da unten steht nur mein Glas mit Rotwein.“

Dege, dem Berührungsängste fremd scheinen, scherzte immer wieder mit dem Publikum, er hatte sich während des Konzertes und auch später zum verbalen Austausch unter dieses gemischt. Mit „Hey G“ begrüßte er unseren Fotografen und erzählte diesem, dass er auch zum Film „Django Unchained“ Musik beitragen konnte: „Regisseur Quentin Tarantino sagte damals zu mir: ‚Für eine Nebenrolle im Film haben wird für dich auch noch Platz, am Outfit müssen wir ja an dir nichts ändern, das passt alles perfekt.'“



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