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Wie digitale Medien die Entwicklung beeinflussen





Illingen
Wie digitale Medien die Entwicklung beeinflussen
Von  Marny Meyer, 
18. März 2017, 02:00 Uhr
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Für Kinder ist der Umgang mit dem Smartphone und Internet heute längst Normalität. Foto: Meyer Foto: Meyer
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Professor Manfred Spitzer Foto: Meyer

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Hirnforscher Manfred Spitzer hat in Illingen über die Folgen der Nutzung digitaler Medien für Kinder und Jugendliche referiert.

Der Mann polarisiert und regt zum Nachdenken an. Wer am Donnerstagabend den Vortrag „Digitale Demenz“ von Professor Manfred Spitzer besucht hat, ging sicher nicht ohne Selbstreflexion nach Hause. In der ausverkauften Illipse in Illingen referierte der Hirnforscher über Risiken und Nebenwirkungen digitaler Medien auf Kinder und Jugendliche. Unter den Zuhörern waren vor allem Pädagogen und Erzieher, aber auch neugierige Eltern. Elisa Macalluso (24) aus Rehlingen-Siersburg ist am Ende fast sprachlos. „Der Vortrag hat mich berührt“, so die Erzieherin, „ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen zuhören und drüber nachdenken.“

Professor Spitzer arbeitet und lehrt am Universitätsklinikum Ulm. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der kognitiven Neurowissenschaft und Psychiatrie. Anhand zahlreicher Statistiken und Untersuchungen belegt er, dass die Nutzung digitaler Medien Heranwachsenden schade. Kinder, die unter fünf Jahren vor Bildschirmen wie Handys oder Tablets sitzen, werden eher kurzsichtig, leiden mangels Bewegung an Übergewicht und Haltungsschäden. „Je geringer das Gehirn noch entwickelt ist, desto stärker äußern sich die Nebenwirkungen“, macht Professor Spitzer deutlich. „Kinder brauchen die Erfahrung, mit den Händen zu lernen. Ein Touchscreen erfüllt nicht die Sensorik und schult keine Motorik. Das muss aber im Kleinkindalter erlernt werden, das ist nicht angeboren.“ Die Zuhörer spüren, dass das Thema den Wissenschaftler sichtlich bewegt. Er versucht, es einfach auf den Punkt zu bringen: „Mein Hirn ist heute besser als bei meiner Geburt“, versichert er und kann seine Bewunderung für die Verknüpfung der menschlichen Nervenzellen mitreißend darlegen. Weiter im Vortrag ergänzt Spitzer: „Das Gehirn hat die Eigenschaft, je mehr es gelernt hat, desto mehr passt noch rein. Da ist nicht plötzlich der Speicherplatz voll.“ Die ersten 20 Jahre Bildung seien entscheidend. Es folgen teils belustigende Fotografien von Spielzeugherstellern, darunter eine Baby-Toilette mit Tablet-Halterung.

Dann wird er ernst. Ein Fünftel aller deutschen Kindertagesstätten sei bereits digital verseucht durch so genannte Lerntablets. Muss das sein? Nein, stellt der Hirnforscher seine Haltung klar heraus. Hierfür hat er sogar zu einer Petition aufgerufen. „Es ist nicht nur nicht gut, sondern schädlich“, meint der Professor. Selbst im Schulalter bringe es keine Vorteile. Im Gegenteil beweisen zahlreiche unabhängige Studien, dass die Nutzung von Computern, Internet oder Smartphones in der Schule zum Sinken des Bildungsniveaus führe.

Weitere schockierende Risiken zählt er in seinem Vortrag auf. Mitgefühl wird verringert, Ängste und Aggressivität nehmen zu. „Wer seine sozialen Fähigkeiten erst entwickelt, braucht dafür den Kontakt mit Menschen“, erklärt der renommierte Psychologe. Die Auswirkungen bei älteren Jugendlichen gleichen dem des so genannten Diskoverhaltens: „Es gibt mehr Unfälle auf der Straße und kommt zu vermehrtem Geschlechtsverkehr mit mehr Geschlechtskrankheiten.“

Alle Thesen und Fakten hat Manfred Spitzer in seinem Buch „Digitale Demenz“ zusammengetragen. Vieles davon zeigt er seit Jahren warnend auf. Am Ende kommen Fragen aus dem Publikum. Warum das Kultusministerium dennoch so eifrig die Digitalisierung der Bildungseinrichtungen vorantreibe? Für den Professor stehe dahinter eine starke Lobby. Er legt den Zuhörern abschließend ans Herz: „Stellt euch dagegen. Sagt ganz klar: Mein Kind ist kein Versuchskaninchen.“




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