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Innovationspark-Geschäftsführer Stefan Braun sieht Gefahr durch Kaminsplitter





St Ingbert
Becker-Schornstein soll fallen
Innovationspark-Geschäftsführer Stefan Braun sieht Gefahr durch Kaminsplitter

Von SZ-Redakteur Michael Beer,  07. Mai 2013, 00:00 Uhr
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Innovationspark-Geschäftsführer Stefan Braun erläutert vor Ort, warum er den ungenutzten Schornstein abreißen will. Foto: Jacobi Foto: Jacobi
Innovationspark-Geschäftsführer Stefan Braun hält einen Abriss des Hochschornsteins auf dem Becker-Areal für unumgänglich. Herabfallende Steine stellten eine Gefahr dar. Der Denkmalschutz hat zunächst Einwände geltend gemacht, schwenkt aber offenbar um. Heute diskutiert der Stadtrat.
Auf dem großen Glastisch im Besprechungsraum liegen drei Ziegelstein-Bruchstücke. Sie wiegen recht schwer in der Hand und haben teils scharfe Kanten. Stefan Braun hält einen hoch: „Der wiegt 400 Gramm. Wenn Ihnen der auf den Kopf fällt aus 40 Meter Höhe, spüren sie den Aufprall nicht mehr.“ Er versteht sich drastisch auszudrücken, der Chef des Innovationsparks Am Beckerturm. Aber als Verantwortlicher auf dem großen und traditionsreichen Areal der ehemaligen Becker-Brauerei muss er sich auch um die Sicherheit derer sorgen, die nahe des zentral gelegenen Schornsteins (1938 erbaut) ihren Arbeitsplatz haben. Der 55 Meter hohe Schlot stellt nach Brauns Worten eine Gefahr dar. Vor etlichen Jahren sei er saniert worden, berichtet der Chef des Innovationsparks. Aber offenbar nicht wirklich gut. Denn seit vergangenem Winter platzten vermehrt Stücke aus der äußeren Hülle. Braun, seit 2005 Herr über das ausladende Areal, berichtet, er habe vor einigen Tagen mit einem Sachverständigen das Ausmaß der Schäden besichtigt.

Ergebnis: Eine Sanierung dürfte an die 500 000 Euro kosten, die Außenhülle müsste komplett erneuert werden. Für ein Bauwerk, das keinerlei Funktion mehr hat, scheint das Braun zu viel. Er möchte das weithin sichtbare Teil deshalb abreißen lassen. Die Kosten dafür dürften nach seiner Einschätzung im unteren sechsstelligen Bereich liegen.

Der Denkmalschutz hat zunächst Einspruch erhoben. Das Brauerei-Gelände stellt ein denkmalgeschütztes Ensemble dar. Beckerturm und Eiskeller gelten darüberhinaus als Einzeldenkmäler. Nach einem Papier, das der SZ vorliegt, kommt das Landesdenkmalamt aber dennoch zu dem Ergebnis, eine Abbruch-Genehmigung sei letztlich alternativlos. Neben dem Denkmalamt ist auch die Stadt St. Ingbert involviert. Pressesprecher Peter Gaschott: „Eine Satzung von 1985 sagt, im innerstädtischen Bereich dürfen große Veränderungen nur mit Zustimmung des Stadtrates gemacht werden.“ Braun will dem Rat deshalb die Situation schildern.

An der Zufahrt zum Turm hat er jetzt jedenfalls einen Mann postiert, der jedem, der sich dem umzäunten Hochkamin nähert, einen Schutzhelm in die Hand drückt. Bei der Besichtigung hält ein Wagen. Sein Besitzer zeigt auf drei Dellen in der Motorhaube. Abgeplatzte Steine seien auf dem umzäunten Gelände aufgeschlagen, hochgespritzt und auf dem Auto gelandet, berichtet er. Er trägt es mit Fassung – Braun müsse eben für den Schaden aufkommen. Der zeigt ein paar Meter weiter auf ein Auto, das anstelle einer Heckscheibe eine Folie aufgeklebt hat. Auch das sei ein Opfer des Schornsteins, meint er. Bei allem Respekt vor schützenswerten Denkmälern sehe er seinen Job darin, das Gelände mit derzeit 600 Beschäftigten in rund 70 Betrieben zu entwickeln. Für einen Erhalt des Turms sieht der Geschäftsführer keine Chance: „Ich muss handeln.“

Zum Thema:

Hintergrund Der Schornstein am Beckerturm ist heute auch Thema im St. Ingberter Stadtrat. Die Stadt hat nach einer Satzung aus dem Jahr 1985 ein Mitspracherecht, wenn Ortsbild prägende Bauten abgebrochen oder verändert werden sollen. Das Landesdenkmalamt vertritt zudem die Ansicht, der Schornstein sei erhaltenswert. Gleichwohl erkennt es nach einem vorliegenden Papier an, dass ein Finanzierungsmodell für den Erhalt mit den aktuellen Problemen (Verkehrssicherungspflicht) nicht in Einklang zu bringen ist. mbe

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