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Kampf um Altkleider wird härter





Kampf um Altkleider wird härter
Von SZ-Mitarbeiterin Silvia Buss,  25. März 2013, 00:11 Uhr
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Dieser Aufkleber markierte einen inzwischen entfernten illegalen Container in der Heinrich-Köhl-Straße. Foto: Silvia Buss

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Dieser Aufkleber markierte einen inzwischen entfernten illegalen Container in der Heinrich-Köhl-Straße. Foto: Silvia Buss

Saarbrücken. Das Sammeln von Altkleidern war lange meist Sache karitativer Organisationen. Die bekommen doppelte Konkurrenz. Gewerbliche Sammler wollen mit Altkleidern und Alt-Schuhen aus ungenehmigten Containern Geld verdienen. Über 50 illegale Container fand die Stadt Saarbrücken schon, mahnte die Besitzer ab und beseitigte dann die Kisten


 
Saarbrücken. Das Sammeln von Altkleidern war lange meist Sache karitativer Organisationen. Die bekommen doppelte Konkurrenz. Gewerbliche Sammler wollen mit Altkleidern und Alt-Schuhen aus ungenehmigten Containern Geld verdienen.

Über 50 illegale Container fand die Stadt Saarbrücken schon, mahnte die Besitzer ab und beseitigte dann die Kisten. Und wie viele andere Kommunen steigt Saarbrücken selbst ins Altkeidersammeln ein (die SZ berichtete). Nach dem Test in Altenkessel und Güdingen will der städtische Entsorger ZKE in allen Stadtteilen aus der blauen Tonne mal Papier, mal Altkleider abfahren. Das Geld aus dem Weiterverkauf soll die Müllgebühren stabil halten.

SZ-Recherchen in der Altkleiderbranche ergaben, dass Gebrauchttextilien 300 bis 400 Euro pro Tonne bringen. Rund 50 Prozent landen als Putzlappen oder Dämmstoff in der Autoindustrie, 40 Prozent als Secondhand-Kleidung in Osteuropa und Afrika, zehn Prozent im Müll. Auch Hilfsorganisationen verkaufen den Großteil ihrer Sammlungen an Verwerter. Die Deutschen rangieren jährlich 750 000 Tonnen Klamotten aus, viel zu viel, um alles an Bedürftige zu geben. Auch ist nicht alles tauglich.

Die Konkurrenz - illegale Container und Stadt - ärgert die Hilfsorganisationen. Denn sie brauchen den Erlös aus dem Verkauf der Kleider für ihre soziale Arbeit.

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) Trier etwa fördert mit seiner jährlichen Straßensammlung Projekte für junge Bolivianer. Wenn Bürger Altkleider alle acht Wochen in die blaue Tonne werfen, bleibe für die Bolivienhilfe nichts übrig, sagt der BDKJ. Damit wären das ehrenamtliche Engagement der Jugendlichen und die entwicklungspolitische Arbeit gefährdet, sagt Matthias Pohlmann vom BDKJ-Bolivienreferat.

Nur wenn sie mit ihrem Entsorger ZKE selbst flächendeckend sammelt, argumentiert die Stadt unter Verweis auf das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz, könne sie gewerbliche Sammlungen untersagen.

Das Rote Kreuz investierte nach eigenen Angaben viel in sein Sammelsystem und hat in Saarbrücken 250 seiner 900 saarländischen Container. Aus jährlich 600 Tonnen Altkleidern in Saarbrücken (4000 Tonnen saarlandweit) finanziert es Selbsthilfegruppen zur Krebsnachsorge, Bewegungsangebote für Senioren und Projekte gegen Fettleibigkeit. Rotkreuz-Sprecher Martin Erbelding fragt sich, warum die Stadt ein Parallelsystem aufbaue, wenn es doch ein gut funktionierendes Verfahren gebe, und verweist auf den Entsorgungsverband Saar (EVS). Der EVS verzichtet aufs Sammeln, "um den Gemeinnützigen nicht ins Gärtchen zu gehen", sagt Sprecherin Marianne Lehmann.

"Wenn wir Erlöse für Projekte in Saarbrücken verlieren", kündigt Erbelding an, "stehe ich am nächsten Tag sowieso vor der Rathaustür und sage: Ich brauche von euch Geld."



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