ALLESPROFIS.DE - Profis für alle Lebenslagen
Sie sind hier: HomeSaarlandSaarpfalz-KreisStadt HomburgOrtsteil Homburg

Seit einer Woche gibt es am Uniklinikum eine eigene Station für todkranke Menschen





Homburg
Ein Abschied in Würde
Seit einer Woche gibt es am Uniklinikum eine eigene Station für todkranke Menschen

Von  Christine Maack, 
19. Oktober 2016, 02:00 Uhr
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Kinder, die an lebensverkürzenden Krankheiten leiden, freuen sich, wenn der Therapiehund Balou zu Besuch kommt. Es ist ein Anliegen der neuen Palliativstation am Uniklinikum, dass die Menschen bis zum Schluss noch schöne Momente erleben können. Foto: Gottschling Foto: Gottschling
Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten.

Prof. Sven Gottschling

Betten für Palliativ-Patienten gibt es im Saarland schon länger, allerdings nicht am Uniklinikum. Sven Gottschling sorgte dafür, dass sich das nun geändert hat. Seit einer Woche werden auch in Homburg Patienten aller Altersstufen vor ihrem Tod in einer eigenen Station betreut.

Seit 2009 kämpft Professor Sven Gottschling für eine eigene Station für Palliativmedizin am Uniklinikum. Seit einer Woche ist es nun soweit: „Wir haben jetzt eine eigene Station mit zehn Betten“, betont Gottschling im Gespräch mit unserer Zeitung, „der Wunsch nach einer professionellen Betreuung vor dem Tod ist so groß, dass nicht nur alle Betten auf Anhieb belegt wurden, sondern auch schon eine Warteliste besteht.“

Gottschling hatte von Anfang an eine altersübergreifende Palliativstation gefordert, formell sind sechs Betten für Erwachsene und vier Betten für Kinder vorgesehen, „aber selbstverständlich wird bei uns kein Kind abgewiesen“. Dass es immerhin sieben Jahre gedauert hat, bis die Palliativmedizin am Uniklinikum eigene Betten bekam, sei auch den Umbauarbeiten geschuldet, sagt Gottschling: „Als der Masterplan erstellt wurde, waren wir noch nicht eingeplant, also musste etwas umorganisiert werden.“

Die zehn Betten der Palliativstation befinden sich jetzt in Gebäude 57 im dritten Stock, neben einer unfallchirurgischen Station. „Wir brauchen zwar einen ruhigen Bereich, wollen uns aber nicht abschotten“, betont Gottschling, „wir verstecken und nicht, sondern gehören dazu.“

Wieso bestand Gottschling von Anfang an auf einer Station für altersübergreifende Palliativmedizin? „Weil wir der Meinung sind, dass der 18. Geburtstag eine eher willkürlich gezogene Grenze ist, die der medizinischen Entwicklung in vielerlei Bereichen überhaupt nicht mehr gerecht wird“, sagt der Experte, „die Überleitung eines kranken Jugendlichen in die Erwachsenenmedizin führt für die Betroffenen leider immer noch zu großen Versorgungsproblemen, wenn nicht gar zu Versorgungsabbrüchen. Warum muss ich einem 36-Jährigen, der seit vielen Jahren auch zu Mitarbeitern einer Einrichtung Vertrauen gefasst hat, sagen: „Du bist aus unserer Versorgung herausgewachsen?“.

Gottschling ist der Meinung, dass die Grenzziehung zwischen den Altersstufen falsch sei und möchte dies auf seiner Mehrgenerationen-Palliativstation in Homburg nun anders machen. Wie so vieles, was er nach vielen Jahren des Wartens nun verwirklichen kann.

Das gehe natürlich nur mit dem entsprechenden Personal, das ihm sehr am Herzen liegt: „Es ist nicht einfach, tagtäglich nur mit sterbenden Menschen zu tun zu haben. Deshalb ist unser Team professionell ausgebildet und kann sich auch jederzeit bei Überlastung Hilfe holen.“ Neben den zehn Stationsbetten, die ohnehin nur für „komplexe Versorgungen“ gedacht sind, läuft natürlich die Betreuung der Patienten auf den anderen Stationen so weiter wie bisher. Einerseits ist Sven Gottschling froh über die zehn Betten, andererseits weiß er schon jetzt: „Das ist erst ein Anfang, eigentlich bräuchte man zwei- bis dreimal so viele Betten, die Nachfrage nach einem menschenwürdigen Lebensende ist groß.“ Und so verschafft er den Kranken und deren Angehörigen die Zeit, „noch Familiengespräche zu führen und sich in Ruhe zu verabschieden.“ Das sei für alle Beteiligten sehr tröstlich.

Zum Thema:

Auf einen Blick Mit dem Buch „Leben bis zuletzt“, das erst vor ein paar Wochen erschienen ist, hat Professor Sven Gottschling zusammen mit Co-Autor Lars Amend auf Anhieb die Bestseller-Listen erklommen. Sein Motto: „Ich behandele keine Sterbenden, sondern Lebende, die bald sterben werden.“ Erschienen im Fischer-Verlag, ISBN 9783596034208, Preis: 16,99 Euro.


Homburg

Ein Abschied in Würde

Seit 2009 kämpft Professor Sven Gottschling für eine eigene Station für Palliativmedizin am Uniklinikum. Seit einer Woche ist es nun soweit: „Wir haben jetzt eine eigene Station mit zehn ... Mehr
Homburg

Eröffnung der Palliativ-Station

Vor fünf Monaten hat die neue Palliativ-Station am Uniklinikum bereits ihre Arbeit aufgenommen, jetzt ist es soweit, dass sie offiziell eröffnet wird. Am Mittwoch, 1. Februar wird auch ... Mehr
Homburg

Eröffnung der Palliativstation

Vor fünf Monaten hat die neue Palliativ-Station am Uniklinikum bereits ihre Arbeit aufgenommen, jetzt ist es soweit, dass sie offiziell eröffnet wird. Am 1. Mehr



Teilen und diskutieren

Kommentieren Sie diesen Beitrag über Facebook, Twitter oder Google+:

FACEBOOK
GOOGLE+
TWITTER


Homburg-App:

Termine, Müll-Memo, Ihre Tipps und Hinweise an die Stadtverwaltung uvm.



App der Stadt Homburg/Saar in Zusammenarbeit mit SZ Digital Service > Mehr Infos


Anzeige
Neu für Vereine:
SaarZeitung

Termin melden

Text schicken
Lokalausgabe Homburg
Jetzt die SZ lesen:

ANZEIGE
Tipps


ANZEIGE
Beilagen




Anzeige