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Greimerath

Stollen am Judenkopf stürzen ein

Gutachter von Umwelttechnik-Büro: Auswirkungen auf den Windpark sind nicht zu erwarten


Von SZ-MitarbeiterChristian Moeris, 18.05.2013 00:00
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Die Greimerather Simone Martini, Bernhard Schmitt, Christel Martin und Jürgen Witt (von links) vor einer der Spalten, die sich im Wald am Judenkopf aufgetan haben. Foto: Christian Moeris Foto: Christian Moeris
Die VSE als einer der Betreiber des geplanten Windparks auf dem Judenkopf weist die Darstellung der Windpark-Gegner aus Greimerath zurück, wonach die Erdarbeiten für die Errichtung der dort geplanten Windräder verantwortlich für den Einsturz alter Grubenstollen seien.
„Das ist lebensgefährlich“, sagt Bernhard Schmitt von der Greimerather Bürgerinitiative (BI), die seit Beginn des Jahres gegen die geplante Windkraftanlage auf der saarländischen Seite des Judenkopfes ankämpft. Bis zu zwölf Meter tiefe Erdspalten hat ein Einwohner der Gemeinde vergangene Woche im Wald entdeckt – nur 600 Meter vom geplanten Windpark am Judenkopf entfernt, wo eine Investorengemeinschaft fünf Windräder bauen will. Die Greimerather machen die ersten Arbeiten am Windpark für die lebensgefährlichen Abgründe in der Bergflanke des Judenkopfes verantwortlich. „Im März hat es da oben Erdarbeiten mit schwerem Rammgerät gegeben“, sagt Schmitt. Die Vibrationen hätten Schächte des stillgelegten Eisenerzbergwerkes Louise einstürzen lassen, das sich von rheinland-pfälzischer Seite ausgehend in die Flanke des Judenkopfes erstreckt. Nach Einschätzung der Bürgerinitiative erstreckt sich das Bergwerk mit seinem mindestens fünf Kilometer langen unterirdischen Stollensystem auf drei Ebenen direkt bis unter den Ort, wo die saarländischen Investoren fünf Windräder bauen möchten. Das alte Stollensystem sei aber im Bebauungsplan für die Windräder nicht berücksichtigt worden, sagt die BI. „Das saarländische Landesumweltamt wusste nichts von der Existenz eines alten Bergwerks im Judenkopf“, sagt Schmitt. „Die Verantwortlichen haben erstmals im April durch uns etwas davon erfahren.“ Deshalb befürchten die Greimerather noch weitere Einbrüche, da die wirklich schweren Arbeiten am Judenkopf noch gar nicht begonnen haben. Zudem sind die Stolleneinbrüche für die Greimerather Bürgerinitiative ein weiteres Beispiel dafür, wie oberflächlich die Gutachter bei ihrer geologischen Untersuchung des Berges vorgegangen sind. „Das alte Bergwerk verläuft aller Wahrscheinlichkeit nach bis unterhalb der geplanten Windräder. Wie können die geologischen Gutachter da zu dem Ergebnis kommen, der Berg sei unbelastet?“, fragt sich Schmitt. Die Windräder über dem alten maroden Stollensystem zu errichten, grenzt für die Bürgerinitiative deshalb an Wahnwitz. „Da verlaufen Wanderwege wie der Greimerather Höhenweg und zudem eine Gaspipeline. Wenn sich da der Boden auftut, ist das lebensgefährlich“, sagt Schmitt. Schon jetzt sei Gefahr im Verzug, weshalb auch das Geologische Landesamt noch in dieser Woche zu einem Ortstermin in Greimerath erwartet wird. Die Gemeinde Greimerath möchte den Windpark mit einer Klage vor dem Oberverwaltungsgericht in Saarbrücken stoppen.

