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Gespräch mit Expertin Leonie Fuchs über echte Krankheiten und Wellness-Schnellkurse





Homburg
Zwischen Lavendelöl und Medizin
Gespräch mit Expertin Leonie Fuchs über echte Krankheiten und Wellness-Schnellkurse

Von  Christine Maack, 
16. April 2015, 00:00 Uhr
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Wellness ist ein Wachstumsmarkt. Physiotherapeuten stehen im Wettbewerb mit Anbietern, die keine fundierte medizinische Ausbildung haben, aber den lukrativen Markt mit Wohlfühl-Behandlungen abschöpfen. Foto: Andrea Rankovic Foto: Andrea Rankovic
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Leonie Fuchs, Lehrerin für Physiotherapie im Fachbereich Chirurgie und funktionelle Bewegungslehre (rechts), zeigt hier einen Aspekt des Berufs des Physiotherapeuten. Foto: Bernhard Reichhart Foto: Bernhard Reichhart
Am Freitag findet das Landesjuniorentreffen aller Physiotherapieschüler des Saarlandes am Uniklinikum statt. Das Gebiet der Krankengymnastik ist vielfältig und auch lukrativ. Denn Massagen sind begehrt, und viele Einrichtungen verdienen damit gutes Geld. Doch mit medizinischen Anwendungen hat Wellness oft nichts zu tun.
Wellness-Behandlung oder medizinische Anwendung? Diese Frage wird oft gestellt, wenn man in in ein Kur- oder Thermal-Hotel kommt, in dem sowohl Wohlfühl- als auch medizinische Anwendungen angeboten werden. Bei den Wohlfühl-Massagen duftet es nach Kokos- oder Mandelmilch, angenehme Musik rieselt aus dem Lautsprecher - und die Masseurin legt Wert darauf, die Behandlung möglichst sanft zu gestalten. Ganz anders ist es bei den Physiotherapeuten: da hört man keine Musik, dafür wird regelrecht gearbeitet und danach schmerzen alle Knochen. Was sich allerdings nach mehrfacher Anwendung bessert.

Physiotherapie gehört zu den Gesundheitsfachberufen. Es ist in Deutschland genau geregelt, was Physiotherapeuten dürfen. Die medizinische Notwendigkeit einer Behandlung wird ausschließlich durch Ärzte festgestellt und auf Rezept verordnet, außer bei vorbeugenden Maßnahmen. Sporttherapeuten, -wissenschaftler und -lehrer erfüllen nicht die Zulassungsvoraussetzungen als Physiotherapeut und dürfen das Heilmittel Krankengymnastik weder erbringen noch abrechnen. Das gilt auch für die so genannten Thai-Massagen, die ebenfalls nur privat gebucht und abgerechnet werden dürfen. Hier ist viel Geld zu verdienen, denn der Wohlfühlsektor boomt.

Am Freitag, 17. April findet ab 9 Uhr das Landesjuniorentreffen aller Physiotherapieschüle der drei saarländischen Physiotherapieschulen am Uniklinikum in Homburg statt. Neben Homburg gibt es noch eine Schule in Lebach, die sich auf Reha spezialisiert hat und eine Schule in Saarbrücken (SHG), wo Physiotherapie sogar ein Studienfach ist, das mit einem Bachelor abgeschlossen werden kann.

Ein Vortrag von Bernd Scheliga vom Beirat des Landesverbandes Physiotherapie Rheinland-Pfalz/Saarland beschäftigt sich mit dem Thema „Direktzugang - Der richtige Weg in die Zukunft?“ mit anschließender Podiumsdiskussion. Dabei geht es darum, dass Patienten künftig direkt zum Physiotherapeuten gehen können, ohne den Umweg über den Arzt zu wählen.

180 Teilnehmer werden erwartet, begrüßt werden sie von Professor Dieter Kohn, dem Direktor der Klinik für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie am Uniklinikum, der auch ärztlicher Leiter der Physiotherapieschule ist. Ebenso sind der Leiter des Homburger Schulzentrums, Ulrich Wirth, und Elisabeth Hegel, Leiterin der Physiotherapieschule, in Homburg mit dabei. Ab 9.30 Uhr bis 11.45 Uhr werden insgesamt sechs Workshops angeboten. Die 180 Schüler bekommen hier die Gelegenheit, in Eigeninitiative Workshops zu leiten, zu moderieren und die Ergebnisse zu dokumentieren.

Nach der Mittagspause findet die Wahl des Landesjuniorensprechers statt, dann gibt es noch zwei Vorträge: Professor Sven Gottschling, Palliativmediziner Uniklinikum, wird Mythen und Fakten zum Thema Schmerz vorstellen. Dass mit Humor vieles leichter geht, zeigt danach Henning Leidinger, Erziehungswissenschaftler und Clown.

Am 1. Oktober 2015 beginnt die nächste Physiotherapie-Ausbildung. Der Andrang ist groß, auf 24 Ausbildungsplätze in Homburg kommen rund 160 Bewerbungen. Voraussetzung sind Abitur, Fachabitur, Mittlerer Bildungsabschluss oder ein gleichwertiger Schulabschluss, dazu gesundheitliche Eignung, Aufgeschlossenheit und Einfühlungsvermögen. Ein zweimonatiges pflegerisches Vorpraktikum in einem Krankenhaus oder in einem Pflegeheim wird empfohlen. Adresse: Universitätsklinikum des Saarlandes, Schule für Physiotherapie, Gebäude 22, 66421 Homburg.

Mit Massagen lässt sich in Wellness-Hotels und Thermalbadeorten richtig Geld verdienen. Nicht alle Einrichtungen, die Massagen anbieten, beschäftigen jedoch Physiotherapeuten. Wie stehen Sie dazu?

Fuchs: Das stimmt, die Wellness-Branche boomt, da wird eine Menge Geld verdient. Die ausgebildeten Physiotherapeuten können sich nur durch die Qualität ihrer Ausbildung von anderen, gar nicht bis schlecht ausgebildeten Anbietern, unterscheiden. Man erfährt in der dreijährigen Physiotherapie-Ausbildung viel Anatomie, medizinische Grundlagen und verwendet auch die medizinische Fachsprache. Das lässt sich nicht mal nebenbei lernen.

Bedeutet der Sektor der angelernten Masseure ohne fundierte anatomische Ausbildung für Sie eine Konkurrenz?

Fuchs: Man kann sich nach einem Wochenend-Lehrgang beispielsweise schon Massage-Therapeut nennen. Das hat aber nichts mit Physiotherapie zu tun. Den meisten Menschen, die eine Wohlfühl-Behandlung buchen, geht es nicht um Medizin. Diese Kunden sind nicht krank, sondern wollen sich entspannen. Das ist völlig in Ordnung. Aber auf keinen Fall sollte man sich mit einem wirklichen Leiden unausgebildeten Masseuren anvertrauen.

Hätte der Direktzugang zum Physiotherapeuten einen Vorteil für die Patienten?

Fuchs: Ja, natürlich. Das beträfe in erster Linie die Stamm-Patienten. Denn wenn jemand beispielsweise immer dasselbe Rückenleiden hat, das sich mal wieder verschlimmert hat, könnte er seinen gewohnten Physiotherapeuten direkt aufsuchen, ohne vorher zum Arzt zu gehen. Das würde Zeit und Aufwand sparen.


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