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Kunst, Kritik und Kirche

Werkgespräch mit Professor Gotthold Hasenhüttl zu Uwe Loebens Bild-Trilogie „Habemus Papam“


Von SZ-Mitarbeiterin Anika Meyer, 18.05.2013 00:00
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Durchaus auch mal mit Humor diskutierten Gotthold Hasenhüttl und Uwe Loebens über Kirchenkritik in der Kunst. Im Hintergrund vor Loebens Werken: Galerie-Leiterin Nicole Nix-Hauck. Foto: Anika Meyer Foto: Anika Meyer
Abgrund statt Idylle: Im Rahmen der Landeskunstausstellung SaarArt zeigt Uwe Loebens am Standort Städtische Galerie Neunkirchen seine Trilogie „Habemus Papam“: Kirchenkritik, provozierend ins Bild gesetzt.
„Utopien und Idylle habe ich keine anzubieten. Es wird schon genug zugekleistert und geschönt, da mahne ich lieber“, erklärte Künstler Uwe Loebens am Donnerstagabend in der Städtischen Galerie Neunkirchen. Hier zeigt er in der Ausstellung „Idyll, Utopie, Abgrund“ zur SaarArt die kirchenkritische Werktrilogie „Habemus Papam“: Zu sehen sind auf dem mittigen Bild eine entpersonalisierte Papstfigur, die um den Hals einen Rosenkranz mit Totenschädel statt Kreuz trägt, sowie rechts und links Kleriker mit auffallenden Phallussymbolen. Expressivität, Spontaneität und fast ungestüme Strichführung kennzeichnen die Kohlezeichnungen.

Die vielleicht provokativsten Werke der SaarArt haben das Interesse des suspendierten katholischen Priesters Prof. Dr. Dr. Gotthold Hasenhüttl geweckt, der sich an diesem Abend in einem „Interdisziplinären Werkgespräch“ aus dem Blickwinkel des Theologen und Kirchenkritikers annäherte. „Die Phallen an der Dornenkrone des rechten Klerikers deute ich als Probleme der Kirche im Bereich Sexualität: Das Verbot einer vorehelichen Beziehung, das Verbot von Kondomen und den Ausschluss von Geschiedenen, Schwulen und Lesben aus der Gesellschaft.“ Auch Zölibat und Missbrauch führte er anhand der Zeichnungen kritisch an. Dass Loebens Klerikern Arme und Hände fehlen, verstand er als Hinweis auf die Handlungsunfähigkeit einer Institution, die ihre Gesetze entgegen dem Sinne Jesu über den Menschen stelle.

Wie gebannt verfolgte das Publikum die Ausführungen Hasenhüttls, der auf interessante Weise aus seinen theologischen und philosophischen Kenntnissen schöpfte. Loebens erntete Sympathie für sein Geständnis, „so tief gar nicht gedacht“ zu haben: „Ich bin begeistert von meinem Unterbewusstsein!“ Seine Erklärung, durch das Fehlen der Arme „etwas Stelenhaftes, Archaisches, Starres“ darstellen zu wollen, schien von der Hasenhüttls jedoch nicht weit entfernt.

Der Künstler stellte außerdem klar, es liege ihm fern, über Glauben grundsätzlich zu urteilen: „Was mich stört, sind terroristischer Fundamentalismus und Lebensverachtung.“ Das Interesse am Thema Kirchenkritik zeigte sich bereits an der großen Zahl an Besuchern, darunter auch SaarArt-Kurator Andreas Bayer, die die Leiterin der Galerie Nicole Nix-Hauck zu diesem Werkgespräch begrüßen durfte.

Dass das Thema auch ein emotionales ist, machten die Reaktionen deutlich, in denen die Zuhörer sich teilweise gegen eine einseitig negative Betrachtung der Kirche wehrten. Nix-Hauck wies dabei darauf hin, dass im Gegensatz zur Diskussion darüber, die Kunst selbst nicht zur Reflexion verpflichtet sei. Dass die Kunst von Religion profitieren könne, wurde dann ebenfalls herausgestellt: „Religion gibt dem Menschen eine überweltliche Dimension, die schon viele Künstler inspiriert hat“, so Hasenhüttl. Doch diese Künstler sind rar geworden. Kurator Andreas Bayer bemerkte: „Wenn sich heute jemand ernsthaft mit dem Thema beschäftigt, geht es meist in die Richtung wie bei Uwe Loebens.“
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