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Keine Beteiligung am Schimmelkopf – „Kaufmännische Gründe“ gaben den Ausschlag



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Weiskirchen
BEG steigt aus Windparkprojekt aus
Keine Beteiligung am Schimmelkopf – „Kaufmännische Gründe“ gaben den Ausschlag

27. Dezember 2014, 00:00 Uhr
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Henry Selzer Fotos: BEG
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Jürgen Millen
Überraschende Kehrtwende: Die Bürger-Energiegenossenschaft (BEG) Hochwald wird sich doch nicht am Windpark auf dem Schimmelkopf bei Weiskirchen beteiligen. Über die Gründe sprach die SZ mit BEG-Geschäftsführer Henry Selzer und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Jürgen Millen.


 
Bislang war bei den Planungen für das nicht unumstrittene Windkraft-Projekt in der Kurgemeinde stets die Rede davon gewesen, dass die BEG Hochwald als Betreiber von einem der vier Windräder auf dem Schimmelkopf, die sich derzeit im Bau befinden, in Erscheinung tritt. Dies hat die Genossenschaft nun verworfen.

Kaufmännische Gründe

Wie die BEG-Vertreter gegenüber der SZ erläuterten, hätten ausschließlich kaufmännische Gründe den Ausschlag dafür gegeben, aus dem Projekt auszusteigen. Jürgen Millen: „Unsere Mindestanforderungen daran, was wir als Ertrag aus solch einem Projekt erwarten, sind nicht erfüllt worden. Wir müssen als Genossenschaft damit rechnen, dass wir unseren Mitgliedern nach einigen wenigen Jahren Gewinne auszuschütten haben.“ Darum habe eine Genossenschaft anders, will sagen defensiver, zu kalkulieren als etwa ein Anlagefonds. Insbesondere drei Faktoren seien zu betrachten, wenn es um die Ertragsaussichten geht, erläuterten Millen und Selzer: Der erste Faktor sei der Kaufpreis, den die Genossenschaft für den Betrieb der einen Anlage an den Projektierer Juwi zu bezahlen habe. Das zweite seien die Pachtzahlungen, die an die Gemeinde Weiskirchen zu leisten seien. Und als drittes seien die Wartungs- und Betreuungskosten zu berücksichtigen. Hier habe das Preisgefüge am Ende nicht mehr gestimmt.

Während die Höhe der Pachtaufwendungen von Beginn an bekannt gewesen sei, habe die Genossenschaft über die anderen Faktoren erst im Laufe dieses Jahres Klarheit erlangt. Insbesondere der Kaufpreis, den Juwi für die anvisierte Windkraftanlage anvisiert habe, sei zu hoch gewesen und auch im Zuge der Verhandlungen nicht mehr so weit gesunken, wie es für die BEG akzeptabel gewesen wäre. Henry Selzer: „Wir haben bis zum Schluss gehofft, dass wir den Preis so weit drücken können, dass sich die von uns erhoffte Rentabilität ergibt. Am Ende lagen wir immer noch eine Million Euro auseinander.“

Eine Rolle könnte nach seiner Einschätzung dabei gespielt haben, dass Juwi sich im Verlaufe dieses Jahres selbst in einer finanziellen Klemme befand und Mitte Oktober vom Mannheimer Energieversorger MVV übernommen wurde. Selzer sagte, dennoch sei die Zusammenarbeit mit Juwi stets gut gewesen. Auch die Wartungskosten für die Drei-Megawatt-Anlagen des Herstellers Enercon hätten sich als enorm hoch entpuppt, sagte Selzer: „Enercon ist der Porsche unter den Windkraftanlagen, und das schlägt sich sowohl bei der Anschaffung als auch bei den Unterhaltungskosten nieder.“

Die beiden BEG-Vertreter betonten, der Ausstieg aus dem Projekt hätte nichts damit zu tun, dass Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Standortes selbst bestünden. Von Kritikern des Schimmelkopf-Windparks war wiederholt angezweifelt worden, dass die von Windkraft-Projektierer Juwi angenommenen 3400 Volllast-Stunden dort tatsächlich erreicht würden. Jürgen Millen hingegen sagte: „Die Juwi-Untersuchungen sind durch unabhängige Gutachten überprüft worden, die wir einsehen konnten. Beide Gutachten kommen zu nahezu dem gleichen Ergebnis.“

Hohe ökonomische Risiken

Der Schimmelkopf sei „der allerbeste Standort im Saarland“, unterstrich Millen. Auf der einen Seite bedauere es die Genossenschaft, an diesem Projekt nicht vertreten zu sein. Auf der anderen Seite erschienen die ökonomischen Risiken am Ende als zu hoch, sagte Henry Selzer: „Bei uns steht Sicherheit und Seriosität an erster Stelle.“

Die sehr kontroverse Diskussion um den Windpark habe sich letztlich auch auf das Interesse möglicher Anleger ausgewirkt, räumte Selzer ein: „Die Leute waren nach all den öffentlichen Kontroversen sehr zurückhaltend.“ Auch einige Neuregelungen bei der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG), wie etwa das so genannte Refernzertrags-Modell, hätten sich negativ auf die Rentabilitätsberechnungen der Genossenschaft ausgewirkt. Am Ende aber, betonte Jürgen Millen, sei die Entscheidung klar gewesen, wenn er auch einräumte: „Es ist uns nicht leicht gefallen, diesen Schritt zu gehen.“ Der Windkraft-Entwickler Juwi, der den Windpark auf dem Schimmelkopf geplant hat, zeigte sich auf SZ-Anfrage enttäuscht über den Ausstieg der BEG Hochwald aus dem Projekt. „Die tieferen Ursachen dafür liegen nach unserer Einschätzung vor allem in den negativ veränderten Rahmenbedingungen für windstarke Standorte durch das neue EEG“, erklärte Projektmanager Stefan Kuczera.

Wenn der Windpark Weiskirchen unter dem alten EEG hätte in Betrieb gehen können, wäre eine substanziell günstigere Finanzierungsstruktur möglich gewesen, die sowohl die hohen Pachtzahlungen an die Gemeinde als auch attraktive Investitionsmöglichkeiten für die Genossenschaft möglich gemacht hätten, befand Kuczera.

Insofern sei die Bürgerbeteiligung am Windpark Weiskirchen „vermutlich eines der ersten Opfer des neuen EEG“. Dennoch respektiere Juwi die Entscheidung der Genossenschaft, die man „inhaltlich nachvollziehen könne“ und werde auch gerne bei zukünftigen Projekten mit der BEG zusammenarbeiten.

Am 10. November habe Juwi vom definitiven Ausstieg der BEG aus dem Projekt erfahren, sagte Kuczera.

Wie es nun weitergehe, dazu äußerte sich der Projektmanager so: „Juwi ist in intensiven Verhandlungen mit Investoren und plant noch vor Weihnachten die Unterzeichnung der Kaufverträge.“


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