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Mettlacher SPD-Parteifreunde vermarkten von ihnen ersteigertes früheres Hotel in Saarhölzbach





Saarhölzbach
Politiker vermieten Unterkunft
Mettlacher SPD-Parteifreunde vermarkten von ihnen ersteigertes früheres Hotel in Saarhölzbach

24. Dezember 2015, 02:00 Uhr
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Demnächst als Flüchtlingsunterkunft vermietet: die „Alte Schule“ in Saarhölzbach. Foto: Werner Krewer Foto: Werner Krewer
Saarhölzbach bekommt eine Unterkunft für bis zu 30 Flüchtlinge. Zwei Mettlacher Sozialdemokraten haben der Gemeinde dafür eine jüngst erworbene Immobilie, das Hotel und Restaurant „Auf Kappelt“, vermietet.


 
Über Jahre hinweg haben im Hotel/Restaurant „Auf Kappelt“ Feriengäste übernachtet, zudem war es für Auswärtige wie Einheimische eine Adresse, um in gemütlicher Atmosphäre zu essen. Das ist Vergangenheit. Jetzt sollen neue Gäste einziehen: Flüchtlinge. Das planen die Besitzer: Markus Rausch, Chef der SPD-Fraktion im Mettlacher Gemeinderat, und Hans-Georg Stritter, der lange für die SPD im saarländischen Landtag saß.

Seit 16. Oktober gehört das Gebäude, von vielen Saarhölzbachern „Alte Schule“ genannt, den beiden Sozialdemokraten. Sie haben dafür die Gesellschaft „Grüner Kreis Immobilien“ (GKI) zunächst mit Sitz in Berlin gegründet. Unter den Hammer brachte das ehemalige Hotel und Restaurant, das seit Oktober 2014 zum Verkauf stand, die Sparkasse Merzig Wadern, in deren Verwaltungsrat Stritter sitzt. Für 210 000 Euro ging das Gebäude bei der Zwangsversteigerung an Rausch.

Seit einigen Wochen Mieterin: die Gemeinde Mettlach, die nach Angaben von Rausch hier 20 bis 24 Flüchtlinge unterbringen kann. „Kurzfristig könnten dort bis zu 30 Flüchtlinge dort leben – für die gleichen Kosten“, wie der Rechtsanwalt betont, ohne eine Summe zu nennen. Als Mietsumme stehen nach SZ-Informationen 3900 Euro pro Monat im Raum.
 

Gesellschaft gegründet

Am 5. Oktober, also wenige Tage vor dem Versteigerungstermin, hatte Rausch die GKI ins Handelsregister Berlin eintragen lassen – zunächst mit ihm als Geschäftsführer und Stritter als Gesellschafter. Anfang November hat Rausch Ehefrau Karin seine Anteile übertragen, die nun Gesellschafterin ist. Stritter wurde geschäftsführender Gesellschafter.

„Bei einem Gerichtstermin bin ich per Zufall auf das Gebäude gestoßen, das zum Verkauf aushing“, sagt Rausch. „Seit langem wollten wir etwas gemeinsam machen.“ Er sei der einzige Bieter gewesen, sagt der SPD-Fraktionschef im Mettlacher Rat und betont: „Ich habe es als Privatmann gekauft.“

Zunächst sei geplant gewesen, im Obergeschoss vier Wohnungen auszubauen und im Erdgeschoss das Restaurant zu belassen. Bei dieser Variante „hätten wir eine Rendite von über 400 000 Euro in sechs bis sieben Monaten erzielt“, ist Rausch sicher. Zu der Kaufsumme von 210 000 Euro kalkulierte er Umbaukosten von 150 000 Euro. Dem gegenüber hätte der Verkauf der vier Wohnungen à 190 000 Euro gestanden, zudem die Miete der Gastronomie mit rund 1000 Euro.
 

„Wir wollten helfen“

„Doch wir wollten angesichts der hohen Zahl an Flüchtlingen der Gemeinde helfen und haben ihr das Objekt zur Unterbringung der Leute angeboten“, sagen die beiden. Und: „Die Alte Schule wird zu marktüblichen Konditionen vermietet.“ Rausch verweist dazu auf einen Beschluss des Mettlacher Gemeinderates. „Auch wollten wir den Flüchtlingen ein anständiges Dach über dem Kopf bieten und verhindern, dass Bürgerhäuser oder Sporthallen belegt werden müssen.“ Die Gemeinde, der das Haus zum Kauf angeboten worden sei, habe diesen mit Blick auf den maroden Haushalt abgelehnt. Rausch: „Die Gemeinde hätte wegen ihrer Finanzsituation das Haus nicht kaufen können.“

Weil sie beide in der SPD sind wie Bürgermeister Carsten Wiemann, war den beiden „Vetternwirtschaft“ vorgeworfen worden. Das weisen sie entschieden zurück, ebenso wie Kritik an Rausch, dass er als Ratsmitglied Insiderwissen für ein Privatgeschäft genutzt habe. „Der Gemeinderat hat nichts mit der Unterbringung von Flüchtlingen zu tun. Das obliegt einzig und allein der Verwaltungsspitze“, sagt Rausch, der auch Mitglied im Hauptausschuss ist. Dort ging es nach SZ-Informationen drei Tage vor der Zwangsversteigerung darum, ob die Gemeinde die „Alte Schule“ von der Sparkasse mieten wolle. Obwohl Mitglied des Sparkassen-Verwaltungsrats, habe er nicht vom seit längerem angestrebten Verkauf des Gebäudes gewusst, sagt Stritter: „Erst Markus hat mich darauf aufmerksam gemacht.“ Der Mietvertrag ist unterschrieben. Für die Gemeinde vom ersten Beigeordneten Bernhard Schneider, CDU-Fraktionschef im Mettlacher Rat. Denn Bürgermeister Wiemann (SPD) war da in Urlaub.

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