Erich Pohl ist neuer Ehrenbürger

Saarlouis


Von Von SZ-Redakteur Johannes Werres, 10. Juni 18:43
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Erich Pohl, ein begnadeter Erzähler (neben seiner Frau Gertrud und Rolf Weber, einem weiteren Ehrenbürger) freut sich im Gespräch mit OB Roland Henz über die Auszeichnung. Foto: Hartmann Jenal

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Erich Pohl trägt sich ins Goldene Buch ein. Foto: Petra Molitor/Stadt

Saarlouis. Vor großem Publikum, rund 300 Gästen, hat Oberbürgermeister Roland Henz Erich Pohl zum 18. Ehrenbürger der Stadt Saarlouis seit 1880 ernannt. Pohl, 84, hat entschieden, vielleicht entschiedener als andere, Zeichen der Zeit zu lesen und zu befolgen vermocht. Das wurde in den Reden zu Ehren von Pohl am Sonntagabend deutlich.

In den 60er und 70er Jahren, unterstrich Roland Steinmetz, Vorsitzender von Aufsichtsrat und Vorstand der Lebenshilfe im Kreis, sei es längst noch nicht selbstverständlich gewesen, Menschen mit Handicaps bessere Lebensbedingungen zu ermöglichen. Pohl sei damals "Architekt, Motor, treibende Kraft" der Lebenshilfe im Kreis Saarlouis gewesen.

Vielseitig

Seiner Zeit voran ging Pohl auch in den 50ern. Wenige Jahre nach Kriegsende, Anfang der 50er, spielte er als Deutscher Fußball in einer französischen Auswahlmannschaft, wie Oberbürgermeister Roland Henz in seiner Laudatio betonte. Pohl war bereits 1950 als junger Deutschlehrer ins französische Vesoul gegangen. Dass er 1969 mit Begeisterung die Gründung der Städtepartnerschaft mit Saint-Nazaire mitgestaltete, liegt auf dieser Linie. 1986, wieder der Zeit voran, handelte er aktiv die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft, die zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt, mit aus. Der Lehrer Erich Pohl ließ sich später zum Sonderschullehrer ausbilden, arbeitete an der Gründung von Schulen in Schaffhausen und Saarwellingen mit, war dort 22 Jahre Rektor. 1966 stieß Pohl zur Lebenshilfe, war 42 Jahre in dessen Kreisvorstand, 39 davon als Vorsitzender.

Nach der Gründung einer zugehörigen gemeinnützigen GmbH 2002 stand er dieser bis 2010 als Aufsichtsratsvorsitzender vor. Heute ist er Ehrenvorsitzender. Ein Gebäude der Lebenshilfe ist nach ihm benannt, ein Turnier des FV 09 Fraulautern auch. Dem Verein gehörte er in vielen Funktionen an. Heute ist er auch dort Ehrenvorsitzender.

1960 bis 1979 gehörte Pohl dem Stadtrat Saarlouis an. Zehn Jahre ehrenamtlicher Beigeordneter, 1980 bis 1993 hauptamtlicher Beigeordneter für Schule und Kultur. Im Ruhestand schon, 1994 bis 2005, leitete Pohl ehrenamtlich das Städtische Museum in Saarlouis. 1994 bekam er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Und jetzt seine zweite Ehrenbürgerschaft: Die erste hat ihm 1994 Saint-Nazaire verliehen.

OB Henz dankte ausdrücklich dem Stadtrat, dass er "über die Parteigrenzen hinweg" der Ehrenbürgerschaft für Pohl zugestimmt hatte; wofür sich auch Pohl bedankte.

Nie langweilig

Seine Dankesrede ließ Pohl wegen seines stark nachlassenden Augenlichtes von Enkelin Esther vortragen. Selbst aber wünschte er der Stadtverwaltung "eine glückliche Hand" und fasst seinen Einsatz zusammen, und das nahm man ihm gerne ab: "Langeweile kam in dieser lebendigen Kreis- und Europastadt nicht auf."

Das bestätigten, gewissermaßen nebenbei, die Band der Tagesförderstätte der Lebenshilfe im Kreis Saarlouis, geleitet von Gregor Iceles, und Chorios, der Jugendchor der Pfarrei St. Josef Kreuzberg, geleitet von Sandra Becker.

 



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