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Bauen für die Zukunft

Kanalbau, Kita-Umbau und Erschließung von Baugebieten sind wichtige Themen in Mondorf


Von SZ-MitarbeiterMartin Trappen, 18.05.2013 00:00
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Vor dem Kirchenportal versammelten sich die Mondorfer zum SZ-Dorffoto. Fotos: Rolf Ruppenthal
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Schmucker Blickfang im Ort: die Kirche.
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Ortsvorsteher Hermann Schmitz
Der Bereich vor der Mondorfer Kirche St. Johannes der Täufer war an jenem Samstag die reinste Baustelle.
Hermann Schmitz, bereits seit Jahren Ortsvorsteher, erklärt, warum: „Im Moment sind hier verschiedene Kanalbaumaßnahmen im Gange: in der Straße ‚Zum Homberg' einschließlich des Bereiches oberhalb der Kirche und vom Vereinshaus bis zur Johannisstraße.“ Insgesamt wurde für diese Arbeiten eine Million Euro investiert, die Bauzeit wird laut Schmitz noch sechs Wochen betragen. „Dabei hat die Stadt Merzig insgesamt drei Millionen Euro in diese Kanalbauarbeiten investiert und der Entsorgungsverband Saar hat 3,1 Millionen Euro für Mondorf und Silwingen gemeinsam ausgegeben“, führt der Ortsvorsteher weiter aus.

In Mondorf sind seinen Worten nach noch an drei weiteren Stellen Kanalbauarbeiten geplant: in der Neuwiessstraße, Kosten rund 250 000 Euro, hinter den Häusern der Silwinger Straße, Kosten rund 120 000 Euro sowie die Straße „Zum Kalkwerk“, gemeinsam mit dem EVS. Der städtische Anteil beträgt rund 85 000 Euro. „Damit sind diese Arbeiten die größte Maßnahme, die je in Mondorf vollzogen wurde“, betont Schmitz.

Die Bauarbeiten hielt eine große Anzahl Mondorfer jedoch genauso wenig davon ab, sich für den Fototermin der SZ-Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter“ vor der Kirche zu versammeln wie das schlechte Wetter. Rund 100 Leute kamen zusammen, bei 733 Einwohnern eine stolze Zahl, wie der Ortsvorsteher findet.

„Ich wusste, dass ich mich auf meine Mitbürger verlassen kann, sie sind sehr engagiert“, sagt Schmitz stolz. So ist das aktive Vereinsleben seiner Meinung nach ein gutes Beispiel dafür: „Wir haben den Turn- und Sportverein Mondorf, der in einer Spielgemeinschaft mit Mechern und Borussia Merzig ist, dann gibt es noch die Radsportfreunde, die katholische Frauengemeinschaft, den Kirchenchor, den Bauernverein und natürlich den Obst- und Gartenbauverein“, zählt der Ortsvorsteher auf. „Die Feuerwehr darf man ebenfalls nicht vergessen, die Jugendwehr ist mit 25 Mitgliedern personell auch gut ausgestattet.“

Dabei sind die Kanalbauarbeiten noch lange nicht die einzigen Maßnahmen im Ort, wie Schmitz im Gespräch mit der SZ erläutert. „Wir sind gerade dabei, unseren Kindergarten zur Kinderkrippe zu erweitern. Die Arbeiten sollen nächstes Jahr beginnen, wir befinden uns momentan noch in der Planungsphase“, führt der Ortsvorsteher aus. Für den Ausbau des Kindergartens seien insgesamt 620 000 Euro vorgesehen, die Krippe soll nach dem Umbau mehr Tagesstättenplätze und erstmals auch Krippenplätze bieten, heutzutage „das A und O“ in Sachen Kinderbetreuung, meint der Ortsvorsteher, der auch stolz darauf ist, dass sein Ort nach Abschluss der Maßnahme besser ausgestattet sein wird.

Allerdings liegt Schmitz ein Vorhaben, das bisher noch nicht angegangen werden konnte, besonders am Herzen: „Ich wäre sehr froh, wenn es uns gelingen würde, ein Neubaugebiet für Mondorf zu schaffen. Leider machen uns die saarländischen Flächennutzungspläne einen Strich durch die Rechnung.“ So seien viele Gebiete rund um den Ort noch offiziell für die Landwirtschaft vorgesehen und müssten erst als Baugebiet ausgeschrieben werden, bevor man dort neue Häuser errichten könne. Weiter beklagt Schmitz, dass es seit 1974 keine Schule mehr im Ort gebe, ebenso wenig sei man keine eigene Pfarrei mehr, sondern im Verbund mit Hilbringen, Schwemlingen und Büdingen.

