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Bodypainting-Künstlerin Gesine Marwedel nutzt den ganzen Körper für täuschend echt aussehende Bilder





Dagstuhl
Wenn nackte Haut zur Leinwand wird
Bodypainting-Künstlerin Gesine Marwedel nutzt den ganzen Körper für täuschend echt aussehende Bilder

mtn,  09. Januar 2017, 02:00 Uhr
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Meer Foto: Mark Ruppelt Foto: Mark Ruppelt
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Seepferd Foto: Thomas van de Wall Foto: Thomas van de Wall
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Gesine Marwedel. Foto: Peter Marwedel
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Schwan Foto: Peter Marwedel Foto: Peter Marwedel
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Schildkröte Foto: Gesine Marwedel

Foto: Gesine Marwedel
Ganz dem Bodypainting verschrieben hat sich Gesine Marwedel. „Bodyart: Bilder auf menschlicher Haut“ hat sie die Ausstellung genannt, in der ihre Arbeiten ab dem heutigen Montag, 9. Januar, auf Schloss Dagstuhl zu sehen sind. SZ-Mitarbeiter Martin Trappen hat mit der Künstlerin über das Malen auf nackter Haut, ihre Beziehung zu ihren Models und die Anwendungsmöglichkeiten ihrer Malerei gesprochen.

Frau Marwedel, Bodypainting ist eine ungewöhnliche Berufswahl. Wie sind Sie dazu gekommen?

Gesine Marwedel: Ich habe schon in der Schule immer gerne gemalt. Eines Tages hat mich dann Fotograf Thomas van de Wall angesprochen, und gefragt, ob ich nicht auch Gesichter bemalen könnte. Das brauchte er für ein Foto. Ich habe Ja gesagt und dann sehr schnell Gefallen daran gefunden. Und inzwischen mache ich es hauptberuflich.

Wenn es also nicht geklappt hätte, hätten Sie immerhin sagen können, dass es nicht Ihre Idee war?

Marwedel: Ganz genau (lacht). Aber rückblickend bin ich Thomas sehr dankbar. Leider ist er 2014 verstorben, aber ich habe sechs Jahre mit ihm zusammengearbeitet. Er hat auch den „Menschlichen Flamingo“ fotografiert, mein erstes berühmtes Bild. Das war 2011 urplötzlich überall in der Presse zu sehen. Heute schieße ich die Fotos meistens selbst, arbeite aber auch mit Fotograf Mark Ruppelt zusammen. Manchmal macht aber auch mein Vater Fotos.

Sie hatten es also nicht von langer Hand geplant, Bodypainterin zu werden?

Marwedel: Nein, aber das ist auch in der Regel nicht der Fall. Zumindest war das so bei allen Bodypaintern, die ich bislang getroffen habe. Von denen hat sich keiner vorgenommen „Ich werde jetzt Bodypainter!“ Sondern sie haben in irgendeiner Form als Künstler gearbeitet und sind mehr oder weniger zufällig zum Bodypainting gekommen. Manche sind Maler wie ich, andere haben beim Kinderschminken gearbeitet oder bei der Maske beim Film oder am Theater. Und dann brachte sie irgendjemand auf die Idee, Körper zu bemalen. Es gibt also viele Quereinsteiger in dem Beruf.

Was glauben Sie, warum Ihre Arbeit so schnell so große Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat?

Marwedel: Das kann ich nicht genau sagen. Das Bodypainting an sich ist nicht neu, aber so, wie ich es mache, gab es das vorher noch nicht. Das heißt, ich male nicht einfach nur auf der Haut, sondern nutze die Körperform und -position, um ein größeres Bild entstehen zu lassen. Dementsprechend spielen nicht nur die Farbe und das Malen eine wichtige Rolle, sondern auch der Körper selbst.

Wessen Körper meinen Sie denn damit?

Marwedel: Die Körper der Models. Also ich bemale mich nicht selbst (lacht). Wichtig ist die Position des Körpers, die Beleuchtung, der Hintergrund. Wenn das alles nicht stimmt, sieht man die Bemalung gar nicht oder sie erreicht nicht die gewünschte Wirkung. Nehmen Sie den Flamingo zum Beispiel. Wenn das Model, vollständig bemalt, nicht exakt die richtige Haltung einnimmt, entsteht nicht der Eindruck, dass man ein lebendiges Tier vor sich sieht.

Tiere scheinen eins Ihrer Lieblingsmotive zu sein. Welche verwenden Sie noch?

Marwedel: Tiere sind auf jeden Fall eins meiner Lieblingsmotive, die habe ich schon als Kind immer sehr gerne gemalt. Aber ich male auch gerne Landschaften oder Abstraktes, im Grunde Querbeet alles (lacht). Für mich gibt es da keine Einschränkungen. Aber jedes Motiv steht immer in Beziehung zum Körper.

Und Sie malen direkt auf die nackte Haut?

