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Allen Protesten zum Trotz wollen die USA ihre Atomwaffen in Deutschland erneuern





Büchel
Neue Atombomben für die Eifel
Allen Protesten zum Trotz wollen die USA ihre Atomwaffen in Deutschland erneuern

Von  Arne Bensiek, 
01. August 2014, 00:00 Uhr
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Im Eifeldorf Büchel lagern seit dem Kalten Krieg Atomwaffen der Amerikaner. Archivfoto: dpa
US-Atomwaffen mit der 13-fachen Sprengkraft der Hiroshima-Bombe lagern seit dem Kalten Krieg in der Eifel. Die Bundesregierung schweigt, was den Einsatz von Bundeswehrsoldaten im Ernstfall betrifft.


 
Wenn der Pilot die Strahlentriebwerke seines Tornados einschaltet, grollt es durch das Eifeldorf Büchel wie ein Donner. Den Lärm und den Anblick der Jagdbomber der Bundeswehr sind die 1200 Einwohner gewohnt. „Viele von uns hätten keine Arbeit, gäbe es die Tornados nicht“, sagt der ehemalige Bürgermeister Richard Benz. Das relativiere in einer strukturschwachen Region, etwa 100 Kilometer von der saarländischen Grenze entfernt, vieles. Sogar, dass bald neue Atombomben einziehen sollen.

Bis 2020 plant die US-Regierung, ihre rund 180 in Europa lagernden Nato-Nuklearwaffen zu modernisieren. Vom „Lebensverlängerungsprogramm“ ist auch der Fliegerhorst Büchel betroffen. In der Eifel werden aus der Zeit des Kalten Krieges noch bis zu 20 Atombomben der Typen B61-3 und B61-4 aufbewahrt – die letzten hierzulande. Diese Waffen besitzen die 13-fache Sprengkraft der Hiroshima-Bombe. Mit der Lagerung auf deutschem Boden entspricht die Bundesrepublik der Nuklearen Teilhabe der Nato. Lange schien es nur eine Frage der Zeit, bis die Bundesregierung von den USA verlangen würde, die Nuklearwaffen aus Deutschland abzuziehen. Gekommen ist es dazu bis heute nicht. Wenn die USA bald wie geplant ihre Atombomben gegen die neu entwickelte B61-12 austauschen sollten, werden auf deutschen Boden die modernsten Nuklearwaffen der Welt lagern – ebenfalls für den Abwurf durch einen Bomber.

An der Einfahrt zum Fliegerhorst Büchel hat Elke Koller schon oft mit Gleichgesinnten gegen die Atombomben demonstriert. „Hier wird internationales Recht gebrochen“, ist sie überzeugt. Deutschland habe 1969 den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet, erzählt sie. Die Bomben in ihrer Nachbarschaft seien jedoch ein Verstoß dagegen.

Über die vertraglichen Feinheiten lässt sich indes streiten. Genau genommen haben die USA ihre Waffen in Büchel nicht der BRD übergeben. Innerhalb des Fliegerhorsts lassen die Amerikaner die Bomben von 140 Soldaten bewachen.

Dennoch sind die Bomben auch eine deutsche Angelegenheit. Was, wenn irgendwann der schlimmste Fall eintritt? Sollten die Atombomben zum Einsatz kommen, gäbe es vor Ort keine Flugzeuge der US-Air-Force. In Büchel stünden für ihren Abwurf allein Bundeswehr-Tornados bereit. Aus US-Atombomben könnten im Nu deutsche werden.

Es wäre interessant, zu erfahren, ob die deutschen Soldaten in Büchel auf diesen Ernstfall vorbereitet sind. In einer noch 2008 gedruckten Taschenkarte für Soldaten – der zentralen Dienstvorschrift 15/2 – heißt es eindeutig, der Einsatz atomarer Waffen sei deutschen Soldaten verboten. Dieser Passus findet sich seit der Überarbeitung der Dienstvorschrift im vergangenen Jahr im Handbuch nicht mehr. Warum, das mag das Bundesverteidigungsministerium nicht kommentieren.



Bis Ende 2015 bekommen die rund 40 in Büchel stationierten Tornados nach und nach ein Software-Upgrade, das die Sicherheit der Besatzung deutlich erhöht. Außerdem wird eine neue lasergesteuerte GPS-Waffe integriert. Der Tornado besitzt als einziges Bundeswehrflugzeug unter seinen Tragflächen Halterungen für zwei B61-Nuklearwaffen. Genau diese Fähigkeit könnte Deutschland teuer zu stehen kommen, wenn die USA die neuen B61-12-Nuklearwaffen nach Büchel bringen. Die Halterungen am Tornado müssten an die neuen, digital gesteuerten Bomben angepasst werden. Die Millionen für die Umbauten müssten wahrscheinlich aus dem Bundeshaushalt kommen, wenn das Parlament zustimmt.

Zum Thema:

HintergrundMit einem Aktionscamp in der Nähe des Fliegerhorstes Büchel will die Friedensbewegung ab dem Wochenende gegen die Modernisierung der in Deutschland gelagerten US-Atomwaffen protestieren. Für die Dauer des Aktionscamps bis zum 11. August sind mehrere Blockaden des Luftwaffenstützpunktes geplant. Ab dem 5. August setzt der evangelische Pfarrer Matthias Engelke seine jährliche Fastenaktion in Büchel fort. Der Theologe, der Vorsitzender des deutschen Zweigs des Internationalen Versöhnungsbundes ist, beginnt seine Aktion heute in Konstanz und wechselt dann vor das Haupttor des Atomwaffenlagers, teilte der Versöhnungsbund mit. epd


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