Demonstration in Losheim

Das alte Bergwerk sei auch beim artenschutzrechtlichen Gutachten nicht berücksichtigt worden, sagt der frühere Revierförster Ralf Tauber. „In den stillgelegten Stollen haben unzählige Fledermäuse ihr Winterquartier. Das haben die Gutachter des Investors vollkommen ignoriert.“ Die Greimerather erwarten, dass der Flächennutzungsplan und der Bebauungsplan Ende Mai für rechtswirksam erklärt werden. Dann wollen sie gegen die Pläne Widerspruch einlegen.

Zudem planen sie eine Demonstration. Die Nachbargemeinde Losheim erwartet am Pfingstsonntag, 19. Mai, Bundesumweltminister Peter Altmaier zu einem bundesweiten Wandertag für biologische Vielfalt. Am Rande einer für 11 Uhr geplanten Podiumsdiskussion mit dem Minister wollen die Greimerather gegen den Bau der Windräder am Ortsrand protestieren. Der Energieversorger VSE hat hierzu eine entsprechende Stellungnahme des zuständigen Umwelttechnik-Büros von Egbert Adam aus Nonnweiler eingeholt. „Im Vorfeld der geotechnischen Bearbeitung des Projektes Windpark Britten wurden die geologischen und bergbaulichen Einflussfaktoren durch unser Ingenieurbüro routinemäßig geprüft“, erklärt der Gutachter. Auf rheinland-pfälzischer Seite seien in dem Gebiet am Judenkopf sowohl kleinere Steinbrüche zur Werksteingewinnung als auch Pingen (Bodenvertiefungen) und Stollen zum Eisenerzabbau aus der Zeit des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges dokumentiert.

Keine Unterlagen im Saarland

„Auf saarländischer Seite sind letztere nicht belegt“, erklärt Adam. Nach den öffentlich zugänglichen Bestandsunterlagen beschränkte sich die Konzession der Grube Louise auf ein Areal auf rheinland-pfälzischer Seite.

Der Gutachter: „Demnach ist auch im Einflussbereich der Windenergieanlagen-Gründungen nicht von vorneherein mit Bergbau-Einflüssen zu rechnen.“ Weder bei den archäologischen Sondagen noch bei der geomagnetischen Erkundung des Standortes oder der geotechnischen Erkundung seien Hinweise auf historische Abbautätigkeiten gefunden worden. Für den Gutachter steht fest: „Ein Zusammenhang zwischen den Ausschlussarbeiten im März diesen Jahres mit dem Tagbruch auf Greimerather Gemarkung kann aus ingenieurtechnischer und geowissenschaftlicher Sicht nicht ansatzweise nachvollzogen werden.“ Die bei den Erdarbeiten über die schweren Maschinen eingebrachte Rammenergie sei „bereits in wenigen Metern Abstand nicht mehr relevant“. Mit anderen Worten: Den von Greimerather Seite hergestellten Zusammenhang zwischen Erdarbeiten und Stolleneinbruch betrachtet der Gutachter offenbar als Unsinn.

Eine detaillierte Bewertung des aktuell beschriebenen eingestürzten Stollenabschnittes sei nur durch eine Aufnahme vor Ort sinnvoll, fährt Adam fort. Diese sei nach seinem Kenntnisstand vom rheinland-pfälzischen Landesamt für Geologie und Bergbau erfolgt. Egbert Adam abschließend: „Wenngleich eine Gefährdung von Personen im unmittelbaren Einflussbereich der Tagbrüche gegeben ist – hier ist der rheinland-pfälzische Grundstückseigentümer in der Verkehrssicherheitspflicht –, sind Auswirkungen auf den Windpark und umgekehrt aus heutiger Sicht nicht zu erwarten.“

Zum Thema:

HintergrundDie Firma Gebrüder Böcking hat im Jahr 1843 erste Stollen in die rheinland-pfälzische Flanke des Judenkopfes bei Greimerath gegraben, um Eisenerz abzubauen. Das Erz wurde an die Eisenindustrie im Saargebiet geliefert. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurde in Greimerath Erz abgebaut. Die aktuellste Skizze des alten Bergwerks stammt aus dem Jahr 1938. Demnach soll sich im Berg ein Stollensystem mit fünf Kilometern Länge auf drei Ebenen befinden. cmo
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