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Die Schutzflehenden bereicherten Geburtstagsfeier von Theater Mutanth mit einem „gewagten Experiment“





Sulzbach/St Ingbert
Schmerz von der Bühne geworfen
Die Schutzflehenden bereicherten Geburtstagsfeier von Theater Mutanth mit einem „gewagten Experiment“

Von  Anja Kernig, 
01. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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In Sackleinen gehüllt, traten die Schüler der integrativen BBZ-Klasse auf. Foto: Anja Kernig

Foto: Anja Kernig
Das Musik- und Tanztheater Mutanth hat sein 15-jähriges Bestehen in der Aula Sulzbach mit einem interkulturellen Fest zu Gunsten der St. Ingberter Flüchtlingshilfe gefeiert – mit intensiver, schwerer Kost.

So viel Verzweiflung, so viel Trauer: „Ich habe meine Heimat verloren.“ „Ich habe meinen besten Freund verloren“ „Ich habe mein Leben und meine Schule verloren.“ Die in Sackleinen gekleideten Mädchen, Zweige mit weißen Wollfäden als Symbol der Schutzsuchenden am Gürtel, warfen ihren Schmerz förmlich in den vollbesetzten Festsaal der Aula.

Wer Stefanie Bungart-Wickerts charmante Begrüßung mit dem Song-Klassiker „You've got a friend“ (Carole King) verpasst hatte und just in dem Moment zur Veranstaltung „Farbe bekennen – mach mit“ stieß, dürfte sich im falschen Film gewähnt haben: Immerhin war man zu einer Geburtstagsfeier eingeladen worden. Vor 15 Jahren gründeten Eva Maria Lajko und Miguel Bejarano Bolívar das Musik- und Tanz-Theater Labor „MuTanTh“ in Saarbrücken. Gefeiert werden sollte dieses Jubiläum auf interkultureller Ebene mit einem Fest, das Flüchtlinge und Einheimische gleichermaßen anspricht und im besten Falle zum Kennenlernen und miteinander Tanzen „aktiviert“.

Die Idee war erst im September geboren worden. Insofern erlebten die mehr als 300 Besucher am Samstagabend ein kleines Wunder: Hatte doch Mutanth in Kooperation mit der Musikschule Sulzbach-Fischbachtal ein üppiges Programm auf die Beine stellen können. Mit dabei Ro Gebhardt, der mit Hector Zamora und Daniel Prätzlich eine Jam-Session vom Feinsten ablieferte, und die Gruppe Talking Earth Trust mit ihrer von türkisch-kurdischer Folklore und persischer Klassik inspirierten Weltmusik.

Die emotionalsten Momente erlebten die Zuschauer jedoch beim Tanztheater „Die Schutzflehenden“, basierend auf der griechischen Tragödie von Aischylos. Im Rahmen einer Projektwoche hatten Lajko und Bolívar das Flucht thematisierende Stück mit den 16- und 17-jährigen Syriern, Afghanen, Iranern und Bulgaren der integrativen Klasse des Sozialpflegerischen BBZ Saarbrücken einstudiert. „Es war ein gewagtes Experiment“, verriet Schulleiterin Hildegard Linicus-Rüssel. Schließlich gibt es die Klasse erste seit Ende August. Doch die täglich sechs Stunden Probe haben sich gelohnt: „Die Schüler haben eine enorme Entwicklung gemacht“, gerade im Selbstbewusstsein, aber auch in der Sprache. Für ihre Riesenleistung erhielten 14 Darsteller großen Applaus, von dem sie noch lange zehren dürften: „Auf der Rückfahrt im Bus haben viele Mädchen geweint – vor Freude.“ Teilweise parallel zum Programm im Festsaal und danach noch bis spät in die Nacht wurde im Konferenzraum eine Etage tiefer ausgelassen getanzt. Kolumbianische Cumbias, Salsa, bretonische und syrische Tänze wechselten sich ab – womit der Wunsch der Gastgeber, dass sich Menschen unterschiedlicher Herkunft „mit Freude und Leichtigkeit“ begegnen mögen, hundertfach in Erfüllung ging. Den Erlös des Abends spendet das Geburtstagskind im Übrigen an das Netzwerk für Flüchtlinge in St. Ingbert.

Zum Thema:

Auf einen Blick Mitwirkende: Hector Zamora, Eliza Montes de Oca, Leonardo Ortega, Ro Gebhardt, Daniel Prätzlich, Stefanie Bungart-Wickert, Uwe Brandt, Talking Earth Trust, Denise Rixecker, Marcelo Penna, Peter Stahl, Schams, Mutantheater, Miguel Bejarano Bolivar, die Flüchtlingsklasse des Sozialpflegerischen Berufsbildungszentrums Saarbrücken. nig



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