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Ein loses Netzwerk unterstützt Flüchtlinge in Beckingen





Beckingen
„Ich bleibe für immer in Oppen“
Ein loses Netzwerk unterstützt Flüchtlinge in Beckingen

Von  Jana Freiberger, 
18. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Syrische Flüchtlinge beim Deutschunterricht in Reimsbach. Foto: privat Foto: privat
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Sachbearbeiterin Steffi Reuter-Neisius. Foto: privat
Seit gut zwei Jahren bewegt der Zustrom von Kriegsflüchtlingen die Nation. Wie aber gestalten sich der Alltag und die Bemühungen zur Integration der Flüchtlinge in unserer Region? Die SZ greift diese Fragen in einer Serie auf. Heute Teil 1.

Frau Reuter-Neisius, wie viele Flüchtlinge leben zurzeit in Beckingen?

Reuter-Neisius: Zurzeit wohnen 221 Flüchtlinge in der Gemeinde.

Sind die Flüchtlingszahlen in diesem Jahr im Vergleich zum vergangenen Jahr rückläufig?

Reuter-Neisius: 2015 hat die Gemeinde 193 Flüchtlinge aufgenommen, 2016 sind es bis zum heutigen Zeitpunkt 51. 30 der aufgenommenen Flüchtlinge sind mittlerweile wieder verzogen.

Wo sind sie untergebracht? Gibt es genügend Wohnraum in der Gemeinde oder stehen sogar einige eingeplante Unterkünfte leer?

Reuter-Neisius: Die Flüchtlinge sind dezentral untergebracht. Zu einem geringen Teil befinden sich die Wohnungen in gemeindlichen Räumlichkeiten. Der weitaus größte Teil lebt in Wohnungen, die von der Gemeinde angemietet wurden. Zurzeit gibt's auch einige freie Räumlichkeiten.

Welche Kosten fallen pro Jahr an?

Reuter-Neisius: 2015 wurden insgesamt 250 000 Euro verausgabt. Darin sind die entstandenen Personalkosten der Gemeindebediensteten nicht enthalten. Die Mietaufwendungen werden der Gemeinde zum Teil vom Landkreis wieder erstattet.

Gibt es konkrete Maßnahmen zur Integration?

Reuter-Neisius: In Beckingen gibt es ein Netzwerk von freiwilligen Helfern. Neben der Hilfestellung bei Behörden- oder Arztgängen und einer Vielzahl von weiteren Hilfsdiensten führt das Netzwerk auch Sprachkurse durch.Sie arbeiten wie die Heinzelmännchen im Stillen und helfen, wo sie können: Das Netzwerk Flüchtlingshilfe Beckingen besteht aus mehr als 40 ehrenamtlichen Helfern aus allen Ortsteilen. Die Gemeindeverwaltung steht dem losen Zusammenschluss von Helfern unterstützend zur Seite. „Informationen werden über einen E-Mail-Verteiler weitergeleitet, Hilfe gemeinsam organisiert“, berichtet ein Vertreter des Netzwerkes, das Anfang vergangenen Jahres ins Leben gerufen wurde. Wer Unterstützung bei Behördenbesuchen, Einkäufen oder dem alltäglichen Schriftverkehr braucht, findet hier einen Ansprechpartner. „Wir haben eine feste Zuordnung von Flüchtlingen an Deutsche“, berichtet ein Helfer. Jeder Flüchtling wisse, an wen er sich bei wenden könne.

„Viele kommen leider erst zu uns, wenn das Kind eigentlich schon in den Brunnen gefallen ist“, erzählt ein anderes Mitglied. Ein minderjähriger Flüchtling habe einmal eine Handyrechnung von etwa 650 Euro präsentiert, da er vorigen Zahlungsaufforderungen wegen Verständnisproblemen nicht nachgekommen sei. Zusammen mit seiner Frau habe er einen Weg gefunden, den Vertrag zu stornieren, die Zahlungsaufforderung sei fallengelassen worden.

Unter den Helfern sind auch pensionierte Lehrer. Sie hatten sich entschlossen, den Flüchtlingen Deutschunterricht anzubieten. Wollten irgendwie helfen. Doch beim Unterrichten blieb es nicht: „Nach einiger Zeit brachten die Schüler Unterlagen mit, die sie ausfüllen mussten aber nicht verstanden“, erzählt ein Helfer. So habe sich nach und nach das Netzwerk entwickelt und die Flüchtlinge hätten mehr und mehr Vertrauen zu ihren Betreuern gewonnen: „Ein Syrer hat mir sogar die Pin-Nummer seiner EC-Karte verraten“, erzählt ein Vertreter des Netzwerkes schmunzelnd und sagt mit ein wenig Stolz in der Stimme, dass der Familienvater ihm immer wieder versichere: „Ich bleib' für immer in Oppen.“

Aber nicht immer läuft die Zusammenarbeit problemlos ab. Als die beiden Ehrenamtlichen an diesem Nachmittag ein Fußballspiel syrischer und deutscher Jungs anschauen wollen, das sie organisiert haben, ist niemand da. „Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Das müssen einigenoch lernen“, da sind sich die Männer einig. Sie sind enttäuscht.

Wie weit die Hilfe des Netzwerks geht, liegt in der Hand jedes einzelnen Mitglieds. Denn man müsse aufpassen, nicht ausgenützt zu werden, berichtet ein Ehrenamtlicher. Er fahre beispielsweise keinen der Flüchtlinge mit seinem Auto zur Landesaufnahmestelle nach Lebach, wenn sie dort einen Termin hätten. Eine persönliche Grenze ziehen, das sei sehr wichtig.

Die Mitglieder des Netzwerkes vermitteln den Neuankömmlingen auch Sachspenden. Einigen Flüchtlingen müsse da aber klargemacht werden, dass sie auf ihren neuen Besitz gut aufpassen müssen. Wenn beispielsweise ein Fahrrad kaputtgehe, stehe nicht sofort ein neues vor der Tür: „Ein Mann kam eines Tages in den Fahrradladen im Ort und wollte ein neues haben – seine Klingel war kaputt“, berichtet er und lacht. So einfach sei das aber nicht, auch in Deutschland bekomme man nicht einfach alles geschenkt. > wird fortgesetzt.



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