Marwedel: Genau, da ist nichts mehr dazwischen. Manchmal trage ich eine Idee lange mit mir herum, bevor ich sie umsetzen kann, und manchmal passiert es ganz spontan. Je nachdem wie genau ich das Bild im Kopf habe, male ich erst einmal die Umrisse in weiß vor, bevor alles mit Farbe ausgefüllt wird. Aber ich male keine Skizzen auf Papier oder Leinwand, sondern alles gleich auf die Haut. Da das eine sehr intime Arbeit ist, arbeite ich gerne mit denselben Models zusammen. Die kenne ich gut und ich weiß, dass sie es auch gerne machen. Denn für mich ist die Sympathie sehr wichtig, um unter diesen Umständen miteinander arbeiten zu können. Schließlich dauert es schon fünf bis sieben Stunden, bis ein Model vollständig bemalt ist.

Sieben Stunden?

Marwedel: Keine Sorge, das ist nicht so lange, wie es sich anhört (lacht). Die Mädels dürfen sich während dem Malen auch bewegen oder hinsetzen, was essen, was trinken, auf die Toilette gehen. Und die Farbe geht nach dem Fotografieren auch ohne Probleme mit Wasser und Seife wieder ab. Es ist wirklich halb so schlimm.

Ein ganz schöner Aufwand nur für ein Foto. Was braucht es noch, um das Gemalte auch auf einem Bild zu verewigen?

Marwedel: Das ist manchmal gar nicht so einfach. Einmal wollte ich einen Schwan darstellen. Dazu hatte ich dem Model Arm und Rücken bemalt, und so musste sie in dem See untertauchen: Der Kopf musste unter Wasser sein und der Arm rausgucken, damit es aussah wie ein echter Schwan. Also nicht nur für mich und den Fotografen, sondern auch für das Model ist diese Arbeit in der Regel eine Herausforderung. Und es wird nochmal schwieriger, wenn man mit Fremden arbeiten muss.

Wie meinen Sie das?

Marwedel: Ich kann mir die Models nicht immer aussuchen. Bei meinen eigenen Projekten geht das, aber ich arbeite auch für Leute, die privat etwas auf ihren Körper gemalt haben wollen. Daneben nehme ich auch Aufträge von Firmen an, die Bodypainting in ihrer Werbung verwenden wollen. Zum Beispiel wollte Brinkhoffs No. 1, eine Biermarke aus Dortmund, dass ich ihnen ein „lebendiges Bierglas“ male. Für Automessen habe ich schon einmal Sportwagen auf Modelkörper gemalt. Und für eine Quizsendung im Fernsehen sollte ich zwölf Models in Tiere verwandeln, die die Kandidaten dann erraten mussten. In solchen Fällen muss ich natürlich mit dem arbeiten, was mir vorgegeben wird.

Wie kam es zu der Ausstellung auf Schloss Dagstuhl?

Marwedel: Mein Vater ist Informatik-Professor und hat oft Seminare in Dagstuhl gehalten. Weil er wusste, dass es dort oft auch Kunstausstellungen gibt, hat er für mich mal nachgefragt. Die Geschäftsleitung war sofort einverstanden und so kann ich meine Bilder nun auch im Kreis Merzig-Wadern ausstellen.

Das ist nicht Ihre erste Ausstellung, Ihre Bilder waren schon europa- und weltweit zu sehen. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?

Marwedel: Schwer zu sagen, das Publikum ist immer sehr unterschiedlich. Oft gibt es viel „Laufpublikum“. Die Leute kommen vorbei, schauen mal rein, und kommen dann oft auf mich zu, mit der Bitte, auch für sie was zu malen. In Dagstuhl wird das wohl weniger der Fall sein. Ich rechne damit, dass die meisten Besucher Teilnehmer der Seminare sein werden, die sich dann auch einmal die Ausstellung ansehen.

 

Zum Thema:

 

AUF EINEN BLICK Beim Bodypainting, zu Deutsch Körperbemalung, malt der Künstler Motive direkt auf der Haut. Die Farbe hält sich ein paar Stunden bis zu mehreren Wochen, ist im Gegensatz zu Tätowierungen aber nicht dauerhaft. „Bodypainting ist eine der ersten und ursprünglichsten Kunstformen“, sagt Gesine Marwedel über ihre Arbeit. Wie sie erzählt, wurde diese Technik früher hauptsächlich bei traditionellen Ritualen und Zeremonien angewendet, werde zunehmend aber auch als moderne Kunstform anerkannt. Die Malerin weiter: „Bodypainting ist nicht nur Farbauftrag auf eine lebende Leinwand, es ist das Aufnehmen der Körperformen in das Motiv, das Malen auf und mit dem Körper. Es ist die Verwandlung eines Menschen in ein atmendes, bewegendes, lebendiges Kunstwerk.“ Gesine Marwedel wurde 1987 in Eckernförde in Schleswig-Holstein geboren. Von 2005 bis 2009 studierte sie Rehabilitationswissenschaften und zwischen 2008 und 2011 Kreativtherapie. Von 2009 bis 2016 hat sie als Sprach- und Kunsttherapeutin gearbeitet. Seit vergangenem Jahr ist sie als freie Künstlerin tätig. Ausgestellt hat sie ihre Fotos bereits 2013 in Südkorea, 2014 auf Schloss Burg Solingen, 2015 im Tropenmuseum Amsterdam sowie im vergangenen Jahr im Museum aan de Strom in Antwerpen und in der Metamorphose in Lille. mtn


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