Geschäfte im Ort fehlen

„Wir haben außerdem keine Geschäfte mehr in Mondorf, nur zwei Gaststätten, die aber auch kaum mehr rentabel sind“, bedauert der Ortsvorsteher.

Lediglich zwei Unternehmen gebe es in Mondorf: einen Handwerkerbetrieb und ein Bauunternehmen.Mondorf wird erstmals im Jahr 1030 urkundlich erwähnt, als Jutta, Markgräfin von Lothringen, dem Kloster St. Matheis in Trier den Zehnten der Dörfer Mamendorf (Mondorf), Beringen, Selvingen, Gerlevingen, Betersdorf, Wegingen und Wiskirche schenkt. Auch in der Mettlacher Wallfahrerliste des Jahres 1152 ist ein „Mamendorf“ als eigenständige Pfarrei aufgelistet. Anfang des 14. Jahrhundert wird dann aus „Mamendorf“ allmählich „Monendorf“. 1630 wird eine Person aus Mondorf auf der Siersburg als Hexe hingerichtet. Im Jahre 1636 machen Kroaten die Gegend unsicher, nehmen dem Pfarrer während der Messe die Hostien vom Altar weg und plündern den gesamten Ort. Laut einer Sage, die heute noch erzählt wird, sollen Mondorf und die gesamte Umgebung damals durch Pest, Hunger und Krieg ausgestorben gewesen sein. Menschen aus Tirol sollen sich daraufhin in den verlassenen Dörfern angesiedelt haben. Falls die Geschichte stimmt, wären alle heutigen Mondorfer in Wirklichkeit waschechte Tiroler. Eines ist aber offensichtlich: Die Mondorfer hatten immer einen eigenen Kopf und rebellierten gern gegen die Obrigkeit. Nachdem sie erfolglos gegen die Frondienste an der Siersburg oppunieren, kommt es 1770 wieder zum Prozess.

Beschwerde beim König

Diesmal verklagt das Kloster St. Matheis die Mondorfer, da diese erneut die Frondienste verweigern. Weiter ist überliefert, dass sich die Mondorfer 1789 beim französischen König über zu hohe Steuern beschweren. Die Beschwerdeschrift bleibt jedoch ohne Folgen, da im gleichen Jahr die Französische Revolution ausbricht. Deren Anhänger stürmen bereits ein Jahr später das Klostergut in Mondorf, plündern die reichen Bauern des Ortes aus und errichten einen Freiheitsbaum vor der Kirche. Als 1816 der Kreis Merzig gegründet wird, kommt Mondorf zur Bürgermeisterei Hilbringen, und im Jahre 1843 bauen Silwingen und Mondorf gemeinsam eine neue Kirche. Wie bisher in fast allen Merziger Ortsteilen zu bemerken, setzt auch in Mondorf zwischen 1827 und 1873 eine Auswanderungswelle ein. Mondorf erhält im Jahre 1899 zunächst eine Posthilfestelle, vier Jahre später kommen eine Telegrafenhilfsstelle und eine öffentliche Fernsprechstelle hinzu.

1917 wird das abseits liegende Mondorf zur Bahnstation an einer Bahnlinie, die heute in Vergessenheit geraten ist: die Bahnlinie Merzig nach Metz. Diese Bahn transportierte lange Zeit vor allem Gemüse und Vieh zwischen den beiden Städten. Die Rückgliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich verursacht Anfang der 30er Jahre Schwierigkeiten. Da 621 Meter des 1715 Meter langen Silwinger Tunnels unter französischem Gebiet verlaufen, verlangen die Franzosen angeblich neben zweimaliger Kontrolle der durchfahrenden Züge eine jährliche Benutzungsgebühr von fast 250 000 Francs. Diese Forderungen sind für die Reichsbahn nicht akzeptabel, und so wird der Silwinger Tunnel an den beiden auf deutschem Gebiet liegenden Portalen kurzerhand zugemauert. So kommt es, dass der Bahnhof Mondorf zur Endstation der verkürzten Linie Merzig-Mondorf wird. Und von der anderen Seite bedienen die Franzosen ab dem 4. September 1935 nur noch bis zum Bahnhof Waldwisse. Wer ab dann noch von Merzig nach Metz wollte, musste in Mondorf aussteigen, um den Berg herum weiter nach Waldwisse und dort in einen anderen, französischen Zug einsteigen.

Bahnlinie stillgelegt

Als schließlich die Bahnlinie 1948 gänzlich stillgelegt wird, ist es vorbei mit der Bahnstation Mondorf. Im Zuge der Gebietsreform wird auch Mondorf 1974 ein Stadtteil von Merzig.
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