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Fachtagung „Im Spannungsfeld des Extremismus“ im Homburger Forum beleuchtete die Folgen des Terrors





Homburg
„Der Islam ist kein Sicherheitsproblem“
Fachtagung „Im Spannungsfeld des Extremismus“ im Homburger Forum beleuchtete die Folgen des Terrors

red,  18. Oktober 2016, 02:00 Uhr
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Die Terroranschläge in Paris und Brüssel sorgen zunehmend für Ängste auch in Deutschland, nicht erst seit den jüngsten Vorfällen in Sachsen. Foto: Julien Warnand/dpa Foto: Julien Warnand/dpa
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Kreisbeigeordneter Dieter Knicker begrüßte die rund 200 Teilnehmer zur Fachtagung im Homburger Forum. Foto: Anika Bäcker

Foto: Anika Bäcker
Zunehmender Extremismus ist überall in Deutschland zurzeit ein bestimmendes Thema. Bei einer Fachtagung in Homburg trafen sich gut 200 Teilnehmer, um über die Flüchtlingsfrage und die Ängste der Menschen zu diskutieren.

Die vom Jugendamt des Saarpfalz-Kreises in Homburg angebotene Fachtagung „Im Spannungsfeld des Extremismus“ bot einen umfassenden Überblick über die gegenwärtigen Herausforderungen für Gesellschaft und Verwaltung, die sich aus der aktuellen Zuwanderung und dem zunehmenden Fremdenhass ergeben und räumte mit eventuell verbreiteten Mythen und gepflegten Vorurteilen auf. Rund 200 Teilnehmer, die überwiegend hauptamtlich mit Flüchtlingen und Jugendlichen arbeiten, nahmen an der Veranstaltung teil, wie die Kreisverwaltung mitteilt.

Nach wie vor beschäftigt viele besonders ein Thema: dass sich so viele Menschen wie nie zuvor auf der Flucht vor Krieg, Verfolgung und Terror befinden. Natürlich kommen nicht nur gut ausgebildete und integrationsfreudige Menschen nach Deutschland. Die Gruppe derer, die hierher kommen, ist ebenso heterogen wie unsere Gesellschaft insgesamt. Gerade dem Islam und insbesondere dem Salafismus werden oftmals negative Attribute zugeschrieben. Häufig ist die Rede davon, dass eine Islamisierung Deutschlands bevorstehe und die Sicherheitslage in Deutschland durch die Flüchtlinge stark gefährdet sei. Stimmt das?

Oftmals verbreiten sich Angst und Ablehnung schlichtweg durch Unkenntnis. Zakariyya Meißner, Islamwissenschaftler bei der Fachstelle für Antidiskriminierung und Diversity Saar, informierte daher zum Einstieg in das Thema über den Islam und grenzte diesen von der religiös-politischen Strömung Salafismus ab. Gemeinsam mit Helmut Albert, Leiter des saarländischen Landesamts für Verfassungsschutz, betonte er jedoch, dass auch der Salafismus nicht zwangsläufig mit Gewalt und Terror in Verbindung gebracht werden könne. Es sei zwar richtig, dass ein Großteil der Terroristen dem Salafismus angehöre, aber nicht alle Salafisten seien gleichzeitig auch Terroristen.

Daher warnte Albert auch vor einer Generalverdächtigung der Muslime. „Der Islam und die Muslime sind kein Problem für die Sicherheitslage in Deutschland“, die sich übrigens seit etwa sechs Jahren nicht geändert habe. Er hält zwar weitere Anschläge – auch nach einer womöglich bald bevorstehenden militärischen Niederlage des IS, und einem damit verbundenen Verlust an territorialer Präsenz – für wahrscheinlich, betont jedoch, dass die Gefahr, durch einen Terroranschlag in Deutschland zu sterben, nach wie vor sehr gering sei. „Wir sollten uns daher nicht in unserem Verhalten beeinflussen lassen.Wenn Sie sich schützen möchten, lassen Sie sich lieber gegen Grippe impfen - die ist gefährlicher“, riet Albert.

Auch die oft geschürte Angst vor einer Islamisierung Deutschlands hält er für übertrieben, da der Islam zu vielschichtig sei und dafür zu wenige Muslime in Deutschland lebten. Faktisch leben hier zwischen vier und fünf Millionen Muslime, was lediglich fünf Prozent der Gesamtbevölkerung entspreche. Darüber hinaus hält Karin Meißner, erste Vorsitzende des Antidiskriminierungsforums Saar und Leiterin der Fachstelle Antidiskriminierung & Diversity Saar, gängige Thesen zu muslimischen Parallelgesellschaften für nicht haltbar. Nach ihren Erfahrungen schätzten viele der hier lebenden Muslime das Grundprinzip der Demokratie und die gesellschaftlichen Grundwerte.

Andererseits hat die aktuelle Situation in Deutschland auch dazu geführt, dass bei einigen Mitbürgern wieder die hässliche Seite im Umgang mit Flüchtlingen in Form von Fremdenhass und kultureller Abgrenzung in unserer Gesellschaft hoffähig geworden zu sein scheint. Woran liegt das? „Dass der Rechtsextremismus in Deutschland zunehmend sichtbar wird, hat verschiedene Gründe“, betont Jörn Didas vom Adolf-Bender-Zentrum. Dies läge zum einen an der Wahrnehmung der Demokratie in der Gesellschaft, die zunehmend in ihrer parlamentarischen Realität in Frage gestellt würde, aber auch an der Desorientierung gerade vieler junger Menschen. Zusätzlich würden menschenfeindliche Äußerungen mit Floskeln wie „Man wird ja wohl noch sagen dürfen...“, zunehmend legitimiert und verharmlost. Wenn dann noch Gewalt im Spiel sei, läge das daran, dass die Legitimität von Gewalt in unmittelbarem Zusammenhang mit der Verinnerlichung von Vorurteilen stehe, erklärt Didas. Die Vorstellung von Rechtsextremisten mit Springerstiefeln und Glatze seien längst überholt. Die „Neue Rechte“ habe andere, geschickte Methoden der Propaganda entwickelt, trete bürgerlich auf und habe längst nicht mehr das Schmuddel-Image der NPD, betont er.

Hieraus ergäben sich sowohl Herausforderungen für die Politik als auch für die Zivilgesellschaft. Erste Lösungsansätze sieht Didas in einer zu initiierenden gesellschaftlichen Diskussion über Werte und darin, Individuen und die Pluralität von Gesellschaft in den Fokus zu stellen, statt von Völkern zu sprechen oder gar eine völkische Interpretation von Nation anzustreben.

Daher sei die Aufklärungsarbeit gerade auch in den Schulen so wichtig, betonte Landrat Theophil Gallo abschließend. „Wir müssen viel stärker für diese Themen sensibilisieren.“ Denn, so waren sich die Experten einig, die Attraktivität der Extreme – sei es in Richtung religiösem Fanatismus oder Rechtsextremismus – sei in einem entscheidendem Punkt gleich: Sie geben desorientierten Jugendlichen Strukturen, klare Regeln und vor allem sehr einfach gestrickte, deshalb aber eben auch nur scheinbare Universal-„Lösungen“ auf sämtliche Probleme. Damit hinge es oftmals vom Zufall ab, welchem Extrem sich eine gefährdete Person zuwende.

Die Veranstaltung fand in Kooperation mit dem Adolf-Bender-Zentrum als Fachstelle im Netzwerk gegen Rechtsextremismus im Saarland und dem Landesinstitut für Pädagogik und Medien statt.



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