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Sparkurs kippt Frauenbeauftragte

Von SZ-Redakteurin Heike Jungmann, 30.12.2011 00:11
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Die Frauenbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreise Saar-Ost, Allwit Gerritsmann (60), räumt ihr Neunkircher Büro in der Hospitalstraße und geht in den vorgezogenen Ruhestand . Foto: Willi Hiegel

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Die Frauenbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreise Saar-Ost, Allwit Gerritsmann (60), räumt ihr Neunkircher Büro in der Hospitalstraße und geht in den vorgezogenen Ruhestand. Foto: Willi Hiegel

Neunkirchen/St. Wendel. Die Kisten sind gepackt, die letzten Flyer im Papiercontainer. Allwit Gerritsmann hat ihr Büro in der Hospitalstraße 19 geräumt. Das Jahr 2011 endet, und damit auch die 18-jährige Tätigkeit der Frauenbeauftragten des Evangelischen Kirchenkreises Ottweiler (heute Saar-Ost)
Neunkirchen/St. Wendel. Die Kisten sind gepackt, die letzten Flyer im Papiercontainer. Allwit Gerritsmann hat ihr Büro in der Hospitalstraße 19 geräumt. Das Jahr 2011 endet, und damit auch die 18-jährige Tätigkeit der Frauenbeauftragten des Evangelischen Kirchenkreises Ottweiler (heute Saar-Ost). Die halbe Stelle von Gerritsmann ist dem Sparzwang der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Opfer gefallen. Ihre Kollegin Renate Miron hat im Kirchenkreis Saar-West noch eine zweijährige "Gnadenfrist", dann endet auch dort die Ära der Frauenbeauftragten.

Diese begann im Saarland Anfang der 1990er Jahre als Folge der Ökumenischen Dekade "Kirche in Solidarität mit den Frauen", die 1988 ausgerufen worden war. Inhaltlich ging es um folgende Themen: Gewalt gegen Frauen und Mädchen, volle Teilhabe der Frauen an allen Ämtern und Diensten der Kirchen, gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern am Ehrenamt, Kirche als Arbeitgeberin, feministische Theologie in Forschung und Lehre, Gottesdienst und Liturgie, Überwindung von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus sowie die wirtschaftliche Situation von Frauen. Hört sich theoretisch an. Doch Allwit Gerritsmann hat es als Frauenbeauftragte geschafft, viele dieser Themen in den Alltag zu transportieren und mit Fachleuten und den Frauen selbst aufzuarbeiten. Beispiele sind der Arbeitskreis "Frauenrechte sind Menschenrechte", in denen heiße Eisen wie Zwangsprostitution, Zwangsheirat oder Frauenhandel thematisiert wurden. Mobbing, sexuelle Übergriffe, Zwangsbeschneidung von Mädchen - der Probleme gab und gibt es immer noch genug.

"Es gäbe noch unendlich viel zu tun", sieht Allwit Gerritsmann die Arbeit der kirchlichen Frauenbeauftragten noch lange nicht beendet. Ihren Abschied in den vorgezogenen Ruhestand betrachtet die 60-Jährige deshalb "mit einem lachenden und einem weinenden Auge". Da auch ihr Mann in diesem Jahr in Pension ging, haben die Eltern von drei Kindern und Großeltern nun wesentlich mehr Zeit für die Familie. Auch will Allwit Gerritsmann weiter in der Evangelischen Aktionsgemeinschaft für Familie ehrenamtlich tätig bleiben und sich für den internationalen Jugendaustausch Youth for Understanding engagieren.

Fehlen werden ihr allerdings die über Jahre aufgebauten Netzwerke im Kreis Neunkirchen. "Ich brauche das Gefühl, dass ich etwas mitgestalten kann." Dieses "Etwas" bewegen zu können zusammen mit anderen, sei das Schönste am Beruf der Frauenbeauftragten gewesen. Trotz mancher Rückschläge - wie etwa der Schließung der Flüchtlingsberatungsstelle in Neunkirchen vor zehn Jahren.

Auch wenn in den vergangenen 20 Jahren manch dickes Brett gebohrt und manche Ungerechtigkeit gegenüber Frauen abgebaut werden konnte, in Sachen Führungspositionen steht Allwit Gerritsmann ganz auf der Seite von Ursula von der Leyen: "Ohne Quote geht es nicht. Aber dazu müsste sich in den Strukturen einiges ändern." Das heißt: ein qualitativ gutes Betreuungsangebot für Kinder, das trotzdem bezahlbar ist. Eine ihrer ersten "Amtshandlungen" war es deshalb auch, die Betreuungszeiten in den evangelischen Einrichtungen nachzufragen. Vor knapp 20 Jahren sahen die ziemlich dürftig aus. "Öffnungszeiten von 9 bis 11.30 Uhr. Da war an Berufstätigkeit nicht zu denken."

Die Frauenbeauftragte konnte ihren Beruf mit der Familie vereinbaren. Früher als erwartet geht sie jetzt in Rente. Aus ihrem ehemaligen Büro nimmt Allwit Gerritsmann nur ihren alten Bürostuhl mit. "Und die Freundschaften, die ich hier geknüpft habe." "Ich nehme

die Freund-

schaften mit, die ich hier geknüpft habe."

Frauenbeauftragte Allwit Gerritsmann

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