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Wie ein heimatverbundener Saarländer Schulleiter in Katar wurde





Merzig/Doha
Von Merzig und Perl in die Wüste des Emirs
Wie ein heimatverbundener Saarländer Schulleiter in Katar wurde

11. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Dirk Dillschneider mit zwei Schützlingen der Deutschen Internationalen Schule. Foto: DiS Doha
Im Internet informierte er sich über den Wüstenstaat Katar, dann bewarb sich Dirk Dillschneider als Leiter der Deutschen Schule in Doha. Dort fiebert er bereits der Fußball-WM 2022 entgegen.


 
Dirk Dillschneider kann man eine große Verbundenheit zum Saarland im Allgemeinen und zum Landkreis Merzig-Wadern im Besonderen nicht absprechen. Er ging in Merzig auf die Realschule und aufs Gymnasium, studierte in Saarbrücken, wurde Biologie- und Chemielehrer in Weiskirchen und am Schengen-Lyzeum in Perl, dessen stellvertretender Schulleiter er zuletzt war. Nebenbei saß er für die CDU im Merziger Stadtrat.

„Das ist zwar sehr schön und ich liebe meine Heimat, aber ich wollte auch etwas Neues kennen lernen“, sagt der 41-Jährige. Er habe immer schon ins Ausland gehen wollen, „um auch über den europäischen Tellerrand zu schauen“. Und so bewarb sich Dillschneider als Leiter der Deutschen Internationalen Schule in der Millionen-Metropole Doha, der Hauptstadt des streng islamischen Emirats Katar. Es klappte im ersten Anlauf. Nun ist Dillschneider nach eigenen Worten der einzige Saarländer, der derzeit eine der 140 deutschen Auslandsschulen leitet.

Seit August 2015 ist der Merziger „Chef“ eines Unternehmens, so sieht er sich. Die Aufgabenvielfalt habe ihn überrascht, der Schulleiter ist hier auch dafür zuständig, Lehrer einzustellen. Rund 300 Kinder und Jugendliche besuchen die Schule und den Kindergarten, der dazu gehört. Überwiegend sind es Kinder von Deutschen, die in Katar arbeiten. 30 Nationalitäten gibt es an der Schule. Wie in Katar überhaupt viele Nationalitäten friedlich nebeneinander lebten.

Dillschneider sagt, er habe unbedingt die arabische Kultur kennen lernen wollen. In Internetforen habe er gelesen, dass Katar ein aufstrebendes Land sei, mit viel Tradition und dem festen Willen, in eine moderne Zukunft zu gehen. „Wenn man hier ist, stellt man fest, dass Tradition und Moderne eben keine Gegensätze sind“, sagt er. Man finde viel Kultur. Nicht zu vergessen für einen Saarländer seien auch die arabische und die internationale Küche. Was ihm noch gefällt? „Katar ist ein absolut sicheres Land – egal um welche Uhrzeit, ich fühle mich immer sicher.“ Es gebe einen westlichen Lebensstandard, und er fühle sich in seinen Freiheiten nicht eingeschränkt.

Zwischen Merzig und Doha liegen rund 4700 Kilometer Luftlinie. Aber Dillschneider sagt, so sehr habe er sich gar nicht umstellen müssen. „Für einen Saarländer ist eine kulturelle Umstellung vielleicht, dass man nicht einfach am Wochenende eine Gaststätte besucht. Hier trinkt man ein Bier in einem der Hotels und wird häufig nach dem Pass gefragt.“ Eine Umstellung sei auch, dass die Katari im Winter in der Wüste zelteten, obwohl sie in Doha in großen Häusern wohnten. Die Falkenjagd, das Leben in der Wüste, das Kamelrennen spielten eine bedeutende Rolle.

Dass die Fußball-WM 2022 in Katar stattfinden soll, hält Dillschneider übrigens für eine gute Idee. „Weil es die erste Fußball-WM im arabischen Raum überhaupt ist“, sagt er. Es biete Millionen Fußballfans die Chance, die arabische Gastfreundschaft kennen zu lernen. „Ich bin mir sicher, die Fußball-WM in Katar wird ein Riesenspektakel. Hier wird an jeder Ecke gebaut“, sagt Dillschneider. Derzeit würden in Doha ganze Stadtteile neu entwickelt, eine Metro mit großem Aufwand gebaut. „Hier wird die Wüste lebendig. Das werden die Besucher bewundern.“ Und: Gerade im November und Dezember sei das Klima in Katar „fantastisch“.

Ob Dillschneider zur WM noch in Doha sein wird oder wieder als Lehrer zurück im Saarland, ist ungewiss. Sein Vertrag läuft 2021 aus – eine einmalige Verlängerung um zwei Jahre ist jedoch möglich.
 


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