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Christa Müller zu Gast am Hochwald-Gymnasium in Wadern





Wadern
Erfolgreicher Kampf gegen Verstümmelung
Christa Müller zu Gast am Hochwald-Gymnasium in Wadern

Von  Martin Trappen, 
16. April 2014, 00:00 Uhr
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Seit einem Besuch in Benin im Jahr 1996 engagiert sich Christa Müller mit ihrer Hilfsorganisation (I)ntact gegen Genitalverstümmelung in Afrika. Den Schülern der Klasse 11 des Hochwald-Gymnasiums schilderte sie die grausame Problematik. Dank des Einsatzes der Hilfsorganisation hat jedoch in einigen Ländern Afrikas ein Umdenken stattgefunden.


 
Christa Müller, Gründerin der Hilfsorganisation (I)ntact, war im Rahmen der Seminarfächer „Afrika“ und „Nachhaltigkeit“ der Jahrgangsstufe 11 am Hochwald-Gymnasium in Wadern zu Gast. Sie berichtete über die Probleme und Erfolge ihrer Aufklärungsarbeit zur weiblichen Genitalverstümmelung in Afrika. Ergänzt wurde ihr Vortrag durch Filmaufnahmen über die Beschneidungspraxis in Westafrika. „Da das Sprechen über die weibliche Beschneidung in vielen Ländern heute noch tabu sei, wissen die meist unter acht Jahre alten Mädchen nicht, was sie erwartet“, schildert Müller. „Die Erwachsenen sprechen meist nur vom ‚Fortführen der Tradition'. Die Jungfräulichkeit vor der Ehe und die Treue in der Ehe sollen gesichert werden, eine vernünftige Begründung für diese Folter gibt es jedoch nicht“. Zwar würden neben der Tradition häufig auch religiöse Gründe genannt, doch verlange keine größere Religion die weibliche Genitalverstümmelung.

„In der Praxis bedeutet die weibliche Beschneidung die äußerst schmerzhafte teilweise oder vollständige Amputation der äußeren Genitalien mit Hilfe alter, rostiger Ritualmesser oder gar Glasscherben ohne jene Betäubung“, erläutert Müller weiter. „Bis zu zehn Prozent der betroffenen Mädchen sterben bald nach oder während des Eingriffes, doch auch die Überlebenden haben lebenslang mit den schmerzhaften Folgen zu kämpfen, vor allem bei der Geburt ihrer Kinder.“ Selbst das staatliche Verbot und die Strafandrohungen drängen nicht zu den abgelegenen Dörfern vor.

Deswegen leistet (I)ntact vor allem Aufklärungsarbeit; afrikanische Partnerorganisationen halten vor Ort in Schulen und auf Dorfversammlungen Vorträge. „Vor allem gilt es die Dorfältesten und die Männer über die Schmerzen und die Folgen für ihre Frauen und Töchter zu sensibilisieren“, erläutert Müller. Dann müsse es gelingen, den Beschneiderinnen eine Alternative für ihre Arbeit anzubieten, etwa eine Ausbildung zur Hebamme.

Am Ende eines Kurses erhalten die Frauen eine Urkunde und einen kleinen Koffer mit allem Notwendigen für die Geburtshilfe. Müller: „Auf diesem Weg hat sich in wenigen Jahren weit mehr getan, als (I)ntact es je für möglich gehalten hätte.“

Christa Müller, die 1996 als Frau des damaligen Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine nach Benin gereist war, hatte von der Frau des dortigen Präsidenten von der Problematik erfahren und beschlossen, etwas dagegen zu unternehmen. „Damals dachte ich, wenn ich meine Arbeit für (I)intakt einmal beende, würde vielleicht ein Land von der weiblichen Genitalverstümmelung befreit sein“, gestand sie den Schülern am HWG. Voller Stolz konnte sie berichten, dass die menschenunwürdige Tradition heute in Togo, Benin und Teilen von Burkina Faso und dem Senegal der Vergangenheit angehöre. Sie hoffe, dass (I)ntact in weiteren Ländern ebenso erfolgreich sein wird. Das hänge jedoch auch von der Höhe der Spenden ab, die die Organisation für die Aufklärungsarbeit vor Ort einsetzen könne.

Die weibliche Genitalverstümmelung ist ein tief verwurzelter Brauch in vielen Staaten im mittleren und nördlichen Afrika. Zurzeit sind 130 Millionen Frauen in 28 Ländern betroffen. (In Deutschland leben schätzungsweise 30 000 betroffene Afrikanerinnen). Jährlich werden etwa zwei Millionen Mädchen beschnitten. Man unterscheidet je nach Region zwischen der teilweisen und der vollständigen Amputation der Klitoris und der Schamlippen. Die „Operateure“ sind meist traditionelle Hebammen, Heilerinnen und Barbiere.

Folgen für die Betroffenen sind Beschwerden beim Urinieren und während der Menstruation und der Geburt. Fünf bis Zehn Prozent sterben an den unmittelbaren Folgen. Fast überall ist die Beschneidung von Mädchen durch staatliche Gesetze verboten.

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