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Der Hasseler Hobby-Schriftsteller Bernhard Wilms wäre am heutigen Dienstag 100 Jahre alt geworden





St Ingbert
Von einem ruhigen, gemütlichen Mann, der sehr aktiv war
Der Hasseler Hobby-Schriftsteller Bernhard Wilms wäre am heutigen Dienstag 100 Jahre alt geworden

Von  Cornelia Jung, 
29. November 2016, 02:00 Uhr
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Anette Ast zeigt Fotos ihres Vaters und einen Teil seines literarischen Schaffens. Der Hasseler Hobby-Schriftsteller wäre heute 100 Jahre alt geworden. Foto: Cornelia Jung

Foto: Cornelia Jung
Seine Tochter Anette Ast erinnert sich an den Hobby-Schriftsteller Bernhard Wilms, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, als jemanden, der etwas für Malerei und gute Literatur übrig hatte. Seinen beiden Kindern hat er jedoch nie vorgelesen.

Während die Bücher von Bernhard Wilms in den St. Ingberter Buchhandlungen nicht mehr gelistet sind, kann man seine vielen Jugendbücher und Erinnerungen nur noch über Antiquariate beziehen. Und dabei war der St. Ingberter, der heute vor 100 Jahren in Duisburg geboren wurde, zu Lebzeiten durchaus populär. Sein Erstlingswerk „Die Grotte von Marina Grande“ erschien 1955 in zwei Auflagen, da die erste schnell vergriffen war. Das Buch war so erfolgreich, dass es ein österreichischer Verlag in Lizenz ebenfalls herausgab.

Die Schauplätze seiner Bücher wie „Der Mann aus Bari“, „Die Spur führt nach Süden"oder „Napoleons Schatzkiste“ spielen in Gegenden, die er selbst kannte.

Doch nach Sardinien beispielsweise kam er nicht etwa als Tourist, sondern als Soldat. 1939 wurde er zur Luftwaffe eingezogen, kurze Zeit später meldete er sich freiwillig zum fliegenden Personal. Im Herbst des gleichen Jahres ging er an die Luftwaffenflugzeugführerschule in Ingolstadt, die er als ausgebildeter Flugzeugführer verließ. Danach wurde er an die Luftnachrichtenschule Welzow in die Niederlausitz versetzt, wo er bis 1942 Dienst tat. Als Sanitätsflieger ging Wilms in den Fronteinsatz nach Süditalien, wo er im Mai '43 über dem Mittelmeer von Amerikanern abgeschossen wurde. Nachdem er mit zwei Kameraden mehrere Stunden geschwommen war, erreichte er durchfroren, nass und mit Herzproblemen, von denen er sich nie ganz erholte, eine Sardinien vorgelagerte Insel.

Dort wurden die Männer von sardischen Fischern entdeckt und gerettet. Einige Monate später überlebte er einen Absprung aus einer brennenden Maschine. Nach dem Krieg lebte Wilms bis 1951 wieder in Welzow, der damaligen DDR. Bereits dort schrieb er Kurzgeschichten und Artikel für die örtliche Zeitung. In dieser Zeit war er eng befreundet mit Erwin Strittmatter, einem der bekanntesten Schriftsteller der DDR, der später erster Sekretär des gesamtdeutschen Schriftstellerverbandes wurde. Nach seiner Übersiedlung nach St. Ingbert, der Heimatstadt seiner Mutter, fing er, der mal Musiker werden wollte und sogar seine Prüfung zum Klavierlehrer gemacht hatte und Gitarre und Akkordeon spielte, mit dem Schreiben von Büchern und Hörspielen an.

Den Lebensunterhalt für seine Familie - seine Frau lernte er noch in der Welzower Zeit kennen -, bestritt der Hobby-Schriftsteller als Bezirksleiter einer Bausparkasse. Seine Tochter Anette Ast erinnert sich an ihn als einen ruhigen, fast introvertiert zu nennenden, gemütlichen Mann, der sehr aktiv war. Er habe etwas für Malerei und gute Literatur übrig gehabt und sich mit vielen interessanten Leuten getroffen. Obwohl es ihm in seinen Büchern und Aufsätzen nicht an Phantasie mangelte, die er in Worte zu fassen wusste, hat er seinen zwei Kindern nie vorgelesen. „Sardinien hat er nie wieder besucht“, erzählt seine Tochter, „ich habe das so gesehen, dass mein Vater die Kriegszeit nie wirklich verkraftet hat. Er hat nie darüber gesprochen, aber er hat sich wohl vieles mit seinen Büchern von der Seele geschrieben“. Allein sein Schriftverkehr mit den Verlagen, die seine Bücher gern veröffentlichten, füllt heute drei dicke Aktenordner.

Auch ein so genannter Groschenroman unter dem Titel „Die gefährliche Liebe des Fischermädchens“ ist dabei. Dass der Gold-Roman unter einem weiblichen Synonym (Sandra Carsten, die Red.) erschien, habe ihn gewurmt, sagt Anette Ast. Demnächst will sie sich drei noch unveröffentlichten Manuskripten ihres 1994 verstorbenen Vaters widmen, der so bekannt war, dass sich sein Name sogar im Literaturlexikon „Who is who in the arts and literatures“ findet. „Meine Eltern hatten wenig Geld, aber ein sehr interessantes Leben. Allein den Schriftverkehr kann man nicht mit Geld aufwiegen“, sagt seine 63-jährige Tochter aus heutiger Sicht.



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