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Bereits vorm Eintreffen der Rettungsdienste wurden die Nachbarn aktiv





Hangard
Bewohner über Leiter gerettet
Bereits vorm Eintreffen der Rettungsdienste wurden die Nachbarn aktiv

01. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Das Mehrfamilienhaus in der Hangarder Kreuzstraße brannte am Sonntagvormittag völlig aus. Foto: Willi Hiegel Foto: Willi Hiegel
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Die Feuerwehr konnte verhindern, dass der Brand auf das Nachbargebäude übergriff. Foto: Wehr/Christopher Benkert Foto: Wehr/Christopher Benkert
Nach einem Großbrand in Hangard gestern Morgen ist ein Zweifamilienhaus unbewohnbar. Die Schadenshöhe konnten Polizei und Feuerwehr gestern noch nicht mitteilen. Der Brand entstand vermutlich im ersten Obergeschoss. Wegen Einsturzgefahr ist das Haus gesperrt. Die Bewohner sind gerettet.
Das hätte sich Gerhard Volz am frühen Sonntagmorgen sicher nicht träumen lassen, dass er schon wenige Stunden nach dem Aufstehen so was wie ein Held sein würde. Dabei hat er nichts Geringeres getan, als zwei Menschen aus einem brennenden Haus gerettet. Volz war nach draußen gegangen, um Müll wegzubringen. Da sieht er um die Ecke Qualm aufsteigen. „Ich dachte noch, da hat wohl jemand nasses Holz im Kamin“, erzählt er zwei Stunden später der SZ. Trotzdem guckt Volz genauer – da kommt Qualm aus dem Dach, stellt er fest. Feste Schuhe anziehen, seiner Frau Bescheid sagen und raus sind eins für den Mann. Als er um die Ecke kommt, bestätigt es sich: Im Haus in der Kreuzstraße brennt es. Volz klingelt am Haus, weckt die Bewohner, klingelt auch am angebauten Nachbarhaus. „Damit die sich in Sicherheit bringen können.“ Währenddessen kommen die Bewohner des ersten Stocks (die Eigentümerin im Erdgeschoss ist außer Haus) des Brandhauses ans Fenster – ein Rauskommen übers Treppenhaus ist nicht möglich. Mittlerweile ist ein weiterer Nachbar vor Ort. „Eine Leiter muss her“, ruft Volz, der andere Nachbar findet eine. Volz ruft den anderen zu, den Notruf zu informieren, während er mit vereinten Kräften die Leiter zusammenbaut und ans Fenster hievt. „Die hat grad so gelangt“, erinnert er sich im SZ-Gespräch und wirkt noch sichtlich ergriffen, als er ausführt, was wohl gewesen wäre, wenn das mit der Leiter nicht geklappt hätte. Auch die Feuerwehr bestätigt später: Einen anderen Weg gab es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Die 60-jährige Frau und der 55-jährige Mann werden bis zum Eintreffen der Hilfskräfte auf eine Bank gesetzt, mittlerweile haben andere Decken gebracht. „Der Mann hatte ja nur ein T-Shirt an“, erinnert sich Volz, der die Beiden durch sein Klingeln geweckt hatte. Dann geht alles Schlag auf Schlag.

Um 9.53 Uhr, so bestätigt der Pressesprecher der Neunkircher Feuerwehr, Christopher Benkert, der SZ, wurde Alarm ausgelöst. Insgesamt 80 Einsatzkräfte mit 19 Fahrzeugen aus den Löschbezirken Hangard, Münchwies, Wiebelskirchen, Neunkirchen-Innenstadt, Wellesweiler und auch Ottweiler sind vor Ort. Die Neunkircher haben Sonderfahrzeuge dabei, unter anderem mit Drehleiter. Um alle Teile des Daches erreichen zu können, wird auch die Drehleiter der Ottweiler Wehr eingesetzt. Der Wellesweiler Einsatzleitwagen dient als Kommandoposten vor Ort. Als das erste Löschfahrzeug eintrifft, steht das Haus in Vollbrand, wie der Fachausdruck lautet. Will sagen: Es brennt vom Keller bis zum Dach in dem zweistöckigen Gebäude. Flammen schlagen aus dem Dach, sind kilometerweit sichtbar. Beim Eintreffen der SZ kurz vor 11 Uhr haben die Wehrleute bereits gute Arbeit geleistet. Zwar qualmt es gewaltig und noch weithin sichtbar, Flammen aber schlagen keine mehr. Die Brandbekämpfung mit den Wasserwerfern der Drehleitern hat gefruchtet. Aber man ist noch Stunden beschäftigt. Mögliche weitere Brandherde müssen im Griff gehalten werden. Hinein kann allerdings zu diesem Zeitpunkt niemand: Einsturzgefahr. Der Keller des Nachbarhauses steht unter Wasser. Dessen Bewohner werden vorsorglich evakuiert bis zur weiteren Klärung der Einsturzgefahr. Mittels Drehleiter werden die Reste der Fenster und Teile des Dachstuhls entfernt. „Auch immer mögliche Glutnester“, erklärt Benkert. Im verkohlten Dach klafft eine Riesenlücke, vorm Haus liegen Schutt und zerbrochene Ziegel. Die Polizei beobachtet von außen, einer der beiden Krankenwagen wartet noch – für alle Fälle.

Das Haus ist laut Benkert „definitiv unbewohnbar, ganz unabhängig von der Einsturzgefahr“. Dafür war das Feuer zu groß. Die Decken sind zum großen Teil eingebrochen. „Vergleichbare Brände in der Ausdehnung waren vor zwei Jahren der Brand im Waldhaus Dechen und vor drei der auf dem Biedersberg“, so Benkerts Einschätzung.

Mittlerweile hat es stärker angefangen zu regnen. Trotzdem hält es die Hangarder nicht drinnen. Viele wollen helfen, versorgen die Feuerwehrleute mit belegten Broten, Kaffee und Kuchen.

Dort, wo sonst der ausgezeichnete Premiumwanderweg „Brunnenpfad“ beginnt und endet, reiht sich Feuerwehrfahrzeug an Feuerwehrfahrzeug, stehen Wehrleute mit Atemschutzmasken bereit für alle Fälle, klemmen andere die Wasserrohre von den Hydranten ab, ziehen ein Absperrband. Auch Gerhard Volz verfolgt das Geschehen immer noch.

Nein, fotografieren lassen möchte sich der ältere Herr lieber nicht – und auch als ein Nachbar kommt und der SZ beteuert „Das hier, das ist ein Lebensretter“, winkt er bescheiden ab.

 

Zum Thema:

RückblickAm 9. Juni 2013 zerstört ein Brand ein Wohnhaus auf dem Neunkircher Biedersberg. Alle neun Bewohner des eineinhalbgeschossigen Wohnhauses können sich retten. Der Schaden ist sechsstellig, 80 Hilfskräfte sind im Einsatz. Das Haus ist unbewohnbar.Am 1. April 2014 zerstört ein Brand die Ausflugsgaststätte Waldhaus Dechen in Heinitz. Der 58-jährige Besitzer kommt beim Brand um. Der Sachschaden liegt bei rund 200 000 Euro, rund 90 Hilfskräfte sind im Einsatz. ji


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