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Gelungenes Experiment in der Villa Borg sorgt für Aufsehen





Borg
Glasherstellung wie zu Zeiten der Römer
Gelungenes Experiment in der Villa Borg sorgt für Aufsehen

Von SZ-Mitarbeiter Rolf Ruppenthal,  17. Oktober 2013, 00:00 Uhr
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Bettina Birkenhagen (rechts) und Frank Wiesenberg (Zweiter von rechts) bei der Arbeit an dem nach historischem Vorbild gebauten Schmelzofen.Foto: Rolf Ruppenthal Foto: Rolf Ruppenthal
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Über 1000 Grad heiß wird der Glasofen in der Villa Borg.
So heiß ging es in der Villa Borg seit rund 2000 Jahren nicht mehr zu. Mehr als 1000 Grad zeigten die digitalen Thermometer der Neuzeit, als der neue Glasschmelzofen römischer Bauart seine Feuerprobe bestand. Auch der neue Kühlofen funktionierte auf Anhieb problemlos. Bei dem Glasofenexperiment in Borg handelt es sich um das erste und einzige Projekt dieser Art. Ähnliche experimental-archäologische Versuche gab es bislang nur in England und in Belgien.


 
Die römische Villa im Dreiländereck, eine der herausragende touristischen Attraktionen Saarland, ist um eine Attraktion reicher – dank Frank Wiesenberg aus Aachen und Bettina Birkenhagen, Leiterin des Museums.

Still und leise war in den vergangenen Monaten ein hochinteressantes Projekt angelaufen: Wiesenberg und Birkenhagen hatten mit ihren Helfern aus heimischem Ton zwei Öfen gebaut – nach römischem Vorbild der Trierer Grabung „Hopfengarten“ einen Glasofen und knapp daneben einen Kühlofen.

Obwohl Wiesenberg, Student an der Uni Köln, in Sachen experimental-archäologischer Glasherstellung Kenner des Metiers ist, barg dieses Experiment etliche Risiken. „Trotz der Erkenntnisse aus verschiedenen Grabungen bei Trier und in Belgien betreten wir hier Neuland“, betonte Bettina Birkenhagen. „Die Größenverhältnisse sind oft unterschiedlich, und man weiß im Vorfeld auch nicht, wie unser Ton bei diesen Temperaturen mitspielt.“

Der heimische Ton spielte prächtig mit, wie die ersten Feuerungsversuche zeigten, nachdem sich der Bau des Schmelzofens und des Kühlofens über zwei Monate hingezogen hatte.

Nach einer ausreichend bemessenen Trocknungsphase wurden die Öfen dieser Tage erstmals in Betrieb genommen. Flammen loderten aus allen Öffnungen des Brennofens. Die Temperatur stieg und stieg: Die digitalen Thermometer zeigten alsbald mehr als 1000 Grad Celsius. Die Grade sind notwendig, will man Glas schmelzen – und es gelang.

Drei Tage lang arbeitete das Team um Frank Wiesenberg und Bettina Birkenhagen intensiv und konzentriert „an einem Stück“. Parallel zum Schmelzen und Läutern des Glases wurde ein Werkplatz mit Märbelplatten (Marmorplatten, an denen das (zäh-) flüssige Glas an der Pfeife noch nachjustiert werden kann) und Werkzeugablagen errichtet. Die folgenden Funktions- und Arbeitstests liefen ohne größere Zwischenfälle und Störungen ab.

Das Schönste dabei: Besucher, die sich zufälligerweise im Terrain der Villa Borg befanden, konnten den Akteuren über die Schulter schauen.

Auch der Kühlofen arbeitete problemlos: Hier sind nach den Aussagen von Bettina Birkenhagen lange nicht so hohe Temperaturen notwendig. Während der Glasofen praktisch eine Woche lang ohne Unterbrechung unter Feuer stand, wurde der Kühlofen nur während der täglichen Arbeitsphasen auf rund 500 Grad Celsius aufgeheizt. Bei diesen Temperaturen konnte das bearbeitete Glas dann ganz kontinuierlich abkühlen. Mit dem langsamen Abkühlen des Nachts nicht mehr befeuerten Kühlofens konnte das Glas ebenfalls mit abkühlen.

Die Ergebnisse dieses Glasofen-Experimentes werden in die Bachelorarbeit von Frank Wiesenberg einfließen.

Bettina Birkenhagen würde das bislang so erfolgreiche Glasofen-Experiment gerne fortführen, aber ohne Fördermittel geht das auf Dauer nicht. Alle Akteure haben bislang viel Zeit in das Projekt investiert und alle notwendigen Materialien aus eigener Tasche bezahlt.

Nur wo bekommt man entsprechende Fördermittel her? Diese Frage kann auch Bettina Birkenhagen bislang noch nicht beantworten.

www.glasofenexperiment.de

www.villa-borg.de



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