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Da blieb kein gutes Haar an der saarländische Energie-Politik





Riegelsberg
Lafontaine wettert gegen Windkraft
Da blieb kein gutes Haar an der saarländische Energie-Politik

Von  Fredy Dittgen, 
20. Oktober 2014, 00:00 Uhr
Er packte nicht das Florett, sondern gleich die Keule aus: Oskar Lafontaine wetterte in der Riegelsberghalle gegen die Windkraft. 150 Zuhörer waren der Einladung gefolgt.


 
„Gegenwind? Windräder im Fröhner Wald“ hieß das Motto einer Informationsveranstaltung, zu der die Riegelsberger Linke am Freitagabend in die Riegelsberghalle eingeladen hatte. Hauptredner war Oskar Lafontaine, der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag. 150 Zuhörer hörten zu, wie Lafontaine die saarländische Energiepolitik – und ganz besonders den geplanten Bau der Windkraftanlagen – in der Luft zerriss. Diese Windkraftanlagen, so Lafontaines Meinung, seien wirtschaftlich ein Flop und würden sich für die Kommunen nicht rechnen, ihr Bau sei umweltpolitisch sowie technisch völlig falsch. Und auf die Planer, politischen Befürworter sowie Kommunalpolitiker hieb er mit großer Keule drauf.

„Blödsinn“ bis „Schwachsinn“

Ein paar Zitate: Die Windenergie sei „ökonomisch und technisch Blödsinn“. Auch für den Umweltschutz tauge sie nichts: „Die ganzen Waldflächen im Saarland werden kaputt gemacht“, so Lafontaine in Bezug auf die Vorhaben, bei denen Waldstücke betroffen sind. Zur Planung der Windkraftanlagen sagte er: „Das, was hier passiert, ist völlig irre. Man sollte aufhören, die Leute für dumm zu verkaufen.“ Heftige Prügel bezogen die Kommunalpolitiker: „Was die Bürgermeister sagen, ist alles Quatsch.“ Oder: „Irgendwann wird auch der blödeste Stadtverordnete merken, dass das alles gar nicht stimmt.“

Die Windenergie alleine könne nicht zur Stromversorgung dienen, meinte Lafontaine: „Wenn kein Wind weht, würden hier in der Riegelsberghalle alle Lichter ausgehen.“ Da es keine Netze und keine Vorratsspeicher gebe und es weiterhin Kraftwerke geben müsse, schimpfte er: „Die Technik, die wir in Deutschland derzeit aufgebaut haben, ist ein einziger Schwachsinn.“

Attacke auf die Grünen

Bei den politischen Parteien hatte er es vor allem auf die Grünen abgesehen: „Was ist aus dieser Partei geworden? Sie rufen ständig nach Bundeswehreinsätzen und zerstören die Umwelt.“ Bezüglich der geplanten Windräder in der Fröhn, wo ein Premiumwanderweg verläuft, meinte Lafontaine: „Eine schöne Landschaft ist ein Atemholen der Seele. Durch das Aufstellen technischer Anlagen zerstört man dieses Atemholen.“

Die geplanten Mindestabstände der Windkraftanlagen zur Wohnbebauung fand Lafontaine als zu gering: „Was ist denn das für ein Kappes, wenn man für Rotmilane 1,5 Kilometer Abstand hält und für die Menschen 800 Meter? Die haben sie doch nicht mehr alle.“ Lafontaine befürwortet die in Bayern angewandte “10 H-Regel“ (derMindestabstand muss das 10-fache der Höhe eines Windrades sein.): „Sonst sind die Menschen Versuchskaninchen für unverständige Politiker.“ Auch den Infraschall thematisierte er, wo einige Gutachter sagen, er sei für den Menschen (in bestimmten Frequenzen) gesundheitsschädlich, während andere sagen, es sei noch gar nichts bewiesen: „Lassen Sie sich nicht von Gutachten täuschen. Das beste Gutachten ist Ihr eigener Kopf.“

Lafontaine brachte auch Gegenvorschläge: Die Infrastruktur zur Energiewende solle man über Steuerfinanzierung aufbauen, sagte er. Und statt in Windräder zu investieren, sollte man die Wärmedämmung bei Häusern und neue Heizanlagen fördern: „Sie kriegen damit den gleichen Einspareffekt und die Natur wird nicht zerstört.“ (Siehe Info)

Ein Befürworter traute sich

Nach der einstündigen Rede diskutierten die Zuhörer noch 30 Minuten lang mit Lafontaine. Fast nur Gegner der geplanten Anlagen im Fröhner Wald traten ans Mikrofon. Einzige Ausnahme: Frank Kuphal vom Förderverein Energieversorgung Köllertal: „Sie sagten, wenn kein Wind geht, brauchen wir Kraftwerke, die aber den CO2-Ausstoß erhöhen. Aber wenn wir diese Kraftwerke schon brauchen, dann können wir deren Leistung verringern, wenn wir Windenergie haben.“ Der „Förderverein Energieversorgung Köllertal“, der sich für Windenergie einsetzt, hat eine Initiative gestartet, die Gegner und Befürworter an einen Tisch bringen soll mit dem erklärten Ziel, dass nicht einseitig von einer Seite informiert wird, sondern dass gemeinsam Argumente ausgetauscht werden. Man wolle „zur Versachlíchung“ des Themas beitragen, heißt es in einem offenen Brief des siebenköpfigen Vereinsvorstandes an den Riegelsberger Bürgermeister Klaus Häusle, in dem dieser gebeten wird, „eine öffentliche Diskussionsveranstaltung zu organisieren, bei der Windkraftbefürworter und Windkraftgegner ihre Argumente austauschen können“. Angedacht ist vom Verein die Moderation durch einen SR-Redakteur und im Podium etwa Vertreter der Gemeinde Riegelsberg, der MontanWIND gmbH (Investor im Fröhnwald, gehört zur RAG), des Vereins Fröhner Wald für Mensch und Natur und des Fördervereins Energieversorgung Köllertal.

Die Diskussionsrunde solle Bürgern die Möglichkeit geben, sich vor der Bürgerbefragung eine persönliche Meinung zum Thema „Windpark Fröhn“ zu bilden.

Zum Thema:

Auf einen BlickStaatliche Förderung von Wärmedämmung gibt es bereits: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergibt zinsgünstige Kredite und auch Direktzuschüsse in ihrem Programm „Energieeffizient sanieren“ (ausgeschlossen sind Häuser ab dem Baujahr 1995). Zu den geförderten Maßnahmen gehören auch Wärmedämmung, Erneuerung von Fenstern und Außentüren und die Erneuerung oder Verbesserung von Heizungsanlagen. mrwww.kfw.de/151


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