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Der St. Ingberter Stadtpfarrer erläutert die Motive der christlichen Fastenzeit





St Ingbert
Verzicht ist kein Selbstzweck
Der St. Ingberter Stadtpfarrer erläutert die Motive der christlichen Fastenzeit

Von  Christian Leistenschneider, 
11. Februar 2016, 02:00 Uhr
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Etwas weniger auf dem Teller, das verbinden viele mit Fasten. Verzicht soll für Christen aber einen tieferen Sinn haben. Foto: bub Foto: bub
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Andreas Sturm
Gefragt, warum sie fasten oder kürzer treten, würden wohl viele sagen: „Das tue ich wegen meiner Gesundheit.“ Ein Ansatz, den auch Pfarrer Andreas Sturm zum Thema Fastenzeit gar nicht mal so schlecht findet. „Wir brauchen die Bereitschaft, über den eigenen unmittelbaren Nutzen hinauszudenken.“


 
Verzicht liegt im Trend. Die Bücherregale werden bevölkert von Kochbüchern, die eine Ernährungsweise „ohne“ propagieren – ohne Kohlenhydrate, ohne Milchprodukte, ohne Fleisch. Grund dieses Booms ist in erster Linie die Sorge um die eigene Gesundheit. Manch einer spricht darum bereits von der Gesundheit als neuer Ersatzreligion. Wie aber ist es um das traditionelle Fasten im Rahmen der kirchlichen Vorbereitung auf Ostern bestellt? Umfragen fördern jedenfalls immer wieder zu Tage, dass die Menschen auch in der kirchlich vorgegebenen Fastenzeit vornehmlich aus gesundheitlichen Motiven Verzicht üben.

Diese Tatsache sieht der für die St. Ingberter Pfarreien zuständige Pfarrer Andreas Sturm allerdings gar nicht unbedingt kritisch. „Natürlich ist für viele Menschen die Fastenzeit oft jene Zeit, in der nach dem ausgelassenen Feiern an Fastnacht der Kampf gegen die Kilos und der Blick auf die Bikini-Figur im Vordergrund stehen“, weiß Sturm. Aber auch solch eine Ernährungsumstellung könne durchaus den Sinn dieser Zeit erfüllen. „Wichtig ist vor allen Dingen, sich seine täglichen Gewohnheiten bewusst zu machen.“ Daraus kann sich dann ein kritischer Blick auf den eigenen Lebensstil ergeben: „Es geht darum, die Mentalität des Alles-immer-verfügbar-Habens in Frage zu stellen. Brauche ich wirklich jeden Tag ein Stück Fleisch auf dem Teller? Müssen es Erdbeeren im Winter sein?“ Die Bereitschaft, über den eigenen unmittelbaren Nutzen hinauszudenken, nimmt Sturm auch bei seinen Gemeindemitgliedern wahr.

Bei alldem sei Verzicht niemals Selbstzweck: „Worauf es ankommt, ist, die Leerstellen zu füllen. Und zwar mit Aufmerksamkeit für das, was wirklich wichtig ist.“ So hält er es auch persönlich. Jedes Jahr aufs Neue prüft sich Pfarrer Sturm auf Gewohnheiten und Abhängigkeiten, die seinen Geist zerstreuen. Dabei ist zum Beispiel der Umgang mit modernen Medien ein großes Thema: „Ich erwische mich oft dabei, wie ich in freien Minuten auf Facebook herum klicke und nach den letzten Neuigkeiten Ausschau halte. Das geht manchmal schon ganz automatisch. Oder wenn man abends eine Sendung im Fernsehen beendet hat, schaltet man noch wild umher, statt einfach auszuschalten.“ Wenn man sich das einmal klargemacht habe, könne der Verzicht dazu dienen, um sinnvollere und erfüllendere Erfahrungen zu machen: „Die gewonnene Zeit möchte ich etwa dazu nutzen, mich in geistliche Bücher zu vertiefen.“

Diese Verhaltensweisen sind betont individuell. Ist die Fastenzeit aber nicht auch eine kollektive Institution? Welche Kraft eine gemeinschaftlich organisierte Fastenzeit entfalten kann, zeigt der muslimische Ramadan, der auch in unserer Gesellschaft inzwischen deutlich sichtbar ist. Er schreibt allen Glaubensbrüdern genaue Verhaltensregeln vor. „Das Christentum ist – auch aufgrund der europäischen Geschichte der Aufklärung – mehr auf das Individuum ausgerichtet“, erklärt Pfarrer Sturm. Jeder Einzelne stehe selbst in der Verantwortung, sich zu prüfen und zu schauen, wo er ansetzen könne. Wünschenswert sei es aus seiner Sicht natürlich, den Weg auf Ostern zu als Zeit der Einkehr und des Gebets zu gestalten. „Es ist eine gute Gelegenheit zur Selbstbefragung und nicht zuletzt für das Sakrament der Versöhnung, die Beichte.“ Selbstverständlich gebe es aber auch im kirchlichen Rahmen eine Vielzahl von Angeboten für gemeinschaftliches Fasten (siehe Infokasten).

Was auffällt, wenn man sich mit den christlichen Fastenbräuchen beschäftigt: Sie sind gar nicht sonderlich streng. Pfarrer Sturm erläutert: „Eigentlich schreibt die Kirche nur zwei Fastentage vor: Aschermittwoch und Karfreitag. An diesen beiden Tagen sollte man seine Nahrungsaufnahme auf eine sättigende Mahlzeit beschränken.“ Auf eine Besonderheit weist der Pfarrer noch hin: „Wenn Sie nachrechnen, werden Sie feststellen, dass zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag 46 Tage liegen, obwohl die Fastenzeit nur vierzig Tage dauert. Das rührt daher, dass die sechs Sonntage in dieser Zeitspanne vom Fasten ausgenommen sind.“ Selbst wer also konsequent fastet, bekommt alle sieben Tage Pause vom Verzicht.

Zum Thema:

Auf einen BlickDie Pfarrei Heiliger Ingobertus bietet in der Fastenzeit zahlreiche Möglichkeiten zur Vorbereitung auf Ostern. Hier eine Auswahl: Am Sonntag, 14. Februar, gibt es in St. Michael das Große Gebet mit der Schlussandacht um 17 Uhr. An allen weiteren Sonntagen findet jeweils um 17 Uhr in der Alten Kirche eine Fastenpredigt statt. Bußgottesdienst ist am Mittwoch, 16. März, um 18.30 Uhr in St. Hildegard und am Dienstag, 22. März, um 18.30 Uhr in St. Konrad. Als „Akzent in der Fastenzeit“ findet am Donnerstag, 18. Februar, um 19 Uhr im Schwesternhaus von Herz Mariae ein Bibelteilen statt. Am Sonntag, 28. Februar, gibt es in der Unterkirche von St. Franziskus das „Gemeindeessen in der Fastenzeit“. In St. Josef findet eine ähnliche Veranstaltung am 21. Februar um 12 Uhr statt. Dazu gibt es immer freitags um 6 Uhr Frühschichten und dienstags um 16.30 Uhr Kreuzwegandachten in der Alten Kirche. Ab dem 24. Februar bietet die Pfarrei zudem eine meditative Heilfastenwoche an. Eine besondere Veranstaltung ist der Evensong, eine musikalische Meditation am Montag, 22. Februar, um 19 Uhr in der Engelbertskirche. Weitere Angebote zur Fastenzeit finden sich unter www.heiliger-ingobertus.de. lec


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