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Naturschützer fürchten, dass einheimische Arten aussterben könnten





St. Ingbert
Tierische Einwanderer an, auf und in der Saar
Naturschützer fürchten, dass einheimische Arten aussterben könnten

Von  Silvia Buss, 
01. Dezember 2016, 02:00 Uhr
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Kastanienminiermotte

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In China sind Wollhandkrabben eine lukullische Spezialität. Womöglich müssen Saarbrücker China-Restaurants diese Schalentierchen in Zukunft gar nicht mehr aus China importieren. Denn auch in der Saar kommen diese und andere Krebsarten aus fernen Ländern heutzutage schon vor. Sie gehören zu jenen tierischen Einwanderern, die Naturschützern wie Andreas Werno gar nicht schmecken. „Es gibt ja sehr viele neu eingewanderte Tierarten, die absolut problemlos sind,“ betont der Experte vom saarländischen Zentrum für Biodokumentation. Doch zehn Prozent gelten als gefährlich, weil sie sich stark vermehren, einheimische Tierarten verdrängen oder auch auf andere Weise der Natur oder dem Menschen schaden. Diese Übeltäter, die Biologen „invasive Neozoen“ nennen und zu bekämpfen versuchen, sind selten freiwillig eingewandert. Die chinesischen Wollhandkrebse etwa wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Handelsschiffen nach Europa eingeschleppt.

Die aus Nordamerika stammenden Signalkrebse und Kamberkrebse wurden um 1880 zur Belebung der deutschen Fischerei absichtlich ausgesetzt. „Durch den Schiffsverkehr, den wir über ganz Europa verstärkt haben, breiteten sie sich aus, und durch den Saarausbau zur Großschifffahrtsstraße, kamen sie bis nach Saarbrücken“, sagt Werno. Nicht nur Krebse und Garnelen, auch Speisefische wie die einst absichtlich vom Kaspischen Meer eingeführte Schwarzmundgrundel. Sonnenbarsche wiederum wurden als Aquarien- und Teichfische aus USA importiert.

„Wenn man zu viele hatte, hat man sie ausgekippt“, erklärt Werno, wie sie in freie Gewässer kamen - und zur Plage wurden. Saar-Angler fluchten inzwischen, dass sie nur noch diese beiden Fische an die Angel bekämen, weil sie alle heimischen Arten verdrängt hätten, weiß Werno. Diese Fisch- und Krebsarten zu essen, sei das Beste, was man als Angler dagegen tun könne, rät er. Auch an Land gibt es aggressive Neulinge. Mehr als Nilgänse und (ausgesetzte) Schmuckschildkröten geben Fachleuten eher kleinste Wesen Anlass zur Sorge. Etwa der asiatische Marienkäfer, der Ende der 80er in die USA, dann auch nach Europa zur biologischen Schädlingsbekämpfung in Gewächshäusern eingeführt wurde. Seit 2002 verdrängt er auch im Saarland überall die kleineren einheimischen Marienkäfer. Wegen seiner Vielfalt an Punkten und Farben auch „Harlekinmarienkäfer“ benannt, kann dieser Kampfkäfer doch auch Menschen erschrecken: wenn er im Winter zu Tausenden in Häusern Unterschlupf sucht. Und bissig ist er auch.

Ein chinesischer Falter, der sich über Baumarktketten einschmuggelte, ist der Buchsbaumzünsler. „In diesem Jahr hat er sich entlang der großen Flüsse sehr verbreitet, von Perl bis nach Saarbrücken“, sagt Werno. Seine Raupen machen ihn zum Schreckgespenst aller Gartenbesitzer: „Sie können zu Tausenden innerhalb kürzester Zeit ganze Buchsbaumhecken kahl fressen“, erklärt der Experte. Da sie im Inneren der Büsche anfingen, ließen sie sich kaum erkennen und auch kaum bekämpfen. Langfristig könnten sie dem Buchsbaum im Saarland „den Garaus bereiten“, beschreibt Werno die Gefahr. Dagegen sei ein anderer, anfangs als hochgefährlich vermuteter Falter, die aus dem Balkan eingeschleppte Kastanienminiermotte, vergleichsweise harmlos. Ebenso wie die Lindenminiermotte. Ihre Raupe fräßen zwar Hohlräume in die Blätter, die Bäume aber, so Werno, gingen dadurch nicht ein.



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