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Merzig

„Gemalt und nicht fotografiert“

Ein Bildband würdigt die Arbeiten des Künstlers und Illustrators Alfons Kiefer


Von SZ-Mitarbeiterin Sylvie Rauch, 17.05.2013 00:00
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Alfred Diwersy, von links, und Helmut Weisgerber von Krüger Druck mit Wolf Porz und Alfons Kiefer bei der Buchvorstellung bei Bock & Seip in Merzig. Foto: Rolf Ruppenthal Foto: Rolf Ruppenthal
Die fotorealistischen Arbeiten des Künstlers und Illustrators Alfons Kiefer sind stets ein Hingucker. Der gebürtige Besseringer und Wahl-Münchner arbeitet seit über 30 Jahren für Zeitschriften und Magazine. Gemeinsam mit Autor und SZ-Redakteur Wolf Porz hat er nun ein Buch herausgegeben. Am Montag war Premiere in Merzig (wir berichteten).
„Er wurde mal als bekanntester unbekannter Künstler bezeichnet. Das kann man wohl so sagen. Denn oft bewundern die Betrachter eine Illustration, schauen aber nicht, wer die gemacht hat“, schmunzelte Alfred Diwersy bei der Vorstellung des neuen Buches „Alfons Kiefer – Illustrationen, Zeichnungen & Gemälde“ am Montag in der Buchhandlung Bock & Seip. Gemeinsam mit seinem Freund, Autor und SZ-Redakteur Wolf Porz, hat Kiefer einen Bildband mit einer Auswahl seiner Arbeiten herausgegeben, der diese Woche im Gollenstein-Verlag erschienen ist. Erklärungen sucht man vergebens, denn wie Kiefer selbst sagt, wäre es falsch, ein Bild zu erklären. Sonst hätte kein Betrachter mehr die Möglichkeit, sich seine eigene Geschichte dazu auszudenken. Deshalb ist im gesamten Bildband nur ein einziges Bild erklärt: das Cover des Beatles-Albums „Anthology“, das er mit seinem Freund Klaus Voormann gestaltete.

Die Kunstform, die Alfons Kiefer nahezu perfekt beherrscht, ist der Fotorealismus. Was versteht man darunter? „Ich fotografiere meine Motive zuerst, dann male ich sie. Sie sind sehr realistisch, denn ich benutze Elemente der Fotografie, wie Tiefenunschärfe, Wischer oder Bewegungsunschärfe“, erklärte Kiefer. Teilweise ist dann für das Auge des Betrachters kaum zu unterscheiden, ob es sich um eine Fotografie oder ein Bild handelt. Ein Bild so zu malen, sei vier Mal mehr Aufwand, verriet Alfons Kiefer während der Buchvorstellung. Aber noch viel spannender als die Technik sind die Geschichten hinter den Bildern. Vor allem, wenn Kiefer sie selbst erzählt. Während der Buchvorstellung am Montag öffnete der erfolgreiche Illustrator gerne seine Schatztruhe an Erlebnissen. Denn es ist keineswegs so, dass bei einem solch erfahrenen Künstler immer alles glatt geht.

Während eines Foto-Shootings mit dem amerikanischen Rock- und Bluesmusiker Willy Deville in New Yorkbekam er sogar mal Hausverbot in einer Kneipe, weil seine großen Scheinwerfer innerhalb kürzester Zeit einen totalen Stromausfall verursachten. Glücklicherweise waren die wenigen Schüsse, die er davor machen konnte, so gut, dass er sie anschließend für ein Bild verwenden konnte.

Spannende Motive fordern jedoch nicht nur vom Künstler selbst alles, wie eine weitere Geschichte Kiefers belegt. Für eine Geschichte im Stern musste ein starkes, emotionales Bild her. „Glücklicherweise hatte ich für meine Idee eine Unterwasserkamera und geduldige Freunde. Wir haben damals ein Schwimmbad für eine Nacht gemietet. Ich hatte eine bestimmte Szene im Kopf, die uns allen viel abverlangt hat“, erzählt Kiefer. Ein Freund sollte sich vom Rand aus rückwärts mit dem Kopf ins Wasser legen. Ein anderer sollte ihn von oben am Hals würgen und unter Wasser drücken. Beim ersten Versuch bekam der Untere der beiden Wasser in die Nase. Tempobällchen rein, Problem gelöst. Beim zweiten Versuch fiel der Kollege oben beim Hinunterbeugen ins Wasser. Also musste ein dritter Mann her, der den oben festhielt. Dann bewirkte der Blitz unter Wasser nicht, was er sollte. Also über Wasser, dem dritten Mann noch in die Hand gedrückt. Am Ende wurde daraus eine irre Szene, die so viel Spannung und Emotion vermittelt, dass man kaum glauben kann, wie sie entstanden ist. Bis das Bild dann fertig war, verging eine Woche.

Fragt man Kiefer nach seinem Lieblingsbild, so kommt eine klare Antwort: ein Porträt des deutschen Musikers und Grafikers Klaus Voormann. Von diesem Bild sagt der Künstler selbst: „Ich habe sein Wesen gut getroffen, es ist mir gut gelungen.“ Wenngleich er vor der schonungslos ehrlichen Abbildung zunächst selbst erschrocken war. Voormann gefiel es so gut, dass er es auf seiner Website zeigte. Allerdings mit dem Vermerk: gemalt und nicht fotografiert. Dieser Hinweis ist notwendig, denn mit bloßem Auge ist das nicht zu unterscheiden.

Für Mitherausgeber und Autor Wolf Porz war es wichtig, dass dieses Buch ein saarländisches Buch ist. Denn sowohl er, als auch Alfons Kiefer sind Saarländer. Der Verlag sitzt in Saarbrücken. Und: „Wir waren froh, dass Krüger Druck in Merzig das Buch gedruckt hat. Es ist eine tolle Arbeit, ein erstklassiger Druck“, lobte Porz.



„Alfons Kiefer - Illustrationen, Zeichnungen & Gemälde“, ISBN-Nr. 978-3-95633-000-1 , 191 Seiten, 29,90 Euro, im Handel.

www.gollenstein.